Kaiserslautern Hubschrauber soll zur Probe fliegen

„Wir schreiben momentan ein Exposé für das Innenministerium.“ Darin wollen Christian Madler und Wolfgang Hoffmann begründen, warum die Westpfalz einen eigenen Rettungshubschrauber benötigt. Der Chefarzt der Klinik für Anaesthesie, Intensiv- und Notfallmedizin am Westpfalz-Klinikum, und der Ärztliche Leiter Rettungsdienst wollen Mainz in einem ersten Schritt davon überzeugen, dass ein einjähriger Probebetrieb die Notwendigkeit eines Helikopters für die Westpfalz untermauert.
Der Leiter des Referats Rettungsdienst beim Mainzer Innenministerium, Andreas Hitzges, kann sich zwar, wie er sagte, einen Probebetrieb über ein Jahr vorstellen, ist von der Notwendigkeit eines Rettungshubschraubers für die Region jedoch nicht überzeugt. Er hält den Bedarf für zu gering. Madler dagegen hält das Flächengebiet Westpfalz für eine „typische Gegend für ein Luftrettungsmittel“. Die in Rheinland-Pfalz stationierten Rettungshubschrauber haben einen langen Anflug in die Westpfalz, der Geld kostet. Der Einsatz eines Rettungshubschraubers werde pro Flugminute von den Krankenkassen bezahlt. Benötigt würde ein Rettungshubschrauber, der nachtflugtauglich und für intensivmedizinische Einsätze ausgerüstet ist. Dazu gehören beispielsweise ein Herz-Lungen-Maschine an Bord und neben dem Piloten müssten zwei weitere Begleiter mitfliegen. In Rheinland-Pfalz gebe es nur in Mainz einen solchen „Dual-Use“-Hubschrauber, der allerdings nur tagsüber fliegt. „Wir hatten in unserem Gebiet 700 Hubschraubereinsätze im vergangenen Jahr“, sagt Madler, was bedeute, dass Rettungshubschrauber 700 Mal aus Mainz, Ludwigshafen, Trier oder anderen Städten „in unser Leitstellengebiet“ gerufen wurden. So viele Einsätze würden es auch in diesem Jahr wieder, schätzt Madler. Tatsächliche Zahlen über die Einsätze müssten erst bei einem Probebetrieb generiert werden. Dieser Probebetrieb müsse auf jeden Fall wissenschaftlich begleitet werden, damit anschließend belastbare Zahlen vorgewiesen werden könnten. Ein Argument, das für einen eigenen Hubschrauber spreche, liefere die Landesregierung selbst, indem sie immer wieder die Wichtigkeit der medizinischen Versorgung der ländlichen Bevölkerung betone. Sie arbeite daran, den demografischen Verhältnissen mit einer älter werdenden Bevölkerung und der abnehmenden Ärztedichte auf dem Land entgegenzuwirken. Auch habe die Landesregierung den Bürgerwillen sehr hoch gehängt, sagte Madler und erinnerte an die über 10.000 Unterschriften, die die Rockenhausener Bürgerinitiative „Christoph Kaiser“ für einen Rettungshubschrauber in Kaiserslautern im Juni 2013 an das Land übergeben hatte. Ein solcher Rettungshubschrauber, der nachts Einsätze fliegen solle, dürfe wegen des Lärms keinesfalls am Westpfalz-Klinikum oder in der Stadt stationiert sein, erläutert Madler weiter. Der Chefarzt hält das Industriegebiet Nord für ideal geeignet, das zudem näher an den unterversorgten Gebieten der Westpfalz liege. Darüber zu reden, sei jedoch noch zu früh. (ita)