Kulturzebtrum Kammgarn RHEINPFALZ Plus Artikel Jazz auf Sorbisch: Lena Hauptmann in Kaiserslautern

Lena Hauptmann in der Fruchthalle: Die 28-Jährige schreibt, komponiert und singt Jazz in sorbischer Sprache.
Lena Hauptmann in der Fruchthalle: Die 28-Jährige schreibt, komponiert und singt Jazz in sorbischer Sprache.

Mit der Singer/Songwriterin Lena Hauptmann aus Cottbus präsentierte die Jazzbühne am Freitagabend in der Kaiserslauterer Fruchthalle eine außerordentliche Künstlerin. Sie liebt die sorbische Sprache ebenso wie brasilianische Rhythmen. Genauso wohl fühlt sie sich in intimer Jazz-Atmosphäre.

Mit dem sorbischen Jazzrock-Titel „Tysac Cowanjow“ aus eigener Feder, mit dem sie vor vier Jahren den Deutschen Rock-&-Pop-Preis in der Kategorie Singer/Songwriter gewann, räumte sie schon mal gleich ab, dass es nur so groovte. Das Publikum stand Kopf. Zwischen Jazz und Pop balancierte Lena Hauptmann in ihrem Titel „Co by nadejšła“ – und das mit filigraner Melodik und voller pulsierender Energie. Es ist ein Lied über eine Frau, die in ihrem Leben etwas ändern muss, aber nicht weiß, wohin die Reise führt.

Diverse Einflüsse von Swing und brasilianischen Rhythmen verbindet sie mit deutscher, englischer und sorbischer Sprache. Mit ihrer wundervoll warmen Stimme gewann sie das Publikum auf Anhieb. Ihre Stimme und ihr Ausdruck waren dabei zu erfühlen: der Klang von Melancholie und Passion, von Kummer und Sentiment. Ihr Singen hat eine Qualität, die nur wenige Sängerinnen heute haben: Poesie.

„Einzigartiges Kulturgut“ der Wenden

Wer sind aber die Sorben? „Die Sorben sind ein westslawisches Volk, das in der Lausitz zu Hause ist“, sagte Lena Hauptmann im RHEINPFALZ-Gespräch. In Sachsen leben die Obersorben, in Brandenburg die Niedersorben oder Wenden. Die kulturellen Zentren sind Bautzen und Cottbus. Sie sind eine in Deutschland anerkannte nationale Minderheit. Schätzungsweise noch 20.000 aktiv sprechende Sorben soll es geben. Sie haben eine eigene Sprache und Kultur, die vom Aussterben bedroht ist. In Brandenburg und Sachsen ist Sorbisch sogar Amtssprache. Für die Sängerin ist diese Sprache ein „einzigartiges kulturelles Gut“, das sie in ihre Musik einfließen lässt, um sie in die Welt zu tragen.

Mit ihrer besonderen Eleganz im Ausdruck und dem markanten, intonationsreinen Sopran wusste die Sängerin aber auch bei noch jazzigeren Titeln wie dem Bossa Nova „One Note Samba“ von Antonio Carlos Jobim, dem „Samba em preludio“ des brasilianischen Gitarristen Baden Powell oder Clifford Browns „Joyspring“ zu begeistern. Lena Hauptmanns Stimme kann leicht kehlig klingen - mit einem sanften Hang zu Blue Notes, vor allem wenn der Jazz temperamentvoller wird. Nie aber klingt ihr Timbre schrill. Ihre Stärke ist nicht nur die Präsenz auf der Bühne, sondern auch ein untrügliches Timing selbst bei Scat-Passagen.

Pure Poesie

Dazu hat sie ein Gespür für die inhaltliche Darstellungsdetails der Texte. Die Fähigkeit, voller Natürlichkeit zu modulieren, überhaupt die Mischung aus versteckter Ironie und Spontaneität füllt ihre Songs mit einem Leben, das aus dem Vollen zu greifen schien. Kurzum: Die Präsenz der Lena Hauptmann ist frappant. Damit zieht sie die Hörer auf ihre Seite, lässt sie teilhaben an ihrem Leben voller Leidenschaft. Das ist die hohe Kunst des Jazzgesangs.

Bei einer solchen Frontsängerin und solchen Titeln fühlten sich die Jazzbühnen-Musiker natürlich pudelwohl. Titel wie „Always and forever/ Psecej na wse Case“ (Pat Metheny/ Text Lena Hauptmann), „Moanin“ von Bobby Timmons oder „Berimbau“ (Baden Powell) waren einerseits Verbeugungen vor den Urvätern des Jazz, andererseits eine Spurensuche nach Originalität in improvisierter Musik. Johannes Schädlich (für Stefan Engelmann) gniedelte mit allen Wassern gewaschen seinen Kontrabass, Michael Lakatos bedengelte gehörig sein Schlagwerk.

Dahinter steckte immer die ordnende Hand Martin Preisers am Piano. Sein Klavierspiel – egal ob Stride oder Monkscher Irrsinn – blitzt und funkelt wie eine Rasierklinge. Sicherheit ist nun mal der natürliche Feind der Improvisation. Ans Piano binden muss man Preiser nicht. So hatte das Publikum seinen Spaß und erklatschte mit langem Beifall eine Zugabe. Zumal es bei Baden Powell lauthals mitsingen durfte.

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