Kaiserslautern Irrungen und Wirrungen

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Als erstes ist da diese Musik: Der Film „Broadway Therapy“ startet mit „Heaven, I’m in Heaven“ aus dem vor 80 Jahren herausgekommenen Kino-Musical „Top Hat“ mit Fred Astaire und Ginger Rogers. Mit dem satten Hollywood-Schmelz des Songs hat Regisseur Peter Bogdanovich das Publikum sofort da, wo er es haben möchte: beim Schwelgen in schönster Kino-Magie.

Peter Bogdanovich liebt Hollywood. Seit Jahrzehnten huldigt er der Traumfabrik. Mit „The Last Pictureshow“ hat der inzwischen 76-Jährige 1971 den bis heute schönsten Abgesang auf Papas Kino geschaffen. „Is’ was Doc?“ (1972) gilt nach wie vor als eine der besten Kino-Komödien aller Zeiten. Doch der Erfolg blieb ihm nicht durchgehend treu. Mehrfach, etwa mit der Fortsetzung von „The Last Pictureshow“ („Texasville“, 1990) scheiterte er bei Publikum und Kritik. Auch sein bis dato letzter Spielfilm, der 2001 gedrehte Retro-Krimi „The Cat’s Meow“, war nicht sonderlich erfolgreich. In Deutschland ist der Film sogar nur auf DVD herausgekommen. Die Uraufführung seines nun in den deutschen Kinos startenden „Broadway Therapy“ im Vorjahr beim Internationalen Filmfestival Venedig allerdings wurde zu einem Triumph. Tatsächlich ist der Film urkomisch. Die Hauptdarsteller Imogen Poots, Jennifer Aniston, Owen Wilson und Rhys Ifans entfachen ein prachtvoll funkelndes Feuerwerk an Sprachwitz und Situationskomik. Die Geschichte, die da voller Esprit erzählt wird, erinnert an Klassiker des Boulevard-Theaters: Erotische Eskapaden fern aller bürgerlichen Konventionen sorgen für Turbulenzen der heitersten Art. Ausgangspunkt ist ein Interview mit der gefeierten jungen Schauspielerin Isabella (Imogen Poots). Sie hat das Herz nicht nur am richtigen Fleck, sie trägt es auch gern auf der Zunge. Ungeniert erzählt sie vom Beginn ihrer Karriere: Der Aufstieg begann in der Horizontalen. Isabella hatte ihre ersten effektvollen Nummern als Prostituierte. Regisseur Arnold (Owen Wilson) war derart entzückt von der vielseitig Begabten, dass er sich nicht nur als großzügiger Freier gab. Er schlüpfte zudem in die Rolle des Förderers. Kompliziert wird die Situation, als Isabella am Broadway unter seiner Regie auftreten möchte. Bis dahin wissen nur sie und Arnold vom Ausgangspunkt ihres Weges zum Ruhm. Da sich derartige Geheimnisse aber nur selten wahren lassen, muss die Sache auffliegen. Was nicht nur für Arnold peinliche Folgen hat. Es gibt ein ganzes Heer von mehr oder weniger schrägen Vögeln, das sich nun in einem Lügengespinst verheddert. Einzig Isabella wirkt in dem Tohuwabohu total entspannt. Die wahrlich rasante, gelegentlich geradezu hysterische Komik des Films erwächst oft schon allein aus dem Gegensatz von Isabella und Arnold: sie, ganz Unschuld von Herzen, er, der Sex-Maniac ohne Moral. Doch das allein würde nicht eine ganze Komödie von Klasse tragen. Bogdanovich, der jahrelang am Drehbuch gefeilt haben soll, garniert den Grundkonflikt mit Unmengen von pikanten Histörchen, grotesken Verwechselungen und pointierten Dialogen. Viele Gags gehören zu den Standards von Boulevard-Komödien: Unentwegt reden die Protagonisten aneinander vorbei und missverstehen sich, laufend müssen Partner kurzer sexueller Vergnügungen versteckt werden, Türen gehen grundsätzlich im falschen Moment auf oder zu, Telefone schrillen immer Alarm. Nicht das, was gezeigt wird, ist jedoch entscheidend. Es ist das Wie. Bogdanovich versteht sich brillant darauf, jeder Szene das richtige Tempo und den perfekten Rhythmus zu geben, die Schauspieler zu Virtuosen knisternder Erotik zu machen, Bilder, Dialoge und Musik überaus elegant miteinander zu verbinden. Bei ihm wirken die Witze mit den längsten Bärten so, als wären sie gerade eben erst erfunden worden. Komisch ist das natürlich auch, weil die gerade in den USA regierende Doppelmoral ganz leicht und locker bloßgestellt wird: Jeder und jedem gefällt das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel. Alle gehen allen zu gern an die Wäsche. Angeführt wird die Truppe von der Engländerin Imogen Poots, die zuletzt in „The Long Way Down“ aufgefallen ist. Sie erinnert an Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany“, wenn sie auch erdverbundener anmutet. Neben ihr hat Jennifer Aniston als emotionales Wrack einige bemerkenswerte Szenen. Auch Owen Wilson und Rhys Ifans in den Rollen hirnloser Hormontiger haben glanzvolle Momente. Ganz am Ende sorgt sogar Regisseur Quentin Tarantino mit einem schauspielerischen Mini-Auftritt für einen schön-schrillen Schlussgag. Wie schon in „Is’ was, Doc?“ und anderen Filmen huldigt Peter Bogdanovich seinen berühmten Vorbildern, den Regisseuren Frank Capra, Ernst Lubitsch und Billy Wilder. Deren Komödien wie zum Beispiel „Es geschah in einer Nacht“, „Blaubarts achte Frau“ und „Manche mögen’s heiß“ haben Kinogeschichte geschrieben. Die dort servierten erotisch aufgeladenen Lust-Spiele zitiert Bogdanovich charmant, geistreich und in bester Laune. Und die überträgt sich im Handumdrehen aufs Publikum.

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