Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Handwerksberuf Zahntechniker: Ruhige Hand und genaues Auge gefordert

 Zahntechniker Thomas Born (links) will sein Dentallabor Ende des Jahres an seine Nachfolger Patrick und Janina Heberle übergebe
Zahntechniker Thomas Born (links) will sein Dentallabor Ende des Jahres an seine Nachfolger Patrick und Janina Heberle übergeben.

Immer dann, wenn die eigenen Zähne Verschleißerscheinungen aufweisen, kommt neben dem Zahnarzt ein Zahntechniker ins Spiel. Er ist gefragt, wenn es um Zahnersatz geht. Der wird sowohl manuell als auch digital hergestellt. Ein Handwerk, das Präzision erfordert.

Auch wenn man es auf Anhieb nicht unbedingt vermutet: Zahntechniker ist ein typischer Handwerksberuf. Thomas Born (64) übt ihn seit 46 Jahren aus. „Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen“, sagt der Inhaber eines Dentallabors. Sein gerahmter Meisterbrief an der Wand aus dem Jahr 1987 ist von Urkunden in Sachen Fort- und Weiterbildung in der Zahntechnik umgeben. Mit der Meisterprüfung in der Tasche hat sich Born im selben Jahr mit Laborräumen im Hilgardring selbstständig gemacht. Bereits 1992 hat er seine Geschäftsräume um eine Etage auf insgesamt 300 Quadratmeter erweitert.

Um Zahnersatz wie Kronen und Brücken, Zahnimplantate und herausnehmbaren Zahnersatz wie Teil- und Vollprothesen zu fertigen, beschäftigt Born sechs Zahntechniker, drei Auszubildende zum Zahntechniker, eine Helferin, einen Boten und eine Bürokraft. Er selbst hat sich nach der Mittleren Reife für den Beruf entschieden und dreieinhalb Jahre in Ludwigshafen die Fachklasse für Zahntechniker der Berufsschule besucht. Der Mittleren Reife ging ein Praktikum voraus, das ihm die Berufswahl erleichtert hat. „Geduld, Fingerfertigkeit, Feingefühl, technisches Verständnis gepaart mit künstlerischem Empfinden“, sollten Interessenten für den Beruf des Zahntechnikers mitbringen.

Vielfältige Materialien und Techniken

„Die eigenen Zähne halten selten ein Leben lang“, kommt Born auf den Zahnersatz zu sprechen. Der habe sich aufgrund neuer Materialien und neuer Techniken im Laufe der Zeit verändert. „In unserem Labor fertigen wir 40 Prozent des Zahnersatzes digital“, verweist er beispielsweise auf den Einsatz von Intraoralscannern, die Zahnärzten heute zur Verfügung stehen. „Ein Intraoralscanner liefert ein detailgenaues digitales Abbild der Zähne.“ Patienten erspare der Scanner den unangenehmen Biss in eine Abformmasse.

Die Scan-Daten gehen dem Dentallabor über das Internet zu und werden auf einen Bildschirm übertragen. Anhand des dreidimensionalen Bildes entsteht der geplante Zahnersatz virtuell mit Computertechnik. Der Zahnersatz für den Patienten, in der Regel Kronen und Brückengerüste, wird aus einem Rohling an einer computergesteuerten Station gefräst. Dazu stehen dem Dentallabor in einer eigenen Abteilung zwei Bildschirmarbeitsplätze, drei CNC-Maschinen und zwei 3D-Drucker zur Verfügung.

Zahnarzt und Zahntechniker arbeiten eng zusammen

Die Arbeit eines Zahntechnikers erfordere eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Zahnarzt auf der medizinischen und dem Zahntechniker auf der technischen Seite, betont Born. In Kaiserslautern gebe es fast zehn Dentallabore. Auch verfügten einige Zahnärzte über eigene Praxislabore. Da längst nicht alle Dentalarbeiten digital möglich sind, pendelt ein Bote täglich mit Aufträgen und fertigem Zahnersatz zwischen Zahnärzten und Labor. „Die Auftragslage ist sehr gut“, betont Born. Trotz guter und früh einsetzender Prophylaxe, kämen die meisten Menschen mit fortschreitendem Alter um einen Zahnersatz nicht herum.

Ein Blick ins Dentallabor zeigt die Vielfältigkeit der Arbeit und deren Anforderung an die Zahntechnik. An Werkbänken arbeiten Zahntechniker und Auszubildende an Zahnersatz: Von den Abdrücken werden Modelle aus Gips und Kunststoff hergestellt. Darauf fertigt man beispielsweise Kronen aus Metalllegierungen oder metallfrei aus Zirkon.

Ein perfekter Zahnersatz ist immer ein Unikat

Die Anfertigung von Knirschschienen aus speziellem Kunststoff ergänzt das Angebot. Ein perfekter Zahnersatz sei immer ein Unikat, weiß Born zu berichten. Jeder Auftrag befindet sich mit Patientendaten und Abdruck in einem kleinen Kasten auf dem Weg durchs Labor.

Die Werkzeuge, mit denen an Zahnersatz und Prothesen gearbeitet wird, sind so vielfältig wie die Materialien für den Zahnersatz. Ein genaues Auge benötigt der Zahntechniker, wenn es um Form und Farbgebung des Zahnersatzes geht. Eine Palette von annähernd 1000 Kunststoffzähnen steht zur Auswahl eines passenden Zahnersatzes zur Verfügung. 50 Prozent der Zahnprothetik seien Kronen und Brücken. „Die werden zwischenzeitlich größtenteils digital hergestellt.“

Einen Nachfolger zum Erhalt des Betriebs gefunden

Froh ist der Inhaber des Dentallabors, dass er in Patrick Heberle (29) einen zukünftigen Nachfolger für seinen Betrieb gefunden hat. „Ich möchte Ende des Jahres aufhören und bin dankbar, dass ein Mitarbeiter den Betrieb weiterführen wird.“ Das sei für viele kleinere Unternehmen keine Selbstverständlichkeit, verweist Born auf die Situation zahlreicher Handwerksbetriebe, eben keinen geeigneten Nachfolger zu finden. Umso mehr freut sich Born, dass Patrick Heberle sich dazu entschlossen hat, das Labor weiterzuführen. Heberle arbeite seit fünf Jahren als Zahntechniker bei ihm und leiste hervorragende Arbeit. Ein Grund für Born, dem jungen Mann vorab die Stellvertretung der Geschäftsführung seines Dentallabors zu übertragen.

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