Kaiserslautern Fulminante Politsatire
Der Mainzer Kabarettist Tobias Mann feierte am Freitagabend in der ausverkauften Kammgarn sein zehntes Bühnenjubiläum mit einem „Best Of“-Programm, das sich gewaschen hatte: atemberaubendes Hochgeschwindigkeitskabarett gepaart mit knallharter Gesellschaftskritik und umwerfender Comedy. 500 Besucher feierten den „Rächer der Politikverdrossenen“ im Stehen.
Wenn der Mainzer Tobias Mann so schnell mit dem Auto rasen würde, wie er babbelt, müsste er um seinen Führerschein bangen. Mit Riesenschritten stürmt er die Kammgarn-Bühne und wirft die „Political Correctness“ gleich ab. „Ich konnte als Jugendlicher gar keine politische Meinung kriegen“, behauptet er. „16 Jahre Kohl! Da hat man uns die Politik ausgetrieben!“ Dennoch hat er sich zum politischen Kabarettisten gemausert und konstatiert: „Meine Satire geht immer gegen die da oben.“ So mache er seit er auf der Bühne sei Kabarett gegen Merkel. „Vergeblich. Man kommt nicht gegen sie an.“ Aber auch die SPD nimmt er ins Visier. Was für eine Begeisterung sei unter deren Anhängern aufgekommen, seit klar ist, dass Martin Schulz als Kanzlerkandidat auftritt. „Die Leute erwarten einen Linksruck. Dabei ist der Mann ein Schröderianer.“ Weiter geht es mit Spitzen gegen die anderen Parteien. Es gebe keine Opposition. Die Grünen nähmen die Position des „pikierten Dabeistehens“ ein. „Wo sind die grünen Werte?“ Wie könne man Flüchtlinge wieder nach Afghanistan abschieben, wo doch dort Krieg herrsche? „Haben die in der CDU vergessen, wofür ihr C steht? Ich glaube, Jesus würde diese Partei gar nicht wählen.“ Bei solchen Pointen bleibt das Lachen im Halse stecken. Noch kompromissloser äußert sich Mann über Donald Trump. „Komm’ ich in Zeiten von Trump mit Satire überhaupt noch durch?“, fragt er. Da behaupteten Leute, der Mann wachse in sein Amt rein. „Der ist 70!“, hält Mann dagegen, „der schrumpft!“ Die Mannschaft, die der US-Präsident um sich geschart hat, bezeichnet Mann als „die postfaktischen Reiter der Apokalypse“ und fügt hinzu: „Die Amerikaner haben sich einen Geschäftsmann gewählt, der hat mehr Interessenkonflikte im Weißen Haus als mein Sohn im Spielzeugladen.“ Aber auch mit Markus Söder und Björn Höcke geht der 40-jährige „Rächer der Politikverdrossenen“ nicht zartfühlend um. Über Söder dürfe man keine Witze mehr machen. „Der ist schwer krank“, verrät er. „Der hat Weißbier-Tourette“ (Tourette: zentralnervöse Bewegungsstörung). Und Höcke habe eine schwere Kindheit gehabt: „Als Kind ist er in rechtsdrehenden Joghurt gestürzt.“ Am meisten mache ihm Sorge, dass die AFD die anderen Parteien vor sich hertreibe. Jetzt wolle Julia Klöckner sogar die Burka verbieten. Dabei sei die Schwesterpartei CSU „die personifizierte Burka: eingemummelt und rückwärtsgewandt“. Das alles sprudelt der Gewinner des Deutschen Kleinkunstpreises 2017 fulminant heraus wie eine nie versiegende Quelle, wie ein Dampfkochtopf, der jeden Moment zu platzen droht. Dabei übertreibt er oft. Er klagt aber nicht nur an, sondern sorgt ebenso für besinnliche Momente und hat auch Lösungsvorschläge. „Wir brauchen wieder positiv Verrückte wie Otto Lilienthal oder Pythagoras“, ruft er und redet sich dabei in Rage. Das Studium heute sei so angelegt, dass die Studenten möglichst schnell in das System eingebunden werden. So würden sie ganz bewusst entpolitisiert, meint das Multitalent, das auch brillant Klavier und Gitarre spielt. Sein Lied, das mit lauter grammatischen Begriffen eine spannende Geschichte erzählt, sowie der furiose Rap „Faust reloaded“, bei dem er Goethes Faust in fünf Minuten herunterspult, sind einfach genial und werden mit klatschen, johlen, pfeifen gefeiert. Eine halbe Stunde Zugaben. |fk