Kaiserslautern „Fußball ist für mich ein guter Ausgleich zum Beruf“

Auf den Gleisen und auch auf dem Fußballplatz zeigt er Führungsqualitäten: der Lokführer und Schiedsrichter David Anthony Hussey
Auf den Gleisen und auch auf dem Fußballplatz zeigt er Führungsqualitäten: der Lokführer und Schiedsrichter David Anthony Hussey.

David Anthony Hussey möchte irgendwann eine Familie gründen und Kinder haben. Aktuell hat der 25-jährige Mann aus Kaiserslautern aber so gut wie keine freie Zeit. Er fährt bei der Deutschen Bahn im Schichtdienst Lokomotive und ist Fußballschiedsrichter im Kreis Kaiserslautern-Donnersberg.

An jedem zweiten Wochenende, wenn es sein vollgepackter Dienstplan erlaubt, leitet Hussey mindestens zwei Fußballspiele. Weil Schiedsrichter im Amateurfußball knapp sind, bleibt es selten bei einem Spiel pro Tag, und so muss er von einem Termin zum nächsten hetzen. Von der Jugendklasse bis zu den Aktiven wird er eingesetzt. Wegen seiner ausgesprochenen Zuverlässigkeit ist der Lauterer im Schiedsrichterkreis ebenso beliebt wie bei seinem Arbeitgeber und den Kollegen. Im Jahr 2011 hatte Hussey die Ausbildung zum Schiedsrichter in der Sportschule des Südwestdeutschen Fußballverbandes in Edenkoben absolviert. Wie es das Schicksal wollte, hat er 2015 ausgerechnet in Edenkoben auch die härteste Prüfung seiner beruflichen Laufbahn bestehen müssen. Am Bahnhof wollte ein Mann zu Fuß die Gleise überqueren, um den anderen Bahnsteig zu erreichen. Hussey hatte keine Chance, seinen Triebwagen rechtzeitig zu stoppen, und der Mann wurde vom Zug erfasst. Der Unfall bescherte Hussey eine vierwöchige Zwangspause, zwei Wochen war er krankgeschrieben, zwei Wochen Urlaub hängte er freiwillig dran, um danach wieder voll konzentriert seine Pflicht erfüllen zu können. Wenn Hussey die PS-starke Maschine seiner Lokomotive startet, ist von der Nervosität bei seinen früheren Fahrten nichts mehr zu spüren. „Das ist heute Routine. Im Gegensatz zu einem Fußballspiel weiß ich bei der Arbeit recht genau, was auf mich zukommt!“ Tatsächlich beklagt auch der Hobbyschiedsrichter das, was derzeit für alle Fußballplätze zu gelten scheint: „Der Ton ist unfreundlicher geworden, die Beleidigungen haben zugenommen, Zuschauer, Spieler und Trainer, alle gegeneinander und auch gegen die Schiedsrichter. Überall hat es sich durchgesetzt, den Schiedsrichtern das Leben schwer zu machen in sämtlichen Klassen und Altersstufen. Extreme Vorfälle hatte Hussey in seinem Sport noch nicht zu beklagen. Der Torwart einer Kreisklassen-Mannschaft, der nach einer Roten Karte auf ihn losgehen wollte, wurde von seinen Mannschaftskameraden aufgehalten und beruhigt. Dass der Übeltäter dann vom zuständigen Spielleiter lediglich für eine einzige Woche gesperrt wurde, ärgert Hussey immer noch, aber auf diese Entscheidung haben Schiedsrichter nun mal keinen Einfluss. Einmal im Monat muss David Anthony Hussey zur Schiedsrichter-Sitzung, wo die Fußballregeln, auch eventuelle Änderungen und der Umgang damit behandelt werden. Als Lokomotivführer muss er sich täglich mit neuen Dienstanweisungen auseinandersetzen, die über ein internes Informationssystem der Bahn weitergegeben werden. Jährlich gibt es zudem einen Tag theoretischen Unterricht und alle zwei Jahre einen Praxistest im Simulator. Beruflich möchte Hussey es irgendwann zum Ausbilder bringen oder zumindest zu einem Posten in der Leitstelle. Beim Fußball ist er auch zufrieden, wenn er nicht die ganz großen Spiele leiten darf. „Der Fußball ist für mich ein guter Ausgleich zum Beruf, ich möchte auf jeden Fall noch lange Schiedsrichter bleiben!“ Trotzdem geht ihm das ein oder andere schwierige Spiel auch mal mehrere Tage im Kopf herum. Seit Oktober 2018 ist Hussey auch gewählter Jugendleiter der Fußballabteilung des SV Wiesenthalerhof. Die Zeit zum RHEINPFALZ-Interview war für den viel beschäftigten Mann gar nicht so leicht zu finden.

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