Fußball
Gnadenloser Abstiegskampf beim SV Morlautern mit glücklichem Ende
Nicht das erste Mal verbringt Daniel Graf seinen Urlaub in den Vereinigten Staaten. Er hat ein Faible für dieses Land, in dem er auch weilte, als seine Mannschaft als Aufsteiger am 29. Juli 2022 mit der Heimpartie gegen den FV Diefflen die Oberligarunde eröffnete. Ohne ihren Chef an der Seitenlinie spielte die Mannschaft konfus und unterlag 0:4. Nach diesem Reinfall setzte es auch im zweiten Spiel beim SV Auersmacher eine klare Niederlage. Auch da fehlte der Coach. Als dann im dritten Ligaspiel die Zeit ohne Graf zu Ende war, präsentierte sich das Team zwar wesentlich besser, verlor aber unglücklich gegen den zu den Aufstiegskandidaten zählenden FK Pirmasens.
So sah es nach dem dritten Spieltag in der Oberligagruppe Süd nicht allzu rosig für den SVM aus, zumal er im nächsten Spiel gegen keinen Geringeren als den 1. FC Kaiserslautern II antreten musste, der mit einem Unentschieden und zwei Siegen in die Runde gestartet war. Als krasser Außenseiter trat die Graf-Truppe auf dem Betzenberg zu diesem mit Spannung erwarteten Lokalderby an und verließ als gefeierter Sieger den Platz vier am Fritz-Walter-Stadion. Mit 1:0 hatte sie den Favoriten besiegt und damit die Liga aufhorchen lassen. Den Siegtreffer schoss Mario Forster, der es in den 22 Gruppenspielen auf sieben Treffer brachte und in der anschließenden Abstiegsrunde viermal traf.
Auf und Ab in der Runde
Auf mehr als 20 Tore hätte es der schnelle Angreifer in seiner ersten Oberligasaison locker bringen können, wenn er nicht allzu oft Schindluder mit seinen vielen Torchancen getrieben hätte. „Nach diesem Spiel haben wir gewusst, dass wir in der Liga punkten können“, hebt Graf in seinem Saisonresümee die Bedeutung dieser Partie hervor.
Nach dem ersten Saisonsieg sollte dann vor heimischer Kulisse gegen Arminia Ludwigshafen nachgelegt werden. Aber daraus wurde nichts. Am Ende stand eine grausame Niederlage, die für viele unbegreiflich war. Hatten die Morlauterer doch bis zur 74. Minute mit 3:0 geführt, waren dann aber nach dem ersten Gegentreffer wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen. 3:5 stand es am Ende. Ein Debakel.
Im Nachhinein scheint es wie ein Wunder, dass Daniel Graf diese da am Boden liegende Mannschaft wieder aufzurichten vermochte. Dabei war er nicht nur als Psychologe gefragt, sondern auch als Improvisator. Musste er doch aufgrund der langen Verletztenliste das Team immer wieder neu formieren. Und das tat er sehr ideenreich. Aus der Not geboren, beorderte er den Mittelfeldspieler Leopold Mühlen auf die rechte Außenverteidigerposition. Der versierte Techniker und Distanzschütze erfüllte auch diese Aufgabe und war mit insgesamt elf Ligatoren ebenso erfolgreich wie der Stürmer Mario Forster. Der drittbeste Schütze war Florian Bicking. Der dynamische Außenstürmer traf neunmal und glänzte während der ganzen Runde mit seinen Sturmläufen und Flanken.
Graf lobt Charakter
In den Spielen nach der Pleite gegen die Arminen zeigten sich die Graf-Schützlinge als Stehaufmännchen. Verloren sie, so richteten sie sich wieder auf und punkteten. Immer wieder lobte Graf den Charakter seiner Mannschaft, die wie ihr Coach fest daran glaubte, sich in der Liga behaupten zu können. Als die 20 Partien in der Gruppe Süd gespielt waren, hatte der SVM 21 Punkte auf dem Konto; sechs Siege, drei Unentschieden und elf Niederlagen standen zu Buche.
