Porträt
Handballtrainer Megalooikonomou findet Heimat in der Pfalz
Im Jahr 2016 wagte Theodoros Megalooikonomou den Schritt vom griechischen in den deutschen Handball, zum TuS 04 Dansenberg. „Es war eine sehr schwere Entscheidung, ich hatte auch viele Angebote aus Griechenland. Aber ich war mittlerweile 33 Jahre alt und Vater eines zweijährigen Kindes“, begründete er seine Entscheidung damals. Der Kontakt in die Westpfalz kam über seinen Berater zustande, der ihm von einem ambitionierten Oberligisten berichtete. „Ich habe mir das angeschaut, viel mit meiner Frau geredet, deren Familie schon mal in Deutschland gelebt hat, und überlegt, ob wir uns das vorstellen können. Wir haben uns dann entschieden, es für ein Jahr zu versuchen.“
Der Anfang war sehr schwer, da der Grieche kein Deutsch sprach: „Gott sei Dank hatte ich Hilfe von Ivan Vukas, den ich schon von früher kannte. Er hat mir viel geholfen, Deutsch zu lernen und die Kultur in Kaiserslautern kennenzulernen“, erinnert sich Megalooikonomou. Seinen Spitznamen „Theo“ bekam der Kreisläufer von den Dansenbergern verliehen, die große Probleme mit der Aussprache seines Namens hatten.
Erstes Jahr in Dansenberg ein voller Erfolg
Das erste Jahr in der Pfalz war ein voller Erfolg: „Ein super Jahr. Wir hatten bei jedem Spiel eine volle Halle, die Atmosphäre war fantastisch. Der Aufstieg in die Dritte Liga war dann die Bestätigung, dass der Wechsel richtig war. Darum habe ich auch meinen Vertrag verlängert.“
Als Jugendlicher in Griechenland hatte der in Thessaloniki geborene Megalooikonomou noch Leichtathletik und Schwimmen betrieben und Fußball gespielt. Wegen seines leichtathletischen Talents durfte er sogar ein Sportgymnasium besuchen. Doch als er aufgrund zu schnellen Wachstums Knieprobleme bekam, drohte der Ausschluss aus der leistungsorientierten Schule: Er wechselte zum Handball, machte sein Abitur und schloss später ein Studium an der Sportuniversität ab.
EHF-Cupsieger 2011/12 mit Diomidis Argos
Parallel durchlief Megalooikonomou alle Jugendmannschaften in seiner Heimat, ehe er im Jahr 2000 als 17-Jähriger seinen ersten Profivertrag unterschrieb – beim HC Kilkis, einer kleinen Stadt etwa 40 Kilometer nördlich von Thessaloniki. Dort lernte er seine Frau kennen und blieb acht Jahre lang: „Das war eine große Schule für mich. Ich habe dort unter russischen, jugoslawischen und sehr guten griechischen Trainern viel gelernt“, erzählt er.
Danach zog es den Kreisläufer für zwei Jahre in die Hauptstadt zu AEK Athen, einem der Top-Vereine der Liga, mit dem er seine erste griechische Meisterschaft errang und den Pokal gewann. 2011 folgte der Wechsel zu HC Diomidis Argos, wo er seine erfolgreichste Zeit erleben sollte: „Es war eine richtig geile Zeit“, erinnert sich Megalooikonomou gerne zurück. Neben zwei weiteren Meisterschaften und vier Pokalfinalen gewann er in der Saison 2011/12 den EHF-Cup: „Das war der größte Erfolg meiner Karriere“, berichtet er stolz. Daneben durchlief er alle Jugend- und Juniorennationalmannschaften seines Landes und spielte später über 50-mal für das A-Nationalteam.
TuS-Ziel sind die Top Fünf in der Regionalliga
Kaiserslautern sieht der Grieche, der mit seiner Familie in Sembach wohnt und dessen jüngere Kinder hier geboren sind, mittlerweile als Heimat an: „In Griechenland sagen wir: Dein Land ist, wo du wohnst, nicht wo du herkommst. Wir sind seit 2008 von zu Hause weg, ob Lautern oder Athen macht keinen Unterschied“, erzählt der 41-Jährige, der oft seine Familie und die seiner Frau in Thessaloniki und Kilkis besucht. Bei den Dansenbergern spielte er bis zum Jahr 2021 aktiv, ehe er die Handballschuhe an den Nagel hing: „Ich hatte schon seit 2010 im Kopf, Trainer zu werden.“ Megalooikonomou hat die C-Lizenz, will sich in diesem Jahr die B-Lizenz aneignen und hat langfristig die A-Lizenz als Ziel. Zunächst coachte er in der Jugend des TuS, ehe er im Herbst 2022 das Perspektivteam in der Oberliga übernahm. Nachdem er dort überzeugen konnte, wurde vereinsintern beschlossen, dass er ab der Saison 2024/25 ligaunabhängig die erste Mannschaft trainieren soll.
Seit der vorzeitigen Entlassung von Thomas Weber im Februar ist Megalooikonomou nun Cheftrainer der Pfälzer. Seit dem Sommer wird die TuS-Trainergruppe durch den neuen Sportlichen Leiter Ivan Vukas ergänzt: „Ich habe oft gesagt, dass wir Ivan zurückholen sollen. Ich kenne ihn sehr gut, weiß um seine enorme Erfahrung und Fachkenntnis im Handball.“ In der neuen Regionalliga-Saison will der Grieche mit seiner Mannschaft „den Handball spielen, den wir geplant haben. Das Ziel ist unsere Qualität zu zeigen, wir wollen in die Top Fünf.“