Kaiserslautern Frankreich ist Meister
Ein grauer, regnerischer Novemberabend bietet die besten Voraussetzungen, um sportliche Aktivitäten nach drinnen zu verlegen. Umso besser, wenn es sich dabei um ein E-Sport-Turnier, also einen Wettkampf an einer Konsole oder am Computer, handelt. Beim Betreten der Halle ist, wenn man nach der Geräuschkulisse geht, fast alles wie bei einem ganz normalen Fußballturnier. Laute Musik wummert aus den Boxen, zwischendurch ertönt eine Ansage aus den Lautsprechern, dass sich die Spieler einfinden sollen. Einzig laute Anfeuerungsrufe vernimmt man dafür eher weniger. Denn einen großen Unterschied zu einem „gewöhnlichen“ Hallenfußballturnier gibt es. Gespielt wird das Computerspiel „FIFA“ – und zwar an der Playstation. Insgesamt stehen sieben dieser Konsolen in der Halle. Nummer Eins ist zentral vor der Tribüne aufgebaut und die Teilnehmer spielen hier an einem sehr großen Flachbildschirm, während an den anderen sechs Konsolen eher kleine Bildschirme zur Verfügung stehen. Organisator Tobias Häßel ist zufrieden. Nach einigen Schwierigkeiten zu Beginn – es waren nicht alle angemeldeten Spieler erschienen – haben sich letzten Endes noch einige Kurzentschlossene gefunden, sodass genau 70 Spieler an den Start gehen können. „Das war die Zahl mit der wir gerechnet hatten, also ist alles gut“, sagt Häßel, als er eines der letzten Lose an einen Nachzügler vergibt, mit welchem dieser einen Platz in einer der Vorrundengruppe zugeteilt bekommt. Gespielt wird erst eine Gruppenphase, dann eine K.o.-Runde. Eine Halbzeit einer Partie dauert vier Minuten und wird unter bestimmten Vorgaben gespielt. Laut den E-Sport-Regeln darf beispielsweise nur eine bestimmte Art der comoputergestützten Abwehr ausgewählt werden. Auch die Wetterbedingungen sollen überall gleich sein – „Abends 18 Uhr, heiteres Wetter“. Das stellen die Spieler aber selbst ein. Einen Schiedsrichter, der permanent an der Konsole steht, gibt es nicht. Marcel Krupka, der an der TU studiert, ist mit zwei Freunden ins Turnier gegangen. „Wir spielen sonntags immer in der Weekendleague“, erklärt er. Diese Liga steht in dem Spiel online zur Verfügung und man kann gegen Spieler aus aller Welt antreten. „Jetzt wollen wir hier mal sehen, was möglich ist. Wir dachten, dass wir zwei Drittel der Spiele gewinnen könnten“, fährt er lachend fort. Allerdings wisse er gar nichts über die Konkurrenz und ist nun gespannt, wie die Spiele verlaufen werden. Für Krupka ist E-Sport „vielleicht kein Sport im eigentlichen Sinn, aber ein Wettkampf ist es schon. Und es gibt ja auch klare Unterschiede, wenn du das professionell machst oder nur als Hobby“, sagt er. Während er es nicht all zu ernst nehmen will, gehen andere professionell zur Sache. Mancher versucht sich mit Kopfhörern auf den Ohren von seiner Umgebung abzuschotten. Andere regen sich über eigene Fehler auf – Parallelen zum Geschehen auf einem Fußballfeld werden deutlich. Auch unter den Zuschauern werden Gemeinsamkeiten zur klassischen Fußballtribüne hörbar: „Guck mal, der mit Frankreich wechselt viel zu oft seine Spieler“, raunt ein Zuschauer einem anderen zu. Währenddessen gibt es an Konsole Eins ganz andere Probleme. Hier spielt Paris Saint Germain gegen Borussia Dortmund. Es steht 1:0 für Paris, da fällt PSG-Keeper Gianluigi Buffon den Dortmunder Marco Reus im Strafraum. Es gibt Rot für den Torwart und Elfmeter für die Borussia. Prompt schlägt der Ball zum 1:1 ein. Im Gegenzug fallen aber direkt die Treffer zum 2:1 und 3:1 für das französische Spitzenteam, das sich unter den Teilnehmern großer Beliebtheit erfreut. Das Spiel endet unter dem zustimmenden Beifall der PSG-Fans 3:1. Es gibt zum Abschluss ein Abklatschen der Spieler und die nächste Partie beginnt. Am Ende des Turnierabends in der Sporthalle der TU setzt sich Aaron Stöckle im Finale gegen Mikko Meier durch und gewinnt die vierte Auflage des Unisport-FIFA-Turniers. Stöckle hatte Frankreich als Mannschaft ausgewählt, der zweitplatzierte Meier Juventus Turin. Dritter wurde Ibrahim Gök, der ebenfalls mit der französischen Nationalmannschaft ins Rennen ging. Häßel zeigt sich insgesamt zufrieden mit der vierten Auflage. „Es war ein munteres Turnier in lockerer Atmosphäre“, zieht er sein Fazit.