Im Hinblick auf die zweite Saisonphase bedeutete das, dass die Morlauterer zu den sechs Teams gehörten, die in der Abstiegsrunde gegen die Mannschaften anzutreten hatten, die in der Abschlusstabelle der Oberligagruppe Nord die Plätze sechs bis elf belegt hatten. Die fünf besten Teams der Nord- und der Süd-Gruppe spielten dagegen in der Aufstiegsrunde um den Titel. Wie die anderen Teams auch, nahmen die Morlauterer ihre in den Gruppenspielen eroberten 21 Punkte mit in die Abstiegsrunde. Dass sie dort ein gnadenloser Kampf um den Ligaverbleib erwartete, war von vornherein klar. Denn sollte der schlimmste Fall eintreten, würde das für acht Teams, also zwei Drittel, den Abstieg bedeuten. Wollte man auf der sicheren Seite sein, musste man im Endklassement einen der ersten vier Tabellenplätze belegen. So standen die folgenden zwölf Spiele unter dem Motto: Verlieren ist verboten.
In dieser entscheidenden Saisonphase gelangen den Morlauterern bravouröse Auftritte. Sie starteten mit einem Sieg über die Sportfreunde Eisbachtal in die Hinrunde, fuhren danach noch zwei Dreier gegen die SG 2000 Mülheim-Kärlich und den TuS Kirchberg ein und spielten unentschieden gegen Alemannia Waldalgesheim und Ahrweiler. Erst im sechsten Spiel erwischte es sie: Bei der TSG Pfeddersheim mussten sie sich mit 0:2 geschlagen geben.
In der Rückrunde lief es noch besser für die Morlauterer – sie gewannen viermal. Drei dieser Siege fielen hoch aus, was sich am Ende in Sachen Torverhältnis noch als sehr wichtig erweisen sollte. Coach Graf konnte auf eine entschlossene Mannschaft bauen, auf den sicheren Keeper Bakary Sanyang, die Abwehrspieler Joshua und Justin Smith und Sascha Theis. Ebenso auf die defensiven Mittelfeldspieler Markus Happersberger und Tobias Leonhard. Beide werden in der kommenden Saison nicht mehr für den SVM am Ball sein. Happersberger wechselt zum Ligakonkurrenten FK Pirmasens, und Leonhard hängt die Fußballschuhe an den Nagel.
Nach dem Jahreswechsel bekam der SVM einen jungen, dribbelstarken Angriffsspieler in seine Reihen, der in der Winterpause vom Verbandsligisten SV Steinwenden gekommen war: David Schehl, der fünf Treffer erzielte. Mit großem Einsatz spielt Bobby Edet, war aber auch oft glücklos im Abschluss. Kapitän Philipp Schwarz vermochte verletzungsbedingt keine entscheidende Rolle zu spielen, zudem leistete er sich zwei dumme Platzverweise. Und dem erfahrenen Stürmer Felix Bürger fehlte nach seiner Erkrankung einfach die Kraft, um sich in gewohnter Form zu präsentieren.
Spannung am letzten Spieltag
Obgleich der SVM so fleißig punktete, gelang es ihm nicht, sich abzusetzen. Am letzten Spieltag dieser nervenaufreibenden Abstiegsrunde herrschte Hochspannung. Neben dem SV Morlautern kämpften der FC Hertha Wiesbach, die TSG Pfeddersheim, der FV Dudenhofen und Alemannia Waldalgesheim um die Plätze zwei, drei und vier. Allein Tabellenführer Arminia Ludwigshafen brauchte sich keine Sorgen mehr zu machen.
Im letzten Spiel hätte dem SVM zu Hause schon ein Remis gegen Pfeddersheim gereicht, um den Klassenverbleib aus eigener Kraft klarzumachen. Aber in einem dramatischen Duell zog das Heimteam mit 1:3 den Kürzeren. Trotzdem gab’s ein Happy End. Und zwar, weil Waldalgesheim Wiesbach besiegte. In der Abschlusstabelle steht der SVM (44) aufgrund des besseren Torverhältnisses (65:60) vor der punktgleichen Alemannia (48:59) auf dem vierten Platz.
Ende gut, alles gut. Auch in der kommenden Saison wird der SV Morlautern in der Oberliga mit von der Partie sein. Und so wie es aussieht, wird Daniel Graf beim Saisonauftaktspiel seiner Elf nicht in Amerika sein, sondern an der Seitenlinie eines deutschen Fußballplatzes stehen.