Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Geflüchtete Tänzerin macht am Pfalztheater Station

In Lautern vortanzen für Boston: Digitaltechnik ermöglichte es Liza Gorbacheva.
In Lautern vortanzen für Boston: Digitaltechnik ermöglichte es Liza Gorbacheva.

Wie wichtig Netzwerke sein können, zeigt so manche humanitäre Antwort auf Folgen des derzeit grausamen Krieges auf ukrainischem Boden. Etwa die europaweite Aufnahme flüchtender Menschen. So auch am Lauterer Pfalztheater, wo Liza Gorbacheva Station zwischen Moskau und Boston macht.

Seit Ende März trainiert mit der Lauterer Tanzcompagnie ein Gast. Genau genommen ist es nur eine Stippvisite auf einer Reise von Moskau nach Boston. Dass Liza Gorbacheva auch tatsächlich weiterfährt über den Großen Teich ihrem Traum entgegen – das erfuhr sie erst am Dienstagabend im Ballettsaal des Pfalztheaters. Doch zurück zum Anfang einer wundersamen Geschichte, ausgelöst durch Putins brutalen Überfall auf ihr Heimatland.

Vor 20 Jahren in Lemberg geboren, studiert Liza Gorbacheva ab 2014 Tanz in Kiew, München und Moskau. 2020 gehört sie am Bolschoi-Theater der Compagnie des Bolschoi-Balletts an. Kurz nach Kriegsausbruch am 24. Februar flüchtet die Ukrainerin aus Moskau über Riga/Litauen, Berlin nach Kaiserslautern. Sie wusste, dass sie nicht zurück in ihre Heimat kann. Und sie wusste ebenso, dass sie am beruflichen Traum einer internationalen Ballettkünstlerin festhält. „Ich bin gegangen ohne Alternative. Ich hatte so ein gutes Gefühl.“

Wenn Träume wahr werden

Während Eltern und Brüder Sicherheit in unterirdischen Bunkerräumen finden, folgt sie ihrem Traum eines „Lebens in der majestätischen Welt der Ballettkunst“. Er begleitet sie auf ihrer Reise durch halb Europa, öffnet ihr überall Türen und lässt sie „so hilfreichen Menschen“ begegnen. Am Ende landet sie bei den beiden spanischen Trainerinnen Elena Iglesias Galan und Luisa Sancho Escanero – übrigens ab der Spielzeit 2022/2023 neue Leiterinnen der Sparte Tanz am Pfalztheater – und darf als Gast mit dem Lauterer Tanzensemble trainieren. Sozusagen am Wegesrand dieser Reise standen die europaweite visa- und kostenfreie Fahrt für ukrainische Flüchtlinge, freie Wahl des Ziels, Verwandtschaft in Lautern sowie das Netzwerk US-Konsulat Frankfurt zur hiesigen Atlantischen Akademie mit Kontakten wiederum zum Pfalztheater.

Am Dienstag war es soweit: eineinhalb Stunden Training mit der Boston-Compagnie als Aufnahmeprüfung. Die Techniker von KL-digital sicherten die Videoschalte in die USA. Anfangs nervös ob dieser erstmaligen Erfahrung „gestreamt“ zu werden, endete die Aktion mit einem prompten „Yes“ aus Boston. Zutiefst gerührt, überglücklich und dennoch – sie kann noch nicht so richtig fassen, dass sie ab August erneut „in einer der führenden Ballett Compagnien der Welt“ tanzen wird. Mitten im schockierendsten Ereignis ihres bisherigen Lebens sagt Liza Gorbacheva: „My dream comes true.“

x