Kaiserslautern hart am leben: Zwischen Tür und Theater

Landärzte, Staubsaugervertreter, die Zeugen Jehovas – sie alle besuchen ihre Patienten, Kunden, Schäfchen zuhause. In Wiesbaden aber reihen sich jetzt echte Theatermenschen in die Schlange vor der Tür ein. „Haben Sie einen Moment Zeit, über Gott zu sprechen?“ ist so 2016. Jetzt geben sich Intendant Eric Laufenberg und Mitarbeiter mit den Zeugen und Staubsaugerdealern die Klinke in die Hand. Statt über Vorwerk und Jehova wollen (...oder sollen?) sie von den in der Stadt bevorstehenden Maifestspielen künden. „Die Welt in Bewegung“ lautet das Motto, mit dem sie hausieren. Themenschwerpunkt der Festspiele ist „German Angst“, die Angst vor dem Fremden. Eric Laufenberg & Co dürfen diese bei ihrer Klinkenputz-Tournee jedenfalls nicht haben. Die Gastgeber auf der anderen Seite dagegen wissen, wen sie erwarten. Per Voranmeldung laden sie sich den „Frühlingshaften Festivalwind“ – so heißt es alliterierend wie ein Handelsreisender in Sachen Frühjahrsputz auf der Webseite – auf’s Sofa zu Wein oder Kaffee ein. Öffnen die Wiesbadener dem Frühlingswind Tür und Tor, weht es demnächst womöglich auch bei uns ganz andere Leute herein. Alle versammelt unter dem einschlägigen Motto „Catch ’em all“– fang sie alle: Teenager, die unter dem Sofa mit dem Smartphone nach einem ganz seltenen Pokémon-Exemplar jagen. Auf dem Polstermöbel Jehova-Zeugen mit dem Wachturm wedelnd. Und Pfalztheater-Abgesandte mit Programmheft und Abo-Werbung in der Hand. Haben Sie einen Moment? Jehova, hilf!