Kaiserslautern Harte Rocker auf Plateausohlen
Sie nennt sich Europas Nummer eins, die Kiss Tribute Forever Band. Am Samstagabend boten die vier ungarischen Vollblutmusiker im Irish House ein gelungenes Spektakel, das optisch, musikalisch und auch in der Lautstärke den Originalen in nichts nachstand.
Ist das Fasching? Ist das Kiss? Alle, die am Samstagabend von Schunkelmusik und Schlagerparade genug hatten, konnten sich zwar einer Band in perfekter Verkleidung hingeben, bekamen dafür aber mehr als zwei Stunden lang Hard Rock und Heavy Metal auf die Ohren. Plateauschuhe unter schwarz-silbernem Jumpsuit mit Cape, Monsterfratze, schwarze Struwwelperücke: Die zahlreichen Fans waren davon begeistert. Wer dachte, dass sich überwiegend 50-Jährige im Publikum befänden, hatte sich getäuscht. Bunt gemischt waren die Fans des Glam Rock an diesem Abend. „Wie geht’s? Ich habe euch vermisst“, rief Zoltán Váry alias „Starchild“ (Paul Stanley), in den Saal. Zum wiederholten Male waren die Schminkerocker in Kaiserslautern zu Gast. Das Dröhnen der Bässe und das laute Hämmern des Schlagzeugs ließen die Einrichtung beben. Váry bediente auch die Klischees des Hard-Rock-Musikers, als er Richtung Publikum rief: „Mädchen, wenn ihr heute Nacht Spaß haben wollt, können wir uns später treffen.“ Der angesprochene weibliche Teil des Publikums blieb zurückhaltend. Bei „Crazy Nights“ sangen auf jeden Fall alle lautstark mit. Schließlich galt auch hier der Leitspruch: „I Was Made for Lovin’ You“. Dieser Titel ist die meistverkaufte, erfolgreichste Single der Band und erreichte 1979 weltweit Top-Plätze der Hitparaden. Der typische Sound von Kiss, gepaart mit Disco-Elementen, rief begeisterte Mitsänger auf den Plan. Und bei Titeln wie „Shock me“ und „Lick it up“ ließ ein lasziv vor der Bühne tanzender weiblicher Fan auch schon mal das T-Shirt bis zum Hals hochrutschen. Radek Sikl alias „Catman“ (Eric Singer) am Schlagzeug ließ die Sticks nur so auf die Becken niederprasseln. Bei „War Machine“ klatschten und rockten die Leute im gut gefüllten Saal. Váry ließ seine Gitarre bis zum Zahnschmerz singen. „I Love it Loud“, heißt ein bekannter Song aus dem „Creatures of the Night“-Album, der wohl im wahrsten Wortsinn jeden Nerv traf. Die aus Budapest stammende Kiss Forever Band hat sich weltweit an die Spitze aller Kiss-Coverbands hochgearbeitet und lässt seit 1995 die Ära des Glam Rock wieder auferstehen. Auf der Bühne zeigten sich die vier als Routiniers, die das Repertoire ihrer Kiss-Songs mit der dazugehörigen Portion an Drama, Show und Hingabe zum Besten gaben. „Pocky Demon“ (Gene Simmons) und „Space Ace“ Paul Sturmann (Tommy Thayer) an den Gitarren erfüllten, wie alle Band-Mitglieder, die Erwartungen des Publikums. Dem Anspruch, zu präsentieren, was Kiss einst groß gemacht hat, wurden sie mehr als gerecht.