Kaiserslautern
Jürgen Walzer bringt die Heavy-Metal-Oper „Dispyria“ zu Ende
Den ersten Akt lieferte Walzer vor acht Jahren mit „Dispyria – Dream Therapy“, in der er den Protagonisten und dessen zerrissene, von Albträumen gequälte Seelenwelt einführte. Im vergangenen Jahr folgte nach siebenjähriger konzentrierter Arbeit der zweite „Dispyria“-Teil mit dem Untertitel „A Journey To Aelyrea“. Hier wurde die Handlung vorangetrieben, neue Charaktere vorgestellt, Josh Devon schließlich in die surreale Welt der im Titel genannten Dämonin hineingesogen.
Emotionalität und Ausdrucksfülle
Beide mittlerweile von zahlreichen Fans per Stream und CD goutierten Werke zeugen von reichlich Emotionalität und Ausdrucksfülle nicht nur in der erzählten Geschichte. Auch die nach allen Regeln der Kompositionskunst durchgestalteten Titel changieren intern und in der Abfolge zwischen deftig-metallig und melancholisch-zurückhaltend – beides sorgt dafür, dass es in der Welt von „Dispyria“ auch musikalisch nie langweilig wird und die Stücke direkt ihren Weg unter die Haut der Zuhörenden finden. Ein Beispiel für die Vielseitigkeit bei gleichzeitig starker Wirkung ist der brettharte, aber dennoch von eingängiger Melodie geprägte Song „The Flame“ aus dem zweiten Album, den Manual Lothschütz und Sabrina Roth – um nur zwei der zahlreichen prominenten Beteiligten zu nennen – in einem eindringlichen Duett vokal gestalten. Das von Jürgen Walzer selbst produzierte Video dazu (schließlich ist er nicht nur Gitarrist und Komponist, sondern auch ein renommierter Videokünstler) ist seit Ende des vergangenen Jahres auf YouTube zu sehen.
„Die Geschichte muss nur noch ausgestaltet werden“
Apropos Internet. Da hat Walzer mit seinen beiden Alben bislang schon einige Aufmerksamkeit bekommen. Zählt man alles zusammen, kommt man mittlerweile auf Zugriffe aus aller Welt im fünfstelligen Bereich. Nicht schlecht für einen lokalen Künstler ohne Unterstützung einer Plattenfirma, der von der ersten Idee über Komposition und Texte bis hin zur finalen Ton- und Video-Aufnahme alles in seinem kleinen Lauterer Studio bewerkstelligt. Was ihn dabei antreibt, ist unter anderem der kreative Drang des Künstlers und die Akzeptanz der Fangemeinde. Und natürlich der Wunsch, etwas abzuschließen, was er zuvor viele Jahre lang im Kopf hatte, das lange gereift ist und nun schon zu zwei Dritteln Gestalt angenommen hat. „Die Geschichte ist fertig; sie muss jetzt nur noch ausgestaltet und fixiert werden“, sagt Walzer im RHEINPFALZ-Gespräch.
Und so geht es zurzeit also mit ungebrochener Energie beständig weiter. In jenem dritten und letzten Teil werden nun zuvor gelegte Spuren aufgenommen und inhaltlich wie musikalisch zu einem guten Ende geführt. Eine zentrale Frage (neben der nach dem Schicksal Joshs) ist dabei, wie die böse Dämonin Aelyrea zu dem werden konnte, was sie ist. Der Untertitel des abschließenden Albums „Dispyria – The Story of Marion Dust“ gibt da schon einen kleinen Hinweis auf diesen Part der Geschichte, die sich auch diesmal wieder stilistisch als eine mehrschichtige Melange aus Märchen, Fantasy und Mystik präsentiert.
Trailer zum dritten Album
Später wird das Album mit einem guten Teil der schon früher Mitwirkenden eingespielt. Und es wird wohl wieder eine runde Sache werden, wovon sich der Schreiber dieser Zeilen bei einem Besuch in Walzers Produktionsstätte hörenderweise überzeugen konnte. Wenn das zurzeit oft noch nur in seiner Rohform vorliegende Musikmaterial bereits jetzt schwer beeindruckt, wie stark müssen dann erst die fertigen Stücke sein?
Wann das letzte „Dispyria“-Kapitel vollendet und die Trilogie abgeschlossen ist, kann zurzeit noch nicht genau gesagt werden. Es lohnt sich auf jeden Fall immer mal wieder ein Blick auf die Homepage und/oder die Facebook-Seite Jürgen Walzers, auf der die neuesten Entwicklungen und Infos (zum Teil mit Videos) zu finden sind. Auf Facebook und YouTube gibt’s im Übrigen zurzeit schon einen Trailer zum dritten Album mit einem Sound-Eindruck vom hörenswerten Song „Pandora’s Box“. Und wer „Dispyria“-Songs auch mal wieder live hören möchte, hat schon in knapp zwei Wochen bei der „Kurzen Nacht der Kultur“ die Gelegenheit dazu.