Kaiserslautern Gesundheitsamt: Schulstart unter Hygienevorschriften in Praxis schwer umsetzbar

Bislang habe es im Zuständigkeitsbereich des Kaiserslauterer Gesundheitsamts noch keine Meldung via Corona-App gegeben.
Bislang habe es im Zuständigkeitsbereich des Kaiserslauterer Gesundheitsamts noch keine Meldung via Corona-App gegeben.

Dass die Schulen nach den Sommerferien in einem Regelbetrieb unter Hygienebedingungen starten sollen, sehen die Verantwortlichen im Gesundheitsamt mit Sorge. Auch was die Corona-Warn-App angeht, gibt es aus Sicht vom Kreisbeigeordneten Peter Schmidt und Behördenleiterin Christiane Steinebrei kritische Töne.

Schmidt ist Leiter des Corona-Krisenstabs im Gesundheitsamt Kaiserslautern und seit Monaten mit dem Coronavirus und dessen Auswirkungen in Stadt und Landkreis Kaiserslautern betraut. Dem von der Landespolitik in Aussicht gestellten Regelbetrieb an Schulen unter Hygienerichtlinien nach den Sommerferien steht er kritisch gegenüber. „Das halte ich in der Praxis für schwer umzusetzen“, sagte er im Pressegespräch am Mittwoch. Wenn es in einer vollen Schule zu einem Ausbruch komme, seien gleich richtig viele Menschen betroffen: „Das geht dann nicht so glimpflich ab, wie bei dem kleinen und beschränkten Ausbruch an der Grundschule in Kaiserslautern.“ Im Regelbetrieb sei das Infektionsrisiko ungleich höher.

„Können keine zweite Ischgl-Situation gebrauchen“

Aus Gesundheitsamts-Sicht sei ein solcher Schulstart nicht wünschenswert, „aber ich verstehe natürlich die Eltern- und Schülersicht, die sich eine Rückkehr in die normale Welt wünschen“. Schmidt warnt: „Am 1. August ist die Lage Corona noch nicht beendet.“ Gesundheitsamts-Leiterin Steinebrei ergänzt: „Wir hoffen, dass sich alle im Urlaub so verhalten, dass sie nichts von ihren Reisezielen mitbringen.“ Das Letzte, was man gebrauchen könne, sei „eine zweite Ischgl-Situation“ – im Frühjahr waren zahlreiche Skiurlauber mit dem Coronavirus infiziert nach Deutschland zurückgekehrt.

Corona-Warn-App ist ein unterstützendes Mittel

Ob die vor wenigen Tagen eingeführte Corona-Warn-Smartphone-App helfen könnte, so etwas zu verhindern oder zumindest schnell zu entdecken? Schmidt: „Im Kreisvorstand nutzen wir alle die App. Sie ist für uns ein unterstützendes Mittel, um Kontaktpersonen zu finden.“ Allerdings könne das Gesundheitsamt über die App aus Datenschutzgründen nicht herausfinden, bei wem sich jemand angesteckt hat – denn es gibt lediglich die Mitteilung, dass man Kontakt mit einem Infizierten hatte. Die Detektivarbeit, die Ermittlung der Kontaktpersonen entfalle somit also nicht. Diese Mammutaufgabe bleibt weiter bei den Gesundheitsamtsmitarbeitern. Schmidt: „Die Zahl der Kontaktpersonen schwankt nach unseren Erfahrungen zwischen zwei und 100.“

Wer eine Warnung bekommt, wird getestet

Die Chance der App sei allerdings, dass damit früh Fälle gefunden werden. Denn wer benachrichtigt wird, dass er Kontakt hatte, wird getestet, erläutert Schmidt: „Bis das Ergebnis vorliegt, empfehlen wir, sich freiwillig von anderen Menschen zu separieren.“ Bislang habe es im Zuständigkeitsbereich des Kaiserslauterer Gesundheitsamts noch keine Meldung via Corona-App gegeben. Bei Fragen zur App könne die Hotline der Behörde nicht weiterhelfen, sagt Steinebrei. Sie verweist auf die offizielle Hotline zur Corona-Warn-App: 0800/7540001.

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