Kaiserslautern
In der Verbraucherberatungsstelle ist die Energiekrise derzeit das beherrschende Thema
Die Leiterin der Beratungsstelle Melanie Kaminski und Energiekostenberaterin Bettina Kusserow beschrieben dem Staatssekretär die Sorgen, die Bürger derzeit besonders häufig in die Beratungsstelle führen.
Neben der breit gefächerten Energie-, Rechts- und Ernährungsberatung hob Melanie Kaminski eine hohe Zahl von Betrügereien mit untergeschobenen Verträgen, ungerechtfertigten Inkassoverträgen, aber auch eher Trivialem wie Fitnessverträge, Reisemängel oder Reisechaos hervor. Alles Probleme, die die Leute in Zeiten steigender Verbraucherpreise und knapper Haushaltskassen besonders ängstigten. Durch ihre Beratung gelinge es in vielen Fällen, finanziellen Schaden für die Menschen abzuwenden.
Bei extremen Preiserhöhungen von Energieversorgern, hohen Heizkosten und massiv erhöhten Abschlagszahlungen oder sogar Stromsperren war Unterstützung durch die Beratungsstelle besonders stark gefragt. Die wöchentliche Beratung durch den Energieberater sei ausgebucht, berichtete Bettina Kusserow.
Eine einzige Beratung reicht oft nicht aus
Mit einer einmaligen individuellen Beratung sei es häufig nicht getan. Wenn eine alleinstehende Mutter oder der Rentner bei steigenden Abschlägen ihre Energierechnungen nicht mehr bezahlen können oder im Kalten säßen, müsse sie oft über einen längeren Zeitraum nach Unterstützungsangeboten und Einsparmöglichkeiten suchen. Bei Verständigungsproblemen mit Menschen mit Migrationshintergrund könne sie über den PC einen Dolmetscher hinzuziehen.
„Früher musste ich nicht aufs Geld schauen“: Ein Satz, den die Energiekostenberaterin auf der Seniorenmesse gehört habe. Überhaupt verzeichne sie einen starken Zuwachs an Menschen aus ganz normalen Verhältnissen, denen die plötzliche starke Erhöhung des Abschlags für die Energiekosten zu schaffen mache. Gemeinsam überprüfe man dann die Rechnung; sie rate, den Zähler öfter abzulesen. Die Budgetberatungen würden immer komplexer, die Unsicherheit nehme in letzter Zeit überhand, schildert die Beraterin. Sie registriere auch ganz viele diffuse Anfragen aus Unsicherheit vor der Zukunft, wenn der Versorger den Abschlag erhöhe, obwohl noch gar nichts passiert sei.
Als letztes bleibt der Weg zur Schuldnerberatung
Unter den Leuten, die ihre Beratung suchen, weiß die Beraterin inzwischen immer häufiger Rentner, die eigentlich dachten, sie hätten ihr Haus abgezahlt, für ihr Alter vorgesorgt um festzustellen, dass sie im Ernstfall bei der Bank keinen Kredit mehr erhalten. Den Verbrauch zu reduzieren sei nicht immer leicht, vor allem bei alten Geräten in der Wohnung. Zur Selbsthilfe bleibe oft nur der Rat zum täglichen Ablesen des Verbrauchs. Aber irgendwann sei da auch ein Ende erreicht. Dann bleibe nur der Hinweis auf die Schuldnerberatung zum Beispiel bei der Caritas.
Die Verbraucher zur Selbsthilfe zu bringen, werde zunehmend schwieriger, fassten die Beraterinnen zusammen. Staatssekretär Profit sprach seinerseits von einer herausfordernden Zeit für alle. In diesen Zeiten seien Verbraucherberatungen eine erste Anlaufstelle, um viele Fragen zu beantworten und bei vielen Nöten beizustehen.
Aus Mainz hatte er die Nachricht mitgebracht, dass sein Ministerium ein für das laufende Jahr aufgelegtes Sonderprojekt mit einem Gesamtvolumen von 150.000 Euro zur Stärkung der bestehenden Beratungsstruktur um ein weiteres Jahr verlängert hat.
Die Verbraucherzentrale Kaiserslautern, die ihm ersten Halbjahr 2022 bereits (ohne Energie- und Energiekostenberatung) 2170 Beratungs- und Informationskontakte verzeichnet hatte, will mit dem Projekt in einem weiteren Web- und Präsenz-Seminar Vorträge zu den Themen „Sicher gegen Abzocken“ und „Auskommen mit dem Einkommen“ anbieten.