Kaiserslautern
GKN-Schließung: Wie es in Kaiserslautern weitergeht – oder eben nicht
Material sammeln und mit der Geschäftsführung sprechen: Der Betriebsrat des GKN-Werks und die IG Metall wollen sich nach der Ankündigung, das Werk zu schließen, nicht geschlagen geben. Von allen Seiten gibt’s aufmunternde Worte für die Belegschaft – aber wie kann die Politik helfen?
Am vergangenen Freitag ist bekannt geworden, dass GKN Driveline das Werk in Kaiserslautern schließen möchte, derzeit werden dort von 320 Mitarbeitern Gelenkwellen und Autoteile für verschiedene Fahrzeughersteller gefertigt. Für Freitagmittag ist eine außerordentliche Betriebsversammlung angekündigt: Belegschaft, Betriebsrat, Geschäftsführung, Gewerkschaft und Vertreter des Landes werden dabei sein. In der Versammlung sollen, wie Betriebsratsvorsitzender Markus Becker der RHEINPFALZ erläuterte, möglichst viele offene Fragen geklärt werden. Außerdem gebe es da noch einmal die Chance, mit der Geschäftsführung zu sprechen: „Und die Gelegenheit bekommt man nicht mehr oft.“
IG Metall will Alternativen prüfen
Derzeit sei man dabei, Dokumente anzufordern und detaillierte Informationen zu sammeln, ob eine Schließung des Werks tatsächlich alternativlos ist, sagte Alexander Ulrich, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Kaiserslautern. Bleibt es bei den Schließungsplänen, „müssen wir auch über den Fall der Fälle nachdenken“. Er zeigt sich streitbar: „Wir kämpfen so lange es geht um jeden einzelnen Arbeitsplatz.“
Mit am Tisch sitzen soll am Freitag Alexander Wilhelm, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie. Doch wie kann die Landesregierung den Betroffenen konkret helfen? Auf Anfrage antwortet eine Sprecherin des Ministeriums: „Die Landesregierung hat den Beschäftigten ihre Solidarität versichert. Sie steht derzeit im engen Kontakt mit den Betriebsräten von GKN und mit der IG Metall und klärt die Unterstützungsmöglichkeiten.“
Das könne Unterstützung beim Versuch sein, die Arbeitsplätze zu erhalten. Darüber hinaus könne die Bundesagentur für Arbeit „mit einem umfänglichen Maßnahmenkatalog zur Unterstützung der Betroffenen“ beitragen. „Ziel muss es sein, im Falle einer tatsächlichen Betriebsschließung eng mit der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, den örtlichen Agenturen für Arbeit, den Kommunen zusammenzuarbeiten und den Betroffenen schnelle Hilfe anzubieten um sie wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, heißt es aus Mainz.
Arbeitsagentur führt Gespräche
Erste Gespräche mit der Agentur für Arbeit in Kaiserslautern laufen schon, wie deren Pressesprecher bestätigt: „Die Geschäftsführungen der GKN Gelenkwellenwerk Kaiserslautern GmbH und der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens sind im Kontakt.“ Für kommende Woche sei ein persönlicher Austausch geplant. Komme es zur Schließung, „wird die Agentur für Arbeit den Männern und Frauen mit ihrem gesamten Dienstleistungsangebot zur Seite stehen.“ Neben dem persönlichen Beratungsgespräch könne auch in Gruppenveranstaltungen informiert werden. In Vermittlungsgesprächen sollen passende Vermittlungsvorschläge gemacht werden, und auch das Thema Qualifizierung werde immer wichtiger: „Hier können wir eine Vielzahl an Möglichkeiten bieten.“ Außerdem stehe die Sicherung des Lebensunterhalts im Vordergrund – beispielsweise über die Zahlung des Arbeitslosengeldes.
Städtische Auffanggesellschaft steht bereit
„All diese Möglichkeiten werden in den anstehenden Gesprächen erörtert“, so der Pressesprecher der Arbeitsagentur. Die Chancen und Perspektiven für Arbeitsuchende seien trotz aller Unwägbarkeiten in der Wirtschaft vielfältig: „Es gilt weiterhin die Botschaft: Fachkräfte sind am Arbeitsmarkt gesucht. Erforderliche Qualifizierungen können von uns nach Bedarf gefördert werden.“
Werde das Werk geschlossen, kündigte Bürgermeisterin Beate Kimmel bereits am Dienstag an: „Sollte es dazu kommen, wird die PGA, die Pfaff – Gemeinnützige Arbeitsförderungsgesellschaft bereit stehen.“ Die PGA ist eine Auffanggesellschaft von Stadt und Kreis, die im Zuge der Pfaff-Insolvenz zur Jahrtausendwende gegründet wurde.