Kaiserslautern
Hitze und Pflasterwüsten in Kaiserslautern: Was bringt der „Lautrer Schatten“?
Wie sie da so flattern, in der kühlen Frühsommerbrise. Frisch, rein und leuchtend. Hier hängen sie also, die gut 60 Wäschestücke, und erinnern sollen sie an einen Hauch von „Dolce Vita“. An die Leichtigkeit am Mittelmeer. Zugegeben, es braucht schon ein bisschen Fantasie, um sich in den verträumten Gassen Süditaliens zu wähnen – mit ihren weißen Betttüchern vor den Fassaden. Aber ja, ein Hingucker ist dieses Werk allemal. Über den Hochsommer hinweg wird die Wäsche jetzt Schatten spenden auf dem Platz an der Tourist Info: einer ansonsten kargen Pflasterwüste. Der Verein KlimaLautern hat die Aktion ins Leben gerufen – nach einer Idee von Petra Neumahr und Ina Bartenschlager, zweier in der Stadt wirkender Künstlerinnen. „Lautrer Schatten“, so heißt die Installation. Und dabei geht es um weit mehr, als nur ein schattiges Plätzchen. Um Bewusstsein, das vor allem.
Ein belebter Ort, wo sich die Bürger gerne treffen
„Wir können es uns nicht leisten, so wertvolle Orte im Sommer nicht zu nutzen“, sagte Projektleiterin Neumahr bei der Eröffnung am Mittwochabend, „wenn es wirklich heiß ist, kann sich ja kein gesunder Mensch dort aufhalten.“
Versiegelte Flächen, ein Mangel an Pflanzen, kaum Schatten – mit diesen Problemen sehe sich die Stadt auf ihren Plätzen konfrontiert, mahnt Neumahr im RHEINPFALZ-Gespräch. Gerade im Sommer, bei erdrückenden Temperaturen. Als Verein, der sich der Klimaneutralität verpflichtet hat, wolle man die Blicke auf „das große Ganze“ lenken, nicht bloß auf eine Hitzeinsel neben der Tourist Info. Kaiserslautern sei nicht Italien, schon klar. Mit den Wäscheleinen in 4,50 Metern Höhe habe sie auch keine mediterranen Verhältnisse schaffen wollen, sagt Neumahr. Ihr Wunsch: „Auf kreative Weise“ soll ein belebter Ort entstehen, an dem sich Menschen gerne treffen – und bleiben. Sie spricht von Austausch, Begegnung, Aufenthaltsqualität.
Wer in der Stadtplanung viel Wert auf den Klimaschutz legt, der bekämpfe gleichzeitig soziale Probleme, betont Neumahr. Vielleicht könne das zehnwöchige Pop-up-Projekt deshalb als Vorbild dienen: für eine Form der Kritik, für die Beteiligung der Bürger.
Über zwei Jahre lang ein bürokratischer Kampf
Jetzt also steht die Installation, endlich. Denn bis zur Umsetzung im Juni 2026 war es für Neumahr und den Verein ein langer, steiniger Weg. Einer, den bürokratische Hürden andauernd erschwerten. Im Sommer 2024 war erstmals die Idee gereift, einen „Lautrer Schatten“ zu entwerfen. Ein bisschen Wäsche, gespannt über einen Platz – kein großes Ding, dachte Neumahr. Sie scharte ein kleines Team um sich, das die Bedingungen abstecken sollte. Was die Initiatorin damals nicht ahnte: Über die Schreibtische von zehn Ämtern würde die Bewilligung gehen müssen, einmal quer durchs Rathaus. Gestattungsvertrag, Aufkletterhindernisse, Sondernutzungsgenehmigung. Es sind nur drei Worte eines Behördensprechs, die Neumahr noch nie zuvor gehört hatte. Zwei Jahre nach dem Impuls sollte das Metallgerüst schließlich neben der Tourist Info aufragen, durchgeprüft von A bis Z. „Allein, bis wir wussten, wo wir das alles aufstellen können, hat es Monate gedauert“, erinnert sich Neumahr.
„Wenn ich heute sage, dass es endlich so weit ist und wir den Start feiern, dann ist das keine leere Floskel“, sagte sie am Mittwoch, als sie die rund 200 Gäste empfing. Auch Beate Kimmel (SPD) hielt ein Grußwort, die Chefin jener Verwaltung, die sich so lange mit dem „Lautrer Schatten“ beschäftigt hatte. Als „wunderbares Geschenk“ lobte sie die Aktion. Sie zeige, „dass Kaiserslautern zusammenhält“ – natürlich.
Aufgehängt hatte KlimaLautern die Wäsche bereits am Dienstag, dort, wo normalerweise Beton das Bild dominiert. Bürger hatten die Stücke gespendet, nach einem Aufruf des Vereins. Neben den weißen Laken wehen auch bunte Tücher im Wind, bemalt von 15 Einrichtungen aus der Stadt: ein Regenbogen, das Fritz-Walter-Stadion, Fische, Blumen, Bäume. „Es verdeutlicht“, sagt Petra Neumahr, „dass es den Menschen nicht egal ist, wie unsere Plätze gestaltet sind.“ Sommerfrische, die habe so mancher Ort hier nötig. Und ein bisschen Schatten an jenen Tagen, an denen die Sonne erbarmungslos aufs Pflaster knallt.