Kaiserslautern Fuß fassen trotz Konjunktiv II

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Fühlen sich in Ramstein-Miesenbach willkommen geheißen: Das Ehepaar Sara und Mojtaba aus Iran (Mitte und rechts). Großen Anteil daran hat (links im Bild) Gabi Kassel aus Obermohr, die sich ehrenamtlich als Lotsin engagiert. Die drei haben sich über Vermittlung des Jugendbüros kennengelernt, das nicht nur in seinem Schaufenster für eine freundschaftlich-respektvolle internationale Verbandsgemeinde wirbt.

Ramstein-Miesenbach. 2160 Ausländer leben in der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach. Seit fast zwei Jahren gehören Sara und Mojtaba dazu. Das iranische Ehepaar will Fuß fassen. „Die Sprache ist das wichtigste“ , sagt Sara. Doch die Kurse sind zunehmend rar gesät – und sie stellen hohe Anforderungen.

Im Juli werden es zwei Jahre, dass Sara und Mojtaba und ihr inzwischen sieben Jahr alter Sohn aus dem Iran nach Ramstein gekommen sind. Die Gründe ihrer Flucht sind der Redaktion bekannt, der volle Name auch, doch beides will das Ehepaar nicht in der Zeitung lesen. Obwohl sie in Deutschland „Sicherheit, Freiheit und so viele nette Leute kennengelernt haben“, ganz anders, als es das in Iran gängige Image von Deutschland besage. Das Ziel der gelernten Kardiologie-Krankenschwester und des in Iran bei der Feuerwehr tätigen Technikers ist die deutsche Staatsbürgerschaft. „Das Leben kommt nicht, man muss auf die Menschen zugehen“, sagt Sara. „Und man muss immer eine Lösung suchen. Man muss wollen“.

Keine Aussicht auf Beschäftigung

Sara, 36, und Mojtaba, 39 Jahre alt, wollen Fuß fassen, Arbeit finden, auf eigenen Füßen stehen. Doch momentan besteht keine Aussicht auf Beschäftigung, obwohl das Jobcenter, das das Paar seit seiner Anerkennung vor fast genau einem Jahr betreut, zumindest Sara gute Chancen bescheinigt. Erst müssen die verpflichtenden Sprach- und Integrationskurse absolviert sein. Mojtaba hat einen Platz im Elementarkurs in Ramstein, Sara drückt jeden Morgen von 8.30 bis 13 Uhr in Landstuhl die Schulbank. Sie absolviert den zweiten, den Aufbaukurs , der fachsprachlich „B2“ genannt wird und die Voraussetzung für eine gute berufliche Perspektive bildet. Rund 600 Stunden umfasst die Sprachvermittlung, rund 60 die Vermittlung von Rechten und Pflichten in der neuen Heimat, von ihren Werten, ihrer Geschichte, ihrer Kultur. Bezahlt wird die Teilnahme vom Jobcenter. Das trägt auch die Krankenversicherung und die Miete. Fünfeinhalb Monate musste Sara auf den Platz im Aufbaukurs warten. Immer weniger Geflüchtete kommen in Deutschland an, deshalb wird es für die Anbieter von Sprachkursen wie Volkshochschulen und Caritas immer schwieriger, die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestteilnehmerzahlen zu erreichen. „Man verliert viel Zeit“, sagt Sara, die auch die Schrift lernen muss und fast nie auf hilfreiche Übersetzungen in ihrer Muttersprache Farsi zurückgreifen kann . „Aber die Sprache ist das wichtigste.“

