Kaiserslautern Glücksspiel Kräuterkonsum
Zwischen zwei Laternen hängen Folien, die von Jugendlichen mit Spraydosen verschönert werden. Stehtische mit Kaffeekannen und Bechern stehen nicht weit entfernt. Ungewöhnlich ist auch die Bühne, an der gearbeitet wird. Das lächelnde Brautpaar dazwischen will nicht so richtig passen. Eingeladen zu der gestrigen Präventionsveranstaltung „Legal, illegal ... shitegal?!“ vor dem Rathaus hatte das Haus des Jugendrechts.
Bunt und günstiger im Vergleich zu anderen Drogen oder Rauschmitteln sind die Tütchen mit den unbestimmbaren Kräutermischungen: Legal Highs und andere psychoaktive Substanzen sind nicht verboten, werden aber in einer gesetzlichen Grauzone über Headshops und im Internet als Kräuter- und Räuchermischungen oder Badesalze verkauft. Ungeachtet dessen können die Kräuter große Schwierigkeiten verursachen. Das Gesundheitsrisiko ist hoch. Bereits 23 Fälle mit Einlieferungen in die Notaufnahme sind dem Polizeipräsidium Westpfalz bekannt. Die Dunkelziffer liege ungleich höher, sagt Kriminalhauptkommissarin Sabine Schöneberger vom Haus des Jugendrechts. Denn was genau in den Tütchen steckt, kann der Konsument auch bei näherem Hinsehen nicht erkennen. Dadurch gestalte sich vor allem die Dosierung der Substanzen schwierig, erklärt Stephan Maiwald-Hölzl von der Staatsanwaltschaft im Haus des Jugendrechts und spricht beim Konsum der Kräuter von „Glücksspiel“. „Konsumiert werden die Legal Highs hauptsächlich von Jugendlichen und Heranwachsenden“, sagt Maiwald-Hölzl. Genau aus diesem Grund soll die Prävention auch Schüler ansprechen. Und weil die Drogenprävention jeden angeht, ist die Veranstaltung auch „auf sehr breite Schultern gesetzt“, erläutert Maiwald-Hölzl. Im Kampf gegen die Legal Highs rücken die Vereine zusammen. Viele beteiligen sich als Kooperationspartner: das Arbeits- und Sozialpädagogische Zentrum (ASZ), Träger ist der Pfälzische Verein für Soziale Rechtspflege Kaiserslautern, ebenso dabei ist die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern. Hinweise und Informationen zu Risiken und Wirkungsweisen der Legal Highs bieten ebenfalls die Ansprechpartner im gelben Pavillon der Jugend- und Drogenberatung „Release“. Welchen Einfluss Rauschmittel aller Art sowohl auf die Informationsverarbeitung als auch die Reaktionsgeschwindigkeit haben, simuliert der Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr mit einer Rauschbrille. Außerdem liegen Flyer für das Programm BOB aus, bei dem Autofahrer auf Alkohol am Steuer verzichten. Prominente Schützenhilfe für die Prävention vor dem Rathaus bietet Nnaik. Für den Lauterer Rapper ist sein musikalisches Engagement Ehrensache: „Ich habe selbst Unterstützung bekommen, dann kann ich die auch zurückgeben.“