Kaiserslautern Inhalt der Opern: Vertonte Grausamkeiten

Alexander von Zemlinskys 1922 in Köln uraufgeführte Oper „Der Zwerg“ geht auf Oskar Wilde zurück. In dessen Märchen „Der Geburtstag der Infantin“ ist der Zwerg das bizarre Geschenk eines orientalischen Herrschers für die spanische Infantin, die ihren 18. Geburtstag feiert. Er hält sich für einen stolzen Ritter, weiß nichts von seiner Hässlichkeit, weil er sich noch nie im Spiegel gesehen hat. Grausam spielt die Prinzessin mit ihm, bietet ihm an, sich eine ihrer Hofdamen als Braut auszusuchen. Er wählt die Prinzessin selbst, glaubt sich geliebt – und stirbt über der schrecklichen Selbsterkenntnis, die ihm ein zufälliger Blick in den Spiegel gewährt. Béla Bartóks Einakter „Herzog Blaubarts Burg”, 1911 entstanden und 1918 uraufgeführt, ist ein typischer Stoff für das frühe 20. Jahrhundert, von Wagners Erlösungs-Musikdramen ebenso inspiriert wie von der sexuell aufgeladenen schwülstigen Atmosphäre der Décadence. Wir wissen nicht wirklich, wie es am Ende ausgeht in der düsteren Blaubart-Burg, bleiben im Unklaren darüber, ob er Judith töten wird, deren Vorgängerinnen er wirklich getötet hat. Sicher ist nur, dass es um sexuelle Fantasien geht, um den Besitz des anderen – im Geschlechtsakt wie in der Beziehung. Sieben Türen öffnet Judith nacheinander in der Burg ihres Gatten, in die sie gegen den Willen des Vaters eingezogen ist. Blaubarts Reichtum eröffnet sich ihr wie seine Grausamkeit, seine Gewalt. Am Ende erliegt sie dieser, mit Hingabe. (pom)