Wenig mobile Migranten

Das Sprachkurs-Angebot sei ein strukturelles Problem der Integration und öfter Thema , erläutert Jean-Pierre Biehl. Der Bruchmühlbach-Miesauer ist Mitglied im Ausländerbeirat des Landkreises und innerhalb dessen Ansprechpartner für Migranten in der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach. „Erschwerend kommt hinzu, dass viele Migranten wenig mobil sind. Wir stehen in sehr enger Verbindung zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, aber es wird auf die finanziellen Vorgaben verwiesen.“ Will heißen: Der sprach- und Integrationskurs darf für die öffentliche Hand nicht zu teuer werden. Integration könne aber nur funktionieren, wenn „man die Möglichkeiten bietet, sich zu integrieren“, sagt Biehl. „Wir alle wissen, je länger ein Mensch rumhängt, umso schwieriger ist er zu integrieren.“ Dank der guten Nahverkehrsanbindung von Ramstein-Miesenbach ist die Mobilität kein Problem für Sara und Mojtaba. In der von den Mieteinnahmen durch die Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte geprägten Gegend war es aber schwierig, eine Wohnung zu finden. Für Flüchtlinge gilt, was für jeden für Leistungen, die landläufig „Hartz IV“ genannt werden, gilt. Das Sozialgesetzbuch regelt: Drei Personen haben Anspruch auf etwa 75 Quadratmeter für etwa 400 Euro. Vier Monate lang suchte das Paar. „Wir sind Ausländer und arbeitslos und das wollten viele Vermieter nicht, wenn es denn einmal billig war“, sagt Sara. Eine Annonce brachte kein einziges Angebot. Schließlich halfen zufällige Kontakte von Gabi Kassel. Die 69-jährige frühere Grundschullehrerin aus Obermohr engagiert sich ehrenamtlich als Integrationslotsin. Dieses Projekt hat das Jugendbüro Ramstein-Miesenbach auf dem Höhepunkt der Fluchtbewegungen ins Leben gerufen. Jugendbüro-Leiter Volker Hammel war es auch, der das Trio einander vorstellte, im August 2016, einen Monat, nachdem die junge Familie von Hermeskeil aus in Ramstein-Miesenbach angekommen war. „Der Frühling ist in Deutschland pink, gelb und grün“, sagt Sara lachend und spielt auf die gängigen Dekorationen an. Wie man Geburtstage feiert und Neujahr, welche Feste steigen und was es mit der Italienischen Nacht am Bürgerhaus auf sich hat – all das hat Kassel den Neuankömmlingen auch nahe gebracht. „Kulturelle Integration ist wichtig“, findet Kassel. „Es macht mir aber auch Spaß. Ich arbeite gern mit Menschen.“

Betreuung bei Behördengängen

Kassel stand der Familie auch bei Behördenschreiben, Arztterminen und Versicherungsangelegenheiten zur Seite. „Das war ein Glück für uns“, betonen Sara und Mojtaba. „Wir hatten hier unsere Sicherheitsatmosphäre, aber nur, weil wir betreut wurden. Für Flüchtlinge, die niemanden haben, muss es schrecklich sein. “ Zurück zur deutschen, der so „schwierigen Sprache“, wie Mojtaba findet, der eher ein Mensch der Hände und nicht so sprachbegabt wie seine Frau ist. Nicht nur, dass kaum eine Information telefonisch einzuholen ist, weil das Gegenüber am Hörer zu schnell spricht – oder, unverständlicher noch, pfälzisch redet. Mehr Praxis- und Zielgruppenbezug wünscht sich das Ehepaar, Beispiele von Formularen zur Schulanmeldung und von Schreiben des Jobcenters etwa. „Und ein Techniker muss doch nicht die Vokabeln über die Natur lernen“, sagt Sara. „Das kommt doch mit dem Lebenhier.“ Bleibt die Grammatik, Akkusativ, Dativ, Konjunktiv II, Futur II ... Ein Blick in ihr Lehrbuch, ein daumendickes, in Papier gebundenes Werk im Din-A-4-Format, verdeutlicht, was sie meint. „Das ist Gymnasialstoff “, sagt Gabi Kassel. „Das ist ein Niveau, das an den Bedürfnissen von Sprachanfängern vorbeigeht. Mit diesen Anforderungen haben selbst Muttersprachler ihre Schwierigkeiten.“ Jean-Pierre Biehl formuliert es anders: „Die Politik versucht eine maximale Lösung. Daran krankt das System.“

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