Steinbach
Fronleichnam in der protestantischen Kirche
Zum Auftakt stimmten Flötistin Christiane Meininger und Christian von Blohn an der Orgel eine Sonate von Carl Philipp Emanuel Bach an, der mehrere Jahre als Hofcembalist am Hof Friedrichs des Großen angestellt war. Das Werk ist dem empfindsamen Stil der Mannheimer Schule zuzurechnen, die zur Vorklassik gehört und den Übergang vom Barock zur Klassik markiert.
Die warmen Flötenklänge in weit gespannten Klangbögen entführten die Zuhörer an dem lauwarmen Sommerabend in die höfische Welt des 18. Jahrhunderts. Den innigen Ton des langsamen Mittelsatzes trafen die beiden Künstler mit sicherem Stilgefühl. Beschwingte Leichtigkeit und Nonchalance - auch in der Orgelbegleitung - sowie subtile Echoeffekte prägten den im schnellen Tempo Allegro gehaltenen Schlusssatz.
Kriegsherr und König als Komponist
Friedrich der Große war nicht nur ein bedeutender Herrscher der Aufklärung, Stratege und Heerführer, sondern auch Komponist und Flötenvirtuose. Seine Sonate in h-Moll präsentierte das Duo Limone mit stilvoller Gemessenheit im langsamen Anfangssatz. Das feierliche, aber schwerelose Thema harmonierte wunderbar mit den warmen Orgelklängen.
Nach und nach wandelte sich sein Charakter hin zu einem liedhaften Ausdruck, dessen Innigkeit Meiningers dezentes Spiel ebenso unterstrich wie Blohns Orgelbegleitung in warmen, gedeckten Farben. Zum authentischen Klangbild trug auch der Umstand bei, dass die um 1730 von Johann Valentin Senn erbaute Orgel, die zu den ältesten Kirchenorgeln der Pfalz zählt, nahezu originalgetreu restauriert worden ist.
Bach beim Alten Fritz
Der schnelle Mittelsatz gab Meininger Gelegenheit, neben ihrem Ausdrucksreichtum auch virtuoses spieltechnisches Können überzeugend unter Beweis zu stellen. Prägnante punktierte Rhythmen zeichnen das Thema aus, ohne hier im kontinuierlichen Fluss zum Stocken kommen; ganz nach den Maximen der barocken Fortspinnungsmotorik, in deren Tradition dieses Werk unverkennbar steht.
Auch Johann Sebastian Bach bewarb sich einmal um eine Anstellung beim Alten Fritz. „Dieser ließ ihn eine sechsstimmige Fuge improvisieren“, erzählte Christian von Blohn. „Eine Aufgabe, für die sich Bach mit der Komposition des ,Musikalischen Opfers’ in einer halsbrecherischen Flötenpartie rächte.“
Eine wenig bekannte Toccata
Blohn spielte an diesem Abend aber nicht aus dem „Musikalischen Opfer“, sondern stellte Bachs eher unbekannte Toccata in D-Dur (BWV 912) vor. Nach einem kurzen, markanten Auftakt entspann der Organist sogleich in einem sehr plastischen Spiel ein polyphones Thema, dem er eine helle Stimme entgegensetzte.
Virtuose figurierende Umspielungen umranken die beiden Themen, bevor sie sich im majestätischen Ausklang zusammenfinden. Dann traten Themenfragmente in unterschiedlichen Registern miteinander in Dialog in warmen, weich und facettenreich ausschattierten dunklen Orgelfarben.
Volkstümliches Brandenburg
In einer eigenen Bearbeitung für Flöte und Orgel an Stelle der Violine interpretierte das Duo das Brandenburgische Konzert Nr. 4 von Bach. Ein volkstümliches Thema, dessen malerischen Charakter die warmen Orgelpfeifen hervorhoben, charakterisierte das beschwingte Allegro mit seinen weitgespannten Klangbögen in gemütvollem Siciliano-Rhythmus.
Im langsamen Andante faszinierte das Zusammenspiel von Flöte und Orgel mit subtilen Echoeffekten. Im schnellen Presto begeisterte nicht nur Christiane Meininger mit ihrem halsbrecherisch schnellen Flötenthema. Auch Christian von Blohns Spiel überraschte durch eine frappierende Beweglichkeit der Orgel.