Interview RHEINPFALZ Plus Artikel „Ich habe versucht, ein Vorbild zu sein“

Christopher Seitz war ein Spieler mit Ecken und Kanten, der bis auf ein kurzes Intermezzo bei den HF Illtal nur für die Schwarz-
Christopher Seitz war ein Spieler mit Ecken und Kanten, der bis auf ein kurzes Intermezzo bei den HF Illtal nur für die Schwarz-Weißen auf dem Parkett stand.

Christopher Seitz hat die Drittliga-Handballer des TuS Dansenberg in der aufgrund der Corona-Pandemie vorzeitig abgebrochenen Spielzeit zum letzten Mal als Kapitän aufs Feld geführt. In dem 32-Jährigen, der sein Karriereende bereits zu Beginn des Jahres angekündigt hatte, verlieren die Schwarz-Weißen ihren emotionalen Leader.

Herr Seitz, Sie sind gemeinsam mit Steffen Kiefer der dienstälteste Spieler beim TuS Dansenberg. Was zeichnet den Verein aus Ihrer Sicht aus?
Ja, ich habe 1992 mit dem Handballspielen in Dansenberg angefangen. Meine ersten Schritte im Aktivenbereich waren bereits im Jahr 2004. Wir haben Spieler im Kader mit dem Geburtsjahr 2000, das ist einem manchmal so gar nicht bewusst. Den Verein zeichnet das familiäre Umfeld aus. Es sind die vielen freiwilligen und ehrenamtlichen Helfer, die stets bemüht sind, den Verein am Leben zu erhalten. Darüber hinaus wird eine Atmosphäre geschaffen, in der man sich einfach wohlfühlt. Jeder wird hier von klein auf integriert und am Vereinsleben beteiligt. Der Sportverein ist hier einfach nicht wegzudenken, egal wen man trifft, ob Freunde oder Familie, es wird immer über Handball gesprochen.

Sie waren lange Kapitän der Mannschaft. Was zeichnet einen guten Kapitän Ihrer Meinung nach aus?
Es ist schwierig selbst zu beurteilen, ob ich ein guter Kapitän war. Da müsste man wahrscheinlich meine Mitspieler befragen. Ich habe versucht, stets ein Vorbild zu sein, auch in aussichtslosen Situationen habe ich mich immer voll reingeworfen, um voranzugehen und die Spieler mitzureißen. Wir haben viele Spiele am Ende gedreht, bei denen wir in der Halbzeit mit sieben oder acht Toren hinten gelegen haben. Dieses „nie aufgeben“ und immer weiterkämpfen zeichnet uns in Dansenberg aus. Mir ist es ebenfalls wichtig gewesen, die Hierarchie in der Mannschaft zu pflegen. Du hast immer gemerkt, wenn es in der Mannschaft untereinander nicht passt, stimmen auch die Leistungen auf dem Feld nicht. Viele junge Spieler sehen es mittlerweile als selbstverständlich an, in der Ersten Mannschaft zu spielen, da bedarf es ab und an ein wenig Erziehung in und durch die Mannschaft. Mein Amt habe ich als Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainer und Vorstand interpretiert, war für jeden jederzeit ansprechbar, habe bei Konflikten versucht zu vermitteln, aber auch klar meine Meinung geäußert, wenn es notwendig war.

Sie standen für den TuS Dansenberg über viele Jahre in drei verschiedenen Ligen auf dem Parkett. Was war rückblickend der größte Sieg?
Es gibt für mich nicht „den größten Sieg“. Wir haben viele unterschiedliche Erfolge gefeiert, waren Meister der Pfalz- und Oberliga, haben den Klassenerhalt in der Dritten Bundesliga geschafft und Kantersiege gegen Tabellenführer eingefahren, das waren alles sehr schöne und emotionale Momente. Einmal gelang mir nach regulärem Spielende der Ausgleichstreffer zum 30:30-Endstand gegen die SG Saulheim mit einem direkten Freiwurf. Bei dem Spiel ging es um nichts, dennoch haben die Zuschauer das Spielfeld gestürmt und mit uns gemeinsam gefühlt Champions-League-Sieg gefeiert. Die bitterste Niederlage gab es dieses Jahr in Fürstenfeldbruck (20:40, Anmerkung der Redaktion), das war ein beschämendes Gefühl.

Welcher Trainer hat Sie am meisten geprägt und warum?
Am stärksten hat mich im Aktivenbereich wohl Kai Christmann geprägt, aber jeder Trainer gibt einem immer etwas mit. Im Jugendbereich war es sicherlich Simon Meyer, aber auch Marco Sliwa hat mir auf den letzten Metern sowohl privat als auch für das Handballspielen noch etwas mitgeben können.

Wie wichtig sind Spieler aus dem eigenen Nachwuchs für den Drittligakader des TuS Dansenberg?
Die Frage zu den Eigengewächsen ist kurz und einfach zu beantworten: Ohne eigenen Nachwuchs kann es keine erfolgreiche Mannschaft in Dansenberg geben. Unsere Zuschauer wollen die Dansenberger Jungs sehen. Ohne punktuelle externe Unterstützung geht es natürlich auch nicht. Die Mischung macht’s!

Ihr Karriereende haben Sie sich mit Sicherheit anders vorgestellt, als durch einen vorzeitigen Saisonabbruch …
Mein Karriereende habe ich mir in der Tat so nicht vorgestellt. Es wäre schön gewesen, sich gebührend von den langjährigen Fans mit einer großen Party zu verabschieden. Die war sogar schon geplant, aber in diesen Zeiten sind andere Dinge einfach wichtiger. Die Existenz des Vereins und die Gesundheit hat nun allerhöchste Priorität.

Könnten Sie sich aufgrund dieser besonderen Umstände vorstellen, noch ein Jahr dranzuhängen?
Für mich ist es aktuell nicht vorstellbar, noch mal anzugreifen. Ich kann mit gutem Gewissen das Zepter weitergeben und bin mir sicher, dass es auch ohne mich erfolgreich weitergeht. Ein großes Dankeschön an alle Unterstützer, Trainer, Mitspieler, Betreuer, Begleiter und vor allem die eigene Familie und meine Frau, die mir das alles überhaupt ermöglicht haben.

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