Ramstein RHEINPFALZ Plus Artikel Gänsehaut-Momente mit den Söhnen Mannheims im Congress Center

Die Söhne Mannheims überzeugten in der neuen Besetzung.
Die Söhne Mannheims überzeugten in der neuen Besetzung.

Ein Konzertflügel und gleich fünf großartige Stimmen – das war die magische Formel, mit der sich die Söhne Mannheims am Donnerstagabend im Ramsteiner Congress Center vor 350 Besuchern in besonderer Piano-Version präsentierten.

Im Gepäck hatten sie ihr aktuelles Studio-Album „Kompass“, mit dem sie ihren Fans einen moralischen „Kompass“ vermitteln wollen. Neben den Söhnen tauchte sogar noch eine „Tochter“ auf. Ein Abend voller Gänsehaut-Momente.

Nach dem Ausstieg von Xavier Naidoo 2017 sind die Söhne Mannheims zurück – und zwar in der richtungsweisenden Version „Söhne Mannheims Piano“. Und dieser stürmisch begrüßte, klassisch ausgebildete Pianist Florian Sitzmann gibt mal gleich seine Visitenkarte ab. Da wird mit viel Verve geatmet, dass der Zuhörer aufhorcht. Sein Spiel ist persönlich, farben- und spannungsreich. Er durchlebt jeden einzelnen Takt, jede Note. Er ist ein besonnener Pianist mit dem Gespür für das richtige Maß. Es sind „Lieder ohne Worte“, die er spielt, und man spürt, dass er vom Gesang und seiner möglichen, sprechenden Dramatik etwas versteht.

Markante Stimmen

Die neuen „Söhne“-Stimmen sind – wie sie sich auf der Bühne von links nach rechts präsentieren – Karim Amun, Dominic Sanz, der langjährige Söhne-Sänger und Produzent Michael Klimas sowie der Söhne-Songwriter Giuseppe Porrello mit seiner markanten Reibeisenstimme. Jeder dieser Vokalkünstler hat seinen ganz persönlichen Auftritt. In den Refrains verschmilzt dieses multikulturelle Kollektiv zum einzigartigen mehrstimmigen Gesang: mal zwei-, mal drei-, mal vierstimmig, aber nie im traditionellen Harmoniegesang, eher ähnelt er dem Spiritual- und Gospelgesang. Da wird Soul, Pop und Hip Hop zu einem einzigartigen Sound gemischt. Das Bild vom Geschwindigkeitssportler ist überholt. Mit diesem Konzert liefern die „Söhne“ den endgültigen Beweis ihrer ausgeprägten musikalischen Sensitivität. Der einzelne Ton ist das, was zählt, und der Rest ist Sache des Arrangements.

Da beeindrucken immer wieder die mitreißenden Soulstimmen von Karim Amun und Dominic Sanz. In ihren emotionsgeladenen Vorträgen schwelgen sie mit ihren dynamischen facettenreichen Gospelstimmen beseelt in Liebeslyrik. In der erdigen Stimme von Porrello vereinigen sich zarte und raue Momente gleichzeitig, und die Stimme von Michael Klimas weiß sich mit ungekünstelter Intensität bis in Töne von ekstatischer Reinheit und Falsetts von ungezwungener Klarheit und Leichtigkeit aufzuschwingen.

Das Publikum singt mit

Da beeindrucken immer wieder die mitreißenden Soulstimmen von Karim Amun und Dominic Sanz. In ihren emotionsgeladenen Vorträgen schwelgen sie mit ihren dynamischen facettenreichen Gospelstimmen beseelt in Liebeslyrik. In der erdigen Stimme von Porrello vereinigen sich zarte und raue Momenteg, und die Stimme von Michael Klimas weiß sich mit ungekünstelter Intensität bis in Töne von ekstatischer Reinheit und Falsetts von ungezwungener Klarheit und Leichtigkeit aufzuschwingen. Es berührt, wenn Porrello von seinem Vater singt, der im Alter von 54 Jahren an Demenz erkrankte. „Du warst immer schon ein Held für mich“, singt er darin und hadert damit, dass der Vater mit fortschreitender Krankheit alles vergisst.

Oft animieren die „Söhne“ das Publikum auch zum Mitsingen. Und die lassen sich nicht zwei Mal auffordern. Das Stimmungsbarometer im Saal steigt dann schnell an. Besonders wenn die Zuhörer, wie in „Das hat die Welt noch nicht gesehen“, auch noch die leuchtenden Handys in die Höhe halten, hat man ein Gefühl wie an Weihnachten. Den Hauptgewinn ziehen die „Söhne“ dann schließlich mit dem gleichnamigen Song, indem sie die Opernsängerin Elisa Saliha, auf die Bühne holen. Sie präsentiert sich aber keineswegs opernhaft mit turmhoher Sopranstimme und glockenhaften Koloraturen. Vielmehr intoniert sie mit Verve und Spaß an Pop und Rock, womit sie das maskuline Line-up der Band gehörig aufpolierte. Das ist in der Tat ein Hauptgewinn, denn ansonsten ist das Titel-Set doch auf Dauer ein ermüdender Einheitsbrei des selig-souligen Pop-Sounds, der bisweilen auch leicht weinerlich wirkt. Da sind auch die zungenakrobatischen Einwürfe des Rappers Metaphysics eine willkommene Abwechslung.

Die Fans singen oft laut mit: die Söhne Mannheims in Ramstein.
Die Fans singen oft laut mit: die Söhne Mannheims in Ramstein.

Nicht immer besonders originell sind auch die Texte. „Ich weiß, dass dir das Herz gefriert, wenn du im Regen stehst“ heißt es in „Ich habe Liebe für dich“. Und „Das Leben ist eine Reise, vielleicht frisst man manchmal Scheiße, die Dämonen sind nicht leise“ in „Verfluchter Weg“. Noch schlimmer wird’s, wenn wie in „Moral“ Lyrics mit politischen Parolen aufgeladen werden. Wer aber nicht so genau hinhört, hat echtes Vergnügen an der Musik, zumal die „Söhne“ noch Klassiker aus der 28 Jahre alten Bandgeschichte auspackten. Vor allem das fantastische „Und wenn ein Lied“, das viele Besucher von vorn bis hinten mitsingen, bringt die Stimmung auf den Höhepunkt, zumal Florian Sitzmann sich einmal mehr als Begleiter von hoher Anschlagkultur und pianistischer Brillanz erweist.

Das Publikum war demnach am Schluss auch nicht mehr zu halten und forderte im Stehen zwei Zugaben heraus.

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