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Die drei vom Stream: Michael „Zacki“ Zirkel, Alexey „Xey“ Wetz und Patrick „Paddy“ Setzpfandt (von links).
Die drei vom Stream: Michael »Zacki« Zirkel, Alexey »Xey« Wetz und Patrick »Paddy« Setzpfandt (von links).

„Zacki und ich können doch kommentieren“, witzelte Alexey Wetz, bis zur letzten Saison Rückraumspieler beim TuS Dansenberg, einst mit seinem ehemaligen Mannschaftskameraden Sebastian Bösing. Dass er einmal zwei Stunden lang im Livestream Mikrofon sitzen und zusammen mit seinem Handballkollegen Michael Zirkel, genannt Zacki, qualifizierte Kommentare abgeben würde, hätte er selbst nicht gedacht. Eine Woche nach seinem Gag wurde aus dem Spaß Ernst. Sportdeutschland suchte Kommentatoren vom TuS. „Ein Zurück gab es dann nicht mehr.“, sagt Wetz.

Die Rollenverteilung

Dass Patrick Setzpfandt sich ums Technische kümmern würde, war klar. Er ist der Technik-Experte beim TuS, kniete sich rein, nahm das Equipment, das der Streamingdienst stellte, mit nach Hause, nahm an Onlineeinweisungen teil, befasste sich mit der neuen Software, der speziellen Kamera, den vielen Knöpfen und Regeln und probierte aus, wie alles funktioniert. Timo Holstein wurde Kameramann, sein Vater Michael Holstein schießt Fotos, Setzpfandts Freundin ist die Social-Media-Beauftragte, Oliver Graß stieß dazu. Was mit dem Stream von ein paar Spielen in der dann abgebrochenen Runde begann, ist inzwischen zu einer großen und umfangreichen Aufgabe geworden. Die Aufstiegsspiele müssen kommentiert werden, und weil sich die Zuschauer im Livestream beklagt hatten, dass die Übertragung erst kurz vor dem Spiel startet, bekommen sie jetzt mehr geboten.

Vorarbeiten

Um 19.04 Uhr – „04 steht für Dansenberg“, witzelt „Zacki“ – ging der TuS am Samstag auf Sendung, 26 Minuten vor dem Anwurf. Besonders Setzpfandt hatte sich dafür ziemlich ins Zeug gelegt, war mit der Drohne über Dansenberg und durch die Halle geflogen, hatte ein aufwändiges Intro zusammengestellt. Und er hatte im Vorfeld Interviews geführt, mit dem Aufstiegshelden der Krefelder, „KC“ Brüren, und mit Jan Claussen vom TuS.

Samstagabend, kurz vor 19 Uhr vor der Halle. Das Team spricht noch mal kurz durch, was ansteht. „Zacki“ hat sich mit den Spielern des Gegners befasst, Fun Facts gesammelt, wie dass der Deutsche Meister im Segeln aus Krefeld stammt. Für Wetz ist das mit Krefeld ein Heimspiel. „Ich kenne sie vom Spielfeld.“

Die Paparolle

Dass er selbst nicht mehr dabei ist, scheint ihm wenig auszumachen. „Ich habe mich gegen die Dritte Liga entschieden. Zu viel Aufwand“, sagt er und erzählt, dass er sich in seiner Rolle als Papa wohlfühlt, angefangen hat ein Haus zu renovieren und Pause vom Handball macht. Auch wenn seine Kollegen ihn gern in ihre Teams ziehen würde. Setzpfandt in die zweite Mannschaft, in der er spielt, und Zirkel in seine vierte. „Der Sport fehlt mir schon“, gibt Wetz schließlich zu. „Und die sozialen Kontakte in der Kabine“, schiebt er hinterher.

Wie auf Kommando dröhnt plötzlich aufmunterndes Gejohle aus den Kabinenfenstern nach draußen. „Das war bestellt“, witzelt Wetz und grinst. Er ist wenig aufgeregt vor der Liveschalte. „Es ist wie mit Zacki auf der Tribüne stehen, nur dass wir aufpassen müssen, was wir sagen.“ Setzpfandt ist da schon angespannter. „Es kribbelt“, sagt er und erklärt, dass alles funktionieren muss, weil die Leute Geld dafür bezahlen.

Zahlenspiele

Wie viel von den 4,50 Euro, die den Zuschauer der Livestream kostet, beim Verein hängen bleibt, ist noch unklar. Klar ist, dass die Zuschauerzahlen im Stream höher sind als sonst in der Dansenberger Halle. 1000 Geräte waren beim Spiel in Pfullingen angemeldet, laut Michael Holstein nutzen rund 2,5 Zuschauer ein Gerät. 400 Fans waren sonst im Schnitt in der Halle.

19:04 Uhr: Patrick Setzpfandt hat auf den Knopf gedrückt und die Liveübertragung gestartet. Musik läuft, das Intro startet, die Videos der acht Sponsoren flimmern über den Bildschirm und die Videos mit den Interviews. „Xey“ und „Zacki“ stehen durch Plastikscheiben voneinander getrennt an Stehtischchen auf der Tribüne. „Xey“ nimmt einen Schluck Fassbrause, „Zacki“ hat einen Plastikbecher von der WM 2006 mitgebracht. Sicherheitshalber, wie er erklärt. Im vergangenen Heimspiel hatte ein Ball sich auf die Tribüne verirrt und sein Glas mit „Apfelschorle“ zerschossen.

Claussen noch dabei

Die zwei vom TuS plaudern locker drauflos, analysieren noch mal das Pfullingenspiel. „Wahrscheinlich hat da ein Alexey Wetz gefehlt. Der hat dort sonst zehn Tore gemacht“, witzelt Zirkel. Und Wetz zieht immer wieder Claussen auf für seine Rote Karte nach 45 Sekunden. „Wir haben schon zwei Minuten gespielt und Claussen ist noch auf dem Feld ...“ Nach 24 Minuten steht es 10:5. „Xey“ zwinkert „Zacki“ zu und grinst.

Fürs Pauseninterview hat das Team den TuS-Abgänger Alex Schulze in die Halle geholt, der zum Erstligisten TVB Stuttgart gewechselt ist. „Wenn sie weiter so verteidigen, bin ich mir sicher, dass sie das Spiel heute gewinnen“, prophezeit er seinen ehemaligen Teamkollegen. Die versuchen weiter so seriös und neutral zu bleiben, wie es geht, loben immer wieder auch die Gäste. Nach Abpfiff ist es dann aber doch wie früher in der Kabine. Torhüter Kevin Klier kommt im Trikot hoch zum Plaudern, lässt sich beglückwünschen, und „Zacki“ und „Xey“ freuen sich, als hätten sie selbst gespielt.

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