Stadtgespräch
In den kommenden Jahren wird es in der Westpfalz eng in Sachen Fachkräfte
Tränen lügen nicht, sang einst Michael Holm. Zahlen lügen aber auch nicht. Zumindest nicht die, die die Agentur für Arbeit diese Woche mit Blick auf den Arbeitsmarkt (der Zukunft) vorgelegt hat. Was in den Statistiken aus der Augustastraße stand, verwundert eigentlich nicht: In den kommenden Jahren wird es eng in Sachen Fachkräfte. Nicht nur in Kaiserslautern und dem Umland, sondern in der kompletten Westpfalz. Grob gesprochen ein Viertel der Menschen, die derzeit in Lohn und Brot sind, gehen innerhalb der kommenden zehn Jahre in den Ruhestand. Die Agentur für Arbeit spricht dabei immer von „sozialversicherungspflichtig Beschäftigten“, was die korrekte Bezeichnung ist. In der Praxis aber wird der Begriff sehr selten verwendet, landläufig ist immer von „Menschen, die arbeiten gehen“, die Rede. Aber das nur am Rande.
Der Arbeitsmarkt der kommenden Jahre bietet große Möglichkeiten
Zurück zu den Fachkräften. Allein in Kaiserslautern gehen bis 2032 rund 13.000 Menschen in den Ruhestand – und das in nahezu allen Branchen, die der Arbeitsmarkt so hergibt. Die Agentur für Arbeit unterscheidet dabei vier Kategorien: Helfer, Fachkräfte, Spezialisten und Experten. Dahinter verbergen sich – grob gesprochen – der Grad der Ausbildung, was sich oftmals in der Qualifikation widerspiegelt. Als Helfer gelten ungelernte Kräfte, wer eine klassische duale Ausbildung absolviert hat, ist Fachkraft. Zum Spezialisten werden Menschen, wenn sie auf ihre Ausbildung noch etwas draufsatteln, etwa einen Techniker oder einen Meisterkurs belegen. Als Experten gelten Menschen mit einem Hochschulabschluss. In all diesen Anforderungsprofilen werden in den kommenden Jahren Stellen frei, die meisten im Bereich der Fachkräfte, in der Stadt laut Agentur für Arbeit etwa 7500 Stellen. Mit anderen Worten: Der Arbeitsmarkt der kommenden Jahre bietet große Möglichkeiten, nicht nur für Menschen, die gerade ihren Schulabschluss machen (und danach einen Beruf erlernen wollen), nein, auch für Menschen, die womöglich gerade über eine Veränderung in ihrem Berufsleben nachdenken. Das spiegelt sich, aus meiner Sicht, auch an anderer Stelle in dieser Zeitung wider: Blättern Sie, liebe Leserinnen und Leser, doch einfach mal ein paar Seiten weiter zum regionalen Stellenmarkt. Eine breite Palette von Fachkräften wird da gesucht. Vielleicht ist ja auch was für Sie dabei?
Wohnraum wird immer knapper
Die Zahlen lügen aber auch in anderer Hinsicht nicht. Allein mit den avisierten Schulabgängern der kommenden Dekade – einige davon befinden sich derzeit gerade mal in der Grundschule - wird sich der Fachkräftemangel nicht bewerkstelligen lassen. Das weiß auch die Agentur für Arbeit und das wissen auch die meisten Firmen-Verantwortlichen. Der Mangel wird sich nur durch Zuzug kompensieren lassen. Womit wir bei einem zweiten großen Thema wären, der Frage nach Wohnungen. Die werden vor allem in der Stadt Kaiserslautern immer knapper. Passende Bauflächen sind rar, obendrein läuft weitere Bebauung (sprich: Versiegelung) von Flächen gerade dem so wichtigen Klimaschutz entgegen. Schwieriges Thema, für das es keine leichten Lösungen gibt. Und ein Thema, dafür muss man kein Prophet sein, dass auch die nächste Oberbürgermeisterin oder der nächste Oberbürgermeister der Stadt angehen muss. Kleine Erinnerung: In elf Wochen wird eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für den scheidenden Oberbürgermeister Klaus Weichel gesucht.
Hoffnungsfroh in den Advent gehen
Morgen ist aber zunächst einmal der erste Advent. Schon wieder, möchte man fast sagen. Denn die Zeit vergeht im Fluge – zumindest mir kommt das so vor. Das heißt: in vier Wochen ist Weihnachten – und in fünf Wochen ist das Jahr 2022 schon wieder vorbei. Die Adventszeit ist bei vielen Menschen von Hektik geprägt. Es bleibt wenig Zeit, für nichts. Dazu kommen weltpolitische Einflüsse, der Krieg in der Ukraine, die damit verbundenen Krisen, die die Stimmung drücken und aufs Gemüt schlagen können. Ich versuche, hoffnungsfroh in den Advent zu gehen. Denn: Immer, immer wieder geht die Sonne auf. Nicht von Michael Holm, dafür von Udo Jürgens.