Kaiserslautern
Gala am Pfalztheater macht Appetit auf kommende Spielzeit
Einen Auftakt nach Maß bietet die Pfalzphilharmonie unter Leitung von Daniele Squeo mit der Ouvertüre zu Mozarts „Zauberflöte“. Das Ensemble realisiert das Werk mit rhythmischer Spannkraft und leuchtenden Farben. Das Stimmengeflecht bleibt auf allen Ebenen gegenwärtig, nicht zuletzt, weil an allen Pulten lebendig gespielt wird. Im Quintett „Hm! Hm! Hm!“ aus derselben Oper glänzt Johannes Fritsche als stimmgewaltiger Bariton, während die drei Damen (Arminia Friebe, Polina Artsis und Bethany Yeaman) mit herrlichem Harmoniegesang den lustigen Papageno und den ernsthaften Pamino (Daniel Kim) zum Reden bringen wollen. Einer der Höhepunkte des Abends war die Arie des Posa „O Carlo, ascolta“ aus Verdis „Don Carlo“. Der erst 32 Jahre alte und schon preisgekrönte Bariton Hyunkyum Kim meistert sie mit Bravour.
Die großartige Tradition des Musicals am Pfalztheater wolle er fortsetzen, betonte der künstlerische Direktor Johannes Beckmann, jedoch abseits bekannter Inszenierungen. Neu ins Programm wurde daher das Musical „Gefährliche Liebschaften“ von Marc Schubring und Wolfgang Adenberg nach dem Briefroman von Choderlos de Laclos aufgenommen, das 2015 als „bestes Musical“ und „beste Komposition“ prämiert wurde. Astrid Vosberg glänzt als die Egomanin Madam Merteuil in der Arie „Siegen oder Untergeh’n“. Eine Hommage an Buenos Aires und den Tango ist die „Tango-Operita“ „Maria de Buenos Aires“ von Astor Piazzolla. Auch hier besticht Publikumsliebling Vosberg mit ihrer Arie, begleitet vom Orchester unter Anton Legkii.
Schauspielkunst im Sommernachtstraum gefeiert
Alte Gewissheiten würden heutzutage infrage gestellt, so Beckmann, neuen Anforderungen müsse man sich fast täglich stellen. Diesen Wandel greift das JUP mit zwei bemerkenswerten Aufführungen auf. In der Uraufführung der Familienoper „Der Goldene Brunnen“ nach dem Märchenspiel von Otfried Preußler und der Musik von Peter Leipold rettet ein Mädchen sein Dorf, dessen Brunnen versiegt ist. Sofie Lund (Sopran) und Johannes Fritsche (Bariton) punkten dabei in der Szene „Auf Mischa, wir wollen weiterwandern.“ Kongenial begleitet die Pfalzphilharmonie unter Olivier Pols. In der Parabel „Planet der Hasen“ von Tina Müller werden große Themen unserer Zeit wie Klimawandel und Nachhaltigkeit auf spielerische Weise behandelt. Philipp Adam und besonders Paula Vogel glänzen dabei mit schauspielerischem Talent.
Auf den gesellschaftlichen Wandel geht auch die Schauspiel-Sparte ein. „Hummer & Durst“ von Leon Engler ist eine irrwitzige Kapitalismusgroteske, die sich auf humorvolle Weise mit den Absurditäten des ökonomischen (Wahn-)Wachstums auseinandersetzt. Dennis Bodenbinder, Josephine Raschke und Helene Vogel beeindrucken in einer Szene dieser Uraufführung. In der Szene aus Shakespeares „Sommernachtstraum“ feiern Rainer Furch als Zettel, Hartmut Neuber als Squenz und Aglaja Stadelmann als Philostrat die Kunst des Schauspiels in all ihren Facetten. Auch in dem humorvollen, zugleich berührenden Schauspiel „Fischer Fritz“ von Raphaela Bardutzky glüht Furch als zungenakrobatischer Sprachvirtuose vor Spielwitz. Aber auch Maria Schubert und Martin Schultz-Coulon fordern Beifall heraus.
Tanztheater emanzipiert sich
Auch das Tanztheater emanzipiert sich unter neuer Leitung und befreit sich von Reminiszenzen an das klassische Ballett. Der Tanzabend „Anonymous/Sense“ von Jone San Martin bietet eine Reflexion tradierter Rollenbilder aus Sicht des zeitgenössischen Tanzes. Auch das Manhatten-Duet „Beautiful Failure“ und „The Red Thread“ arbeiten mit experimentellen Bewegungsformen und suchen nach neuen, genreübergreifenden Formen der tänzerischen Darstellung.
Ein Abend wie eine Pizza Diavolo mit zahlreichen Appetithäppchen. Beckmann erwies sich dabei als lockerer Moderator, der seine Leute glänzend in den Mittelpunkt zu stellen wusste und bei den Unterhaltungen mit Aktiven den Vorführungen auf den Grund ging.