Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Jazzbühne mit Duo Topolino als Gast

Überzeugte bei der Jazzbühne: das Duo Topolino aus Aachen.
Überzeugte bei der Jazzbühne: das Duo Topolino aus Aachen.

80 – und kein bisschen leise! Die 80. Veranstaltung der Reihe „Jazzbühne meets“ bestätigt ein Erfolgsmodell, das sich auch von kurzfristigen Umbesetzungen nicht aus der Erfolgsspur werfen lässt.

Um Norwegen sollte es am Freitag in der Fruchthalle ursprünglich gehen, doch die Hardangerfiedlerin Ragnhild Hemsing konnte nicht kommen. Und so sprang das Duo Topolino ein – bestehend aus Nina Leonards (Violine, Gesang) und Norbert Scholly (Rhythmus- und Leadgitarre) – und führte gleich musikalisch um fast die ganze Welt. Das Hauptinstrument aber blieb gleich, schließlich war der Abend „Jazzbühne meets Violine“ überschrieben.

Nina Leonards kommt aus Aachen, hat in Maastricht klassische Geige studiert – was man deutlich spürte – und dann nach vielen Reisen zum Balkan und quer durch Europa viele Idiome, Stile und Spieltechniken adaptiert und daraus mit diversen Bandprojekten einen eigenen kosmopolitischen Stil kreiert. Ihre charismatische künstlerische Persönlichkeit sollte entscheidend den Verlauf des Abends prägen und inspirieren.

Von Israel bis Irland

Die stilistische Bandbreite für die Hausband der Jazzbühne – Martin Preiser am Piano, Michael Lakatos am Schlagwerk und Stefan Engelmann am Kontrabass – war riesig: Da gab es Anklänge an Klezmer, Gipsy Swing, Irish Folk, Tango und Flamenco sowie zum Auftakt aus Kentucky ein Titel der Country & Western-Ära, dazu als Schwerpunkt Klänge im feurigen Czardas-Klangrausch und dies in fast ekstatischer Intensität. Ungewöhnliche Takt- und Tonarten, Akzentverschiebungen und rasend schneller Off-Beat: Da waren alle aufs Höchste (an)gespannt und sollten dennoch eine der besten Veranstaltungen dieser Reihe in spielerischer Leichtigkeit und Eleganz erreichen.

Die Jazzbühne ist eine Synthese aus offenen Jam-Sessions mit (Gast-)Musikern, die nicht in der gewohnten Besetzung zusammenspielen und zudem auch neue Titel oder freie Chorusabschnitte probieren, und Jazzkonzerten, die in fester Bandbesetzung ausgefeilte Arrangements präsentieren und dies perfektionieren. Nach intensivem Proben vor der Aufführung liegt die Jazzbühne in der Fruchthalle bei bekanntem und geprobtem Ablauf irgendwo dazwischen. Umbesetzungen (wie am Freitag) sowie ständiger Stilwechsel können kaum nicht die Perfektion von Bigbands der Sender mit deren langfristig erarbeiteten Programmen erreichen. Andererseits ging das klangliche Resultat am Freitag weit über das Experimentieren und Ausloten von neuen Ausdrucksformen hinaus, weil alle fünf Musiker einfach eine Klasse für sich sind.

Furioser Auftakt

Daher war kein Abtasten, Einspielen oder Einhören zu registrieren: Es ging sogleich furios los, und die Spannung blieb bis zur letzten Fermate erhalten. Jeder setzte eigene Akzente, griff Impulse und Idiome nahtlos auf, die Hausband spielte, als würde sie seit Jahren beispielsweise erfolgreich in die legendären Fußstapfen von Klezmer- oder Gipsy Swing-Legenden wie Giora Feidman oder Schnuckenack Reinhardt treten.

Kapriolen in höchsten Lagen des Daumenaufsatzes beim virtuosen Kontrabass, souveräne und stets harmonisch und melodisch passende Umspielungen am Flügel und ein wacher Pulsschlag des Schlagwerks am Drive der Musik bildeten eine absolute Einheit. Dennoch verdienen die geigerische Brillanz in atemberaubender Saitenakrobatik und der Charme ihrer Stimmführung bei Gesangstiteln eine zusätzliche, besondere Hervorhebung von Nina Leonards; zumal die Violine trotz der Pionierleistung von Jazzgeigern wie etwa Helmut Zacharias im Vergleich zu Bläsern und Marimba- oder Vibraphon und vor allem bei der Vielzahl exzellenter Jazz-Pianisten Seltenheitswert hat. Ihre Spielweise vereint klassische Spieltechnik und Tonästhetik mit dem Tonfall verschiedenster nationaler Jazzarten.

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