Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Großes Turnkino in Ramstein

Kopfüber in der Luft: Alexander Volk von der TG Pfalz.
Kopfüber in der Luft: Alexander Volk von der TG Pfalz. Foto: VIEW

Mit dem Duell TG Pfalz gegen den MTV Ludwigsburg gab die Dritte Turn-Bundesliga ein Gastspiel in Ramstein. Das Turnteam Sickingen (TTS) erwies sich als Top-Ausrichter in einem hochklassigen Turnschauspiel. Einziger Wermutstropfen, die Pfälzer verloren recht deutlich mit 24:40 Score-Punkten.

Die Turner marschieren einzeln ein, wie die Gladiatoren, nur leichtfüßiger, athletischer, und sie sind in Begleitung des TTS-Turnnachwuchses. Wer den Einlauf mit strammer Musik und unter der gekonnten Anmoderation von Achim Wätzold (TTS) mehr genießt, die Bundesliga-Turner oder die Jugend, sei mal dahingestellt. Zufrieden sehen sie aus, und daran ändert sich auch während der gut zweistündigen Duellierung nichts. Die Turner wissen, wo sie stehen: aktuell auf Tabellenplatz acht, in der Hand die rote Laterne. Mit einem Sieg rechnen die Pfälzer nun nicht wirklich. Was also haben sie zu verlieren?

Wackler oder Stürze sind selten

Ludwigsburg ist schon die stärkere Mannschaft“, analysiert es Rudi Brand, Landesfachwart im Pfälzer Turnerbund, noch bevor der erste Turner auf der Bodenmatte abhebt, um nach Salto und Schraube – am Stück – wieder zu landen. Verstecken müssen sich die Männer aus den Vereinen Grünstadt, Oppau, Bad Bergzabern, St. Martin und Wörth, die zusammen als TG Pfalz erstmals in die Dritte Bundesliga aufgestiegen sind, nun nicht. Sie turnen sauber, Wackler oder Stürze gibt es nur wenige. Allerdings, sie turnen mitunter einen geringeren Schwierigkeitsgrad als die Konkurrenz.

Wer schwer turnt, macht Fehler

„Turnen, was man beherrscht, und das sauber durchziehen. Wer schwer turnt, macht auch Fehler und das schlägt gleich zu Buche mit Punktabzug“, stuft Brand das Risiko ein. Aber genau das verlockt zum Taktieren, auf Fehler beim Gegner lauern. Passiert auch in Ramstein und wird mit Spannung von der Zuschauertribüne verfolgt. Dort lassen sich auch Landrat Ralf Leßmeister, Verbandsbürgermeister Ralf Hechler und der Landtagsabgeordnete Marcus Klein keins der energiegeladenen Turnelemente entgehen.

Poker um Score-Punkte

An den Ringen klappt es für den Turner des MTV nicht so wie geplant. Das TG-Trainergespann Bernd Stoffel und Stefan Hertel reagiert sofort, disponiert um und schickt mit Paul Studenski (TG Grünstadt) einen erfahrenen Bundesligaturner an die Ringe. Der Poker geht auf, der Pfälzer gewinnt das Duell und fährt dazu noch reichlich Score-Punkte ein. Die Ringe gehen dann aber doch an Ludwigsburg. „Die Score-Punkte können in der Tabelle am Ende den Ausschlag geben, die sind wie das Torverhältnis beim Fußball“, erläutert es Brand.

Das Score-System bestimmt seit ein paar Jahren den Wettkampf in der Turnbundesliga, das macht es für die Zuschauer absolut spannend. Vier Turner aus beiden Mannschaften gehen pro Gerät an den Start. Einer legt vor, der andere muss nachlegen, ohne die Wertung des Kampfgerichts zu kennen. Die Differenz zwischen den beiden Duellanten wird dann in Score-Punkte verrechnet. Die Mannschaft, die am Ende nach allen sechs Geräten vorne ist, gewinnt zwei Punkte für die Tabelle, nimmt aber natürlich auch die Gesamtzahl der Score-Punkte mit. Die Kampfrichter kamen in Ramstein mehrfach schwer ins Diskutieren, brachten aber immer eine faire saubere Wertung zu Papier.

Der Werbeeffekt

Es war eine Sportveranstaltung mit Werbeeffekt. Allein das an den Geräten Gezeigte ließ so manchen aus dem Staunen nicht mehr rauskommen, dann die freundschaftliche Fairness, mit der sich die konkurrierenden Sportler begegneten. Hinzu der TTS als Ausrichter, der keine Arbeit scheute, um dem Wettkampf eine perfekte Bühne zu bieten. Wenn dann noch ein lässig und dabei fachkundig verständlich kommentierender Moderator wie Achim Wätzold am Mikrofon sitzt, dann hat das nicht nur Stil, dann hat jeder Zuschauer etwas davon. Wätzold, eigentlich Teil der TG Pfalz, hat seinen Stammplatz einem jüngeren Turner überlassen. Auch das zeichnet die Turnfamilie aus.

Dann eben München

Was machte es da schon, dass die Pfälzer am Samstag lediglich den Barren als Sieger mitnahmen und am Pferd ein Remis einfahren konnten. Der Gesamtsieg und die Punkte gingen ziemlich deutlich an den MTV Ludwigsburg. „Wir bekommen noch unsere Chance“, hofft Rudi Brand auf die nächste Bundesligabegegnung. Am 26. Oktober muss die TG Pfalz in München ran. „München können wir packen“, heißt es bei den Pfälzern.

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