Kulturzentrum Kammgarn
Hardrock mit The New Roses in Kaiserslautern
Vorgruppen dienen in der Regel ja „nur“ dem Aufwärmen der Atmosphäre vor dem Haupt-Act. Dabei sind diese Eisbrecher manchmal mindestens genauso gut und (buchstäblich) bemerkenswert wie die folgenden Künstler. So war es auch der Fall mit der Band Snakebite, die am Freitagabend im bestens besuchten Kasino der Kammgarn als Supporter von The New Roses einen angenehm deftigen Anheizer-Auftritt hinlegten. Er hatte das Zeug zu einem eigenen abendfüllenden Konzert.
Das Quintett aus dem Ruhrgebiet verlor keine einzige Sekunde, um seiner Aufgabe gerecht zu werden. Statt eines womöglich gemächlichen Einstiegs gab es vom ersten Ton an mit Songs aus dem stilistischen Einzugsgebiet von melodischem Hardrock und abgedämpftem Metal frische, eruptive Titel. Später im Programm war etwa „My burning Love“ besonders treibend und mitreißend. Das blieb so bis zur letzten Nummer.
Nimm mich mit heim heut’ Abend
Frontmann Nikki Wagner (Gesang), Gitarrist Chris Cobra, Bassist Alex LaCroix und Schlagzeuger Kris Lukas (in würdiger Vertretung des Stamm-Drummers Julian Fischer) erreichten einen Höhepunkt, als sie mit der stimmstarken Melina Di Febo den zur zeitlichen Orientierung der Band passenden Oldie „Take me home tonight“ (1986) interpretierten.
Der einzige Covertitel im Programm wurde insbesondere durch Melinas vor Energie berstende Stimme zu einer Interpretation, die auch fast 40 Jahre nach der Veröffentlichung des Songs so frisch klang wie gerade erst komponiert. Solchermaßen vorgeheizt setzten The New Roses bei Energieausstoß und Stimmung glatt noch einen drauf. Ihr Konzert in Kaiserslautern war bereits das vorletzte ihrer aktuellen Tour „Attracted to Danger“. Aber es gab nicht etwa Ermüdungserscheinungen.
Angezogen von der Gefahr
Ganz im Gegenteil: Titel wie „Glory Road“ schienen Timmy Rough (Gesang), Norman Bites und Dizzy Daniels (Gitarren), Hardy (Bass) und Urban Berz (Schlagzeug) noch eine deutliche Spur ausgelassener und kraftvoller zu spielen als sonst. Das wirkte. Hier und da noch ein paar anfeuernde Ansagen und Publikums-Animationen und die begeisterten Fans gingen nicht nur wegen des (ebenfalls eher melodisch orientierten) Hardrocks beständig mit. Dabei zeigte man vielfach erstaunliche Textsicherheit beim Mitsingen langer Passagen der nicht ganz einfachen englischen Lied-Texte.
Zu den balladesken Stücken, die Frontmann Timmy Rough mit einer seinem Namen alle Ehre machenden rauen Stimme extra-eindrücklich interpretierte, formten sich im Publikum besonders viele Handy-Lichter und Feuerzeuge zu ganzen Licht-Inseln. Gänsehautmomente.
Gut + gut = doppelt gut
Die seit 2012 musikalisch aktiven Jungs aus Wiesbaden verstehen halt ihr Handwerk – und das sowohl in Sachen sauber durchkomponierter, trotz aller Härte ansprechender Rockmusik als auch bezüglich der Erschaffung eines satten Live-Feelings. Man ist nicht zufällig auch im Ausland bekannt und erfolgreich, hat nicht ohne Grund schon die Bühne mit internationalen Größen wie ZZ Top und Kiss geteilt; dann übrigens auch selbst als Vorband.
Die Jungs von Snakebite sind überdurchschnittlich fähige Supporter und The New Roses zweifellos eine erstklassige Rockband. Hier fanden sich zwei bestens aufeinander abgestimmte musikalische Komponenten zu einem gelungenen Konzertabend zusammen.