Kaiserslautern Immer einen lockeren Spruch auf den Lippen

„Manchmal hat das Schicksal auch einfach nur zu große Schuhe an“, heißt es in Gaby Kösters erstem Roman „Die Chefin“. Ein Satz, der die unerschütterliche Lebenseinstellung der Komikerin widerspiegelt, die sie am Freitag bei ihrer Lesung im Edith-Stein-Haus präsentierte. Ein Stelldichein mit mal lustigen, mal ernsten, aber immer ehrlichen Momenten.
Gestützt von ihrer Assistentin Dani meisterte Gaby Köster unter den Beifallsbekundungen des Publikums die wenigen Stufen hoch zur Bühne. Mit einem lockeren Spruch auf den Lippen, ihrem unverwechselbaren Lachen und einer „Tasche für Veganer“ in Milchtüten-Form nahm die Schauspielerin, Komikerin und Autorin auf ihrem beleuchteten Sessel Platz und präsentierte stolz ihren ersten Roman „Die Chefin“. Ihre Stimme so knarzend wie immer, ihr bunter Kleidungsstil und die blonde Strubbelfrisur unverändert, und ihre freche Kölsche Art immer auf Abruf bereit: Dass sie trotz ihres schweren Schicksalsschlags immer noch über sich selbst lachen kann, beweist schon das himmelblaue Buchcover ihres Romans, das eine Schildkröte auf Rollschuhen mit einer Rakete auf den Rücken geschnallt zeigt. So fühle sich Köster manchmal, genau wie ihre Romanheldin. Auch die 42-jährige Marie Sander alias „Die Chefin“ ist seit ihrem Schlaganfall auf der linken Seite gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. „Früher bestand Sanders Leben aus Rock’n’Roll, heute kaum noch aus Rock, dafür umso mehr aus rollen“, scherzte Gaby Köster mit ihrer markanten Stimme. Trotzdem ist die einst gefeierte Rockmusikerin, genau wie ihre Erfinderin, mit Vollgas im Leben unterwegs. Ebenso wenig auf den Mund gefallen wie Köster selbst, begibt sich die Romanheldin auf eine Odyssee durch halb Europa und liefert sich eine Verfolgungsjagd mit verbrecherischen Menschenhändlern. Auf der Reise verliebt sie sich in den türkischen Bodybuilder Tarkan, hilft zwei von Diebesbanden entführten Kindern zurück in ihre Heimat und fängt ihr eigenes Leben wieder neu an. Mit viel Witz und Begeisterung las die Autorin einige Passagen ihrer abenteuerlichen Geschichte – der Spaß an der Sache war ihr anzumerken. Ihre unbändige Lebensfreude ist deshalb so faszinierend weil nicht selbstverständlich. Sieben Jahre ist es nun her, seitdem die heute 53-jährige vom Schicksal, im wahrsten Sinne des Wortes, einen Schlag verpasst bekam. Bis heute kann sie ihren linken Arm und das linke Bein nicht bewegen, ist auf Medikamente und die Hilfe anderer angewiesen und muss mehrmals in der Woche Physiotherapie betreiben. Die körperlichen Einschränkungen haben jedoch ihre Ausstrahlung nicht geschmälert, im Gegenteil. Den Gästen im Stein-Haus saß eine durchweg starke und selbstbewusste Frau gegenüber, die, so wie ihre Romanheldin, ihr Schicksal angenommen hat und ihm ins Gesicht lacht. Ein Wecker riss sie ruckartig aus dem Lesefluss, und mit einem beherzten „So, liebe Freunde der tanzbaren Beat-Musik, jetzt kommt de Fragerei“ eröffnete die Komikerin die offizielle Fragestunde – zu der sich das Publikum aber anfangs noch nicht so recht trauen wollte. Köster nahm der allgemeinen Zurückhaltung auf ihre gewohnt direkte Art und Weise den Wind aus den Segeln. Eine Frage, die ihr oft gestellt würde, sei, welche berühmten Kollegen noch regelmäßigen Kontakt zu ihr hätten. Die Antwort: Mike Krüger und Hella von Sinnen, die ihr sogar das Krankenzimmer üppig dekoriert habe. Wie das Krankenhaus sie verkraftet hätte, kam es aus dem Publikum. „Das hat mich sehr gut verkraftet, weil zu der Zeit hatte ich ein Rohr im Hals und konnte nicht reden“, kam es unverblümt von der Bühne zurück. Eine Dame erkundigte sich, ob die Kölnerin noch zeitweise unter epileptischen Anfällen leide – ein Nebeneffekt der drei Operationen am Gehirn, den die Autorin in ihrer Biografie „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ beschreibt. Köster konnte beruhigen: „Nein, ich bin komplett Anfall-frei, bis auf Tobsuchtsanfälle.“ Einige der Publikumsgäste nutzten die Gelegenheit, um eigene Schicksalsschläge mit der Komikerin zu teilen. So eine Dame, die acht Hirnschläge hinter sich hat und rührend appellierte: „Immer positiv bleiben.“ Das dürfte auch Gaby Kösters Lebensmotto sein. Die Hoffnung, dass ihr linker Arm seinen Dienst wieder aufnimmt, gibt sie nicht auf und mutmaßt jetzt schon, dass es bestimmt im unpassendsten Moment passiert, beispielsweise bei einer Polizeikontrolle. Ob es eine Rückkehr auf die Comedy-Bühnen gebe, hakte eine weitere Publikumsstimme nach. Schließlich sei mit dem Mundwerk der Komikerin alles in bester Ordnung. Zweifellos, wie Köster sogleich bestätigte: „Vielleicht mach ich mal ein Bühnenprogramm, das kein Stand-up, sondern ein Sit-up ist. Oder vielleicht sowas wie Trombose-TV.“