Kaiserslautern „Ich denke zuerst und recherchiere dann“

Franz-Josef Burkhart zieht bei Recherchen in der Regel den Schlagwortkatalog dem Internet und Datenbanken vor.
Franz-Josef Burkhart zieht bei Recherchen in der Regel den Schlagwortkatalog dem Internet und Datenbanken vor.

Die Konkurrenz durch den Online-Buchhandel ist an den analogen Vertretern der Branche nicht spurlos vorbeigegangen. Die „Blaue Blume“ verweigert sich so gut es geht, gerät dabei aber an ihre Grenzen. Für Geschäftsführer Franz-Josef Burkhart bedeutet digital nicht gleich besser.

Die Buchhandlung „Blaue Blume“ scheint beim Betreten wie ein Relikt aus alten Tagen: ein rustikaler kleiner Raum mit Teppichboden, rundum bepflastert mit vollen Bücherregalen. Auf die Frage, inwieweit das digitale Zeitalter seinen Buchhandel beeinflusst hast, antwortet Geschäftsführer Franz-Josef Burkhart – in der lokalen Szene auch „Morphy“ Burkhart genannt – so: „Wir verweigern viel davon.“ Hinter dem Kassentresen ein einziger Computerbildschirm, genau unter einem kleinen Fenster mit der Notiz „Auch das Chaos ist in Ordnung“, in dem eine Reihe dicker mehrbändiger Nachschlagewerke steht – die man hier bis 1998 noch als Haupt-Recherchequelle verwendet hat. „Wir bleiben hauptsächlich bei den Büchern, arbeiten jedoch mit der Elektronik, weil manche Recherche dadurch einfach schneller funktioniert. Der Schlagwortkatalog umfasst viel mehr Inhalte, die auf den ersten Blick vielleicht gar nicht zusammen gehören, auf den zweiten aber schon. Eine Datenbank kann also nicht nur vom Rechner verwaltet werden. Man kann sich also von der Elektronik helfen lassen – helfen! Aber ich überlasse ihr die Arbeit nicht ganz. Ich denke zuerst und recherchiere dann.“ Da spricht vielleicht auch der Naturwissenschaftler aus ihm. Burkhart selbst hat Mathematik studiert. Programmieren lernte er ohne einen einzigen Bildschirm an der Universität. Er nutzte noch Lochstreifen und Lochkarten. Parallel dazu hat er seinen Buchladen ins Leben gerufen – das war vor über 40 Jahren. Irgendwann kam die Entscheidung, vom Buchhandel zu leben oder den Laden zu schließen und sein Glück mit den Naturwissenschaften zu versuchen. Burkhart entschied sich für Ersteres und habe diese Entscheidung bis heute nicht bereut. „Ich bin mit Büchern aufgewachsen, wobei es bei uns zuhause gar nicht so viele davon gab. Aber für meine Erziehung war es unheimlich wichtig.“ Den Trend hin zum Elektronischen sieht er zwar kritisch, aber auch relativ entspannt: „Vor fünf Jahren hat man uns gesagt, das Buch wird aussterben und das E-Book wird über 20 Prozent Marktanteil bekommen. Tatsächlich ist es in den letzten drei Jahren auf unter fünf Prozent gestiegen und es steigt auch nicht mehr. Wir können nicht mehr ohne die Elektronik, das ist klar. Und in einem vernünftigen Umgang ist es auch kein Störfaktor. Es ist schnell und bequem. Aber ich beobachte immer wieder, dass auch Gegenwind besteht und Menschen die Haptik eines gebundenen Buches wieder schätzen lernen.“ Es sei auf jeden Fall viel schöner zu verschenken als ein Code für ein E-Book, sagt Burkhart lachend. Burkhart setzt nach wie vor auf das gute alte Buch. Zwischen fiktionalen Romanen Sachbüchern sind alle Rubriken im kleinen Laden vorhanden – von ihm und seinem dreiköpfigen Team zusammengestellt. Der Spruch, der auf dem Cover der Dschungelbuch-Sonderausgabe (2002) anlässlich des 25-jährigen Bestehens der „Blauen Blume“ gedruckt ist, wirkt wie ein Credo für den kleinen Buchladen in der Richard-Wagner-Straße: „Solange es Menschen gibt, denen ein Leben nicht genügt, solange wird es Bücher geben.“ In der lokalen Buchhandel-Szene verstehe man sich größtenteils gut, trotz gelegentlicher Konkurrenz um Kundschaft. „Man hat gegenseitig Achtung voreinander. Ich gehe auch gerne zu Veranstaltungen der Thalia-Buchhandlung.“ Schließlich kämpften beide Buchhandlungen gemeinsam gegen mächtige Online-Konkurrenten wie Amazon. Die zunehmende Digitalisierung, vermittele unpersönlich und unspezifisch Wissen: „Wir verlassen uns immer mehr auf Algorithmen, auf die Vorteile, die die Digitalisierung durchaus mit sich bringt. Es wird zum Beispiel nie mehr relevant gedruckte Lexika geben. Wir haben ja ,Wikipedia`. Aber wir gehen so kritiklos damit um, dass wir die Nachteile nicht erkennen oder erkennen wollen. Zum Beispiel sind manche Definitionen im ,Brockhaus` zwar kürzer aber viel genauer als die gleichen, deutlich längeren Definitionen bei ,Wikipedia`.“

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