Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Heldmaschine mischt das Kulturzentrum Kammgarn auf

Fesselte erneut ihr Kaiserslauterer Publikum, wie hier beim vormaligen Auftritt in der Kammgarn: Heldmaschine aus Koblenz.
Fesselte erneut ihr Kaiserslauterer Publikum, wie hier beim vormaligen Auftritt in der Kammgarn: Heldmaschine aus Koblenz.

Brachiale Neue Deutsche Härte brachte die Koblenzer Band Heldmaschine im Kammgarn-Kasino. Sehr zur Freude eines vollends begeisterten Publikums.

Die Heldmaschine war wieder da und lief am Samstagabend rund wie gut geölt und garniert mit allerhand Show-Effekten im gut gefüllten Kasino der Kammgarn. Zuvor aber hatte erstmal der Support seinen großen Auftritt. Dieser im Vorfeld nicht näher bezeichnete „Special Guest“ entpuppte sich als die Schweizer Band Stoneman.

Mit eruptiven Titeln wie „Liebe Liebe“ musste sich die Gruppe um Sänger Mikki Chixx keineswegs vor der erwarteten Hauptband verstecken. Ganz im Gegenteil: Fast schien es so, als wäre ein nicht geringer Teil des aufgekratzten Publikums mit seinen zahlreichen Stoneman-Shirts und vielen clownmäßig geschminkten Gesichtern – passend zu den wirkungsvollen „The Dark Circus“-Aktivitäten der Band – nur wegen dieser Gruppe gekommen. Man wurde nicht enttäuscht. Mehrfach noch zusätzlich visuell getragen von Nebelschwaden und Funkenregen bereitete die harte Band sauber den Boden für den Heldmaschinen-Auftritt. Von wegen „zurückhaltende Schweizer“...

Wenn das R rrrollt

So wie die Vorband nicht den Vergleich zu Heldmaschine scheuen muss, so hält auch Heldmaschine selbst dem Vergleich mit Rammstein stand. Mit dieser Größe des Genres hat das Koblenzer Quintett so einiges gemeinsam, unter anderem das charakteristisch rollende „R“ in den Texten und die düsteren Inhalte derselben. Kein Wunder: Heldmaschine entstand einst als Seitenprojekt der Rammstein-Tribute-Band Völkerball (die übrigens nächsten Monat am selben Ort gastiert). Da blieben einige Gemeinsamkeiten.

Aber Heldmaschine ist außerhalb der unüberhörbaren Parallelen anders – und dabei sogar auch mehr. So erweitern der (stimmlich grimmig-starke und in Sachen Präsenz extra-vitale) Frontmann René Anlauff (Gesang/Gitarre), Tobias Kaiser (Gesang/Gitarre), Eugen Leonhardt (Gitarre), Marco Schulte (Bass) und der speziell durch ein exklusives Solo in der Endphase des Kammgarn-Konzerts begeisternde Dirk Oechsle (Schlagzeug) ihre Songs noch mehr und deutlicher auch um andere Rockstile außerhalb der etablierten Neuen Deutschen Härte.

Dunkel-morbide Texte

Unter anderem deswegen wirken dann die dunkel-morbiden, viel Platz für Interpretationen lassenden (und deshalb oft auch gesellschaftskritisch zu verstehenden) Heldmaschinen-Texte etwa in „Eiszeit“, „Schlag mich“ und „Hand in Hand“ besonders eindringlich. Einen Höhepunkt markierte an jenem Abend der mit einem einprägsamen Intro-Riff versehene und geradezu melodisch daherkommende Titel „Karl Denke“ über den berüchtigten Massenmörder. Im dazugehörigen Video spielt René Anlauff im Übrigen eine wichtige Rolle – schauspielern kann er nämlich auch.

So ging es bis zum erwähnten Grand Finale in der Kammgarn unentwegt weiter mit Gänsehaut-Titeln und besonderen Momenten, die man so bei Live-Konzerten nicht oft sieht: mit mindestens in Beine und Ohr – und manchmal auch direkt ins Herz – fahrenden Stücken, die stellenweise und positiv überraschend an gute, alte, komplexe Kompositionen von Kraftwerk erinnerten, mit einer veritablen Laser-Show und einem nordlichtartigen Lichtgewitter, mit mehreren ausgelassen geschwenkten Heldmaschine-Fahnen im Publikum, mit einem ausgerollten Transparent mit der Aufschrift „Ihr seid unsere Welt“ (mit Bezug auf den ganz zum Schluss gespielten Heldmaschinen-Song „Meine Welt“). So muss Konzert-Interaktion sein.

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