Alte Gaststätten RHEINPFALZ Plus Artikel Hotel Schwan: Nobles Schmuckstück mit feiner Speisekarte

Das Hotel Schwan tischte in den 1920er-Jahren (wie hier auf einer mehrfach reproduzierten Ansichtskarte) gute Küche auf.
Das Hotel Schwan tischte in den 1920er-Jahren (wie hier auf einer mehrfach reproduzierten Ansichtskarte) gute Küche auf.

Das Hotel Schwan war ein architektonisches Schmuckstück. Es stand an der Ecke Fackelstraße/Fackelrondell. Das Haus wurde beim Septemberangriff 1944 zerstört. Im Stil der 1950er-Jahre wurde es wieder aufgebaut. Das Ende kam in den 70er Jahren.

Der Schwan ging im Zuge des Weiterbaus der Ost-West-Achse beim Fackelrondell und dem Bau des Kaufhauses Karstadt 1974 unter. Unmittelbar nach seinem Neubau genoss das Haus wieder seinen guten Ruf aus der Vorkriegszeit. Das Schwan war eine Empfehlung. Wer das alte Schwan kannte, war jedoch von dem gewiss zeitgemäßen, modernen 50er Jahre Ambiente enttäuscht.

Über den Hotelbetrieb hinaus waren das alte und das neue Schwan eine gute Adresse für Reisende, für private Feste und Großveranstaltungen. „Ausgebucht“ stand häufig am Fackelstraßen-Portal. Die Küche des Schwans war vor und nach dem Wiederaufbau vielfältig. Sie bot Bayerisch-Pfälzisches, die Gäste schätzten auch das Französische. Pasteten, Filets, Coq au Vin und Ratatouille, eine Gemüseplatte, gingen über die Theke. Das Angebot auf der Speisekarte war nobel und teuer. Schon im Stadtführer von 1902 stand das Hotel Schwan unter „Nachrichten für die Fremden“ an erster Stelle.

Guter Ruf leidet Ende der 50er Jahre

Als das Fackelrondell ab den 1920er-Jahren schrittweise neugestaltet wurde, baute das Hotel Schwan das Erdgeschoss um. Mit dem Blick aus der neu angebauten Veranda auf das Fackelrondell, das ab 1939 tatsächlich zu einem „Rondell“ mit Kreisverkehr und dem Fackelwoog-Brunnen wurde, konnten Gäste sehen, wie die Stadt diesen sehr alten Bereich aufgewertet hatte. Auf dem Ausschnitt einer mehrfach reproduzierten Ansichtskarte ist das Hotel Schwan mit der neuen Veranda etwa Mitte der 20er Jahre abgebildet. Es war die Zeit, in der Kaiserslautern französisch besetzt war. Bei entsprechender Vergrößerung ist auf der Ansichtskarte links ein Straßenschild zu erkennen mit dem Hinweis auf den Weg nach Worms und Mayence (Mainz). Auch Fahrdraht und Schienen der Straßenbahn sind zu erkennen. Die aktuelle Aufnahme wurde etwa vom gleichen Standort aus aufgenommen.

Es gab eine Phase, in der der gute Ruf des Hotels zu leiden schien. Das Schwan tauchte Ende der 50er Jahre im Zusammenhang mit deutsch-amerikanischen „Damengeschichten“ auf, als Lautern in überregionalen Zeitungen als „Stadt der Sünde“ und als „Das größte Freudenhaus der Republik“ geschmäht wurde. In den 1960er-Jahren bis zum Abriss war das Hotel jedoch wieder eine gute Empfehlung.

Am Fackelrondell deutet heute nichts mehr auf das Hotel hin. Die aktuelle Aufnahme zeigt das Wohn- und Geschäftshaus.
Am Fackelrondell deutet heute nichts mehr auf das Hotel hin. Die aktuelle Aufnahme zeigt das Wohn- und Geschäftshaus.
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