Kaiserslautern In Westpfalz Wurzeln geschlagen

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Aus einem Besuch bei der Tante in Weilerbach entwickelte sich letztlich eine lange Karriere am Kaiserslauterer Westpfalz-Klinikum. Kein Wunder, dass Schwester Ewa Kwaczynska ihre Rede bei der morgigen Verabschiedung wohl mit den Worten beginnen wird: „Wenn ich nach 35 Berufsjahren zurückblicke, wie alles begonnen hat, so muss ich sagen: Erstens kam es anders und zweitens als ich dachte.“ Gestern hatte die Leiterin des Zentral-OPs ihren letzten Arbeitstag. Sie war sozusagen eine Institution am Klinikum und nicht zuletzt mit dabei, als in Kaiserslautern die Herzchirurgie aufgebaut wurde.

In über 30 Berufsjahren kommt so einiges an Erfahrung und Erfahrungen zusammen, und man hört der 64-Jährigen gerne zu, wie sie warmherzig über einstige Kollegen oder von so mancher Begebenheit erzählt. Etwa davon, wie sie vor Jahren als Teil eines Transplantationsteams im Privatjet von Formel-eins-Fahrer Michael Schumacher geflogen ist, um ein Spenderherz abholen zu können. 1990 hatte Kaiserslautern oder vielmehr Professor Walter Seybold-Epting mit der ersten Transplantation in Rheinland-Pfalz Furore gemacht. Noch vor der Uniklinik Mainz habe das Krankenhaus die Berechtigung für Herztransplantationen bekommen, berichtet Kwaczynska. Auch das erste Kunstherz im Land wurde 1995 am Klinikum eingesetzt. Dass sie einmal in der Westpfalz heimisch werden würde, hätte Ewa Kwaczynska früher wohl kaum gedacht. Sie stammt aus Polen, machte dort ihre Ausbildung zur Kranken- und OP-Schwester. Als dann zwei ihrer Freundinnen genehmigt wurde, ins Ausland zu gehen, war sie so traurig, dass ihr damaliger Mann ihr vorschlug, doch die Tante in Deutschland zu besuchen. Sie blieben. Der Anfang war allerdings schwer, die Sprache fremd, die Familie weit weg. Im Rückblick meint sie aber: „Ich habe mich in Polen entwurzelt und hier wieder eingewurzelt.“ Dazu trug sicherlich bei, dass sie 1982 die Chance bekam, im Kaiserslauterer Krankenhaus zu arbeiten, zunächst in der Viszeralchirurgie. Bald darauf ging es in die neu gegründete Herzchirurgie – weil ein Pflegedienstleiter zu der Schwester meinte, sie komme doch gut mit Menschen zurecht und wäre dort am richtigen Platz. Kaiserslautern war zu dieser Zeit als erstes kommunales Krankenhaus in Deutschland dazu berechtigt, herzchirurgische Eingriffe vorzunehmen. Kwaczynska: „Die haben alle gesagt: Die überleben nicht lange.“ Denn damals gab es in Deutschland nur universitäre Herzchirurgien, kaum jemand war überzeugt davon, dass sich die kostenintensive Behandlung an einem kommunalen Krankenhaus tragen könnte. Die Anfänge unter Chefarzt Seybold-Epting waren erst einmal bescheiden. „Wir hatten zuerst vielleicht vier, fünf Leute“, berichtet Kwaczynska, die mittlerweile in Schopp wohnt. Sie erinnert sich noch daran, dass sie die OP-Instrumente eigenhändig im Waschbecken mit der Bürste gesäubert, selbst sterilisiert haben. „Wir hatten sehr viel Stress, bei wenig Personal ganz viele Patienten und haben so manche Nacht durchgearbeitet.“ Doch sei demgegenüber der Zusammenhalt sehr groß gewesen. Seybold-Epting wurde so etwas wie ihr Mentor: „Er hat immer viel verlangt, und ich habe dem standgehalten.“ Ende 1983 übernahm Kwaczynska die Bereichsleitung in der Herz-, Gefäß- und Thorax-Chirurgie. Anfang der 90er Jahre wurde die Mutter von zwei Kindern stellvertretende Leiterin des Zentral-OPs, wo jetzt, über 20 Jahre später, rund 18.000 Operationen aller Art jährlich stattfinden. Ab 2006 hat sie dann den Zentral-OP und vier Ambulanzen geleitet, stand über 100 Mitarbeitern vor. Mit den Führungsfunktionen wurde Kwaczynska zunehmend zur Managerin, die nicht länger am OP-Tisch steht. Das habe sie vermisst, gibt sie zu: „Wenn es mit dem Operateur stimmt, funktioniert alles Hand in Hand, ohne zu reden. Da entflammt eine positive Energie.“ Ihre Kollegen und ihre Arbeit wird die 64-Jährige sehr vermissen. Doch freut sie sich gleichzeitig auf den neuen Abschnitt. Die Hochzeit mit dem Lebensgefährten steht zum Beispiel an, gerade erst haben sie ein Haus in den USA gekauft. Langeweile wird bei ihr wohl kaum aufkommen.

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