Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Früherer Pfalztheater-Chef Blum wird 100 Jahre alt

Vital wie eh und je: Wolfgang Blum heute, fotografiert von seiner in Saarbrücken lebenden Tocher Martina Krawulsky.
Vital wie eh und je: Wolfgang Blum heute, fotografiert von seiner in Saarbrücken lebenden Tocher Martina Krawulsky.

17 Jahre lang stand das Pfalztheater Kaiserslautern unter Leitung von Intendant Wolfgang Blum. Das ist in der 160-jährigen Geschichte des Hauses die längste Amtszeit eines Direktors. In der Rückschau hat er „nur schöne und sehr gute Erinnerungen an diese Station“. Am Sonntag begeht der im Rheinland lebende Theater-Tausendsassa seinen 100. Geburtstag.

Mit seiner vier Jahre jüngeren Frau Annemie, einer ehemaligen Bühnen- und Kostümbildnerin, lebt Blum heute in einem Seniorenstift im Rhein-Erft-Kreis (Nordrhein-Westfalen). Das seit 1953 verheiratete Paar hat drei erwachsene Töchter, in der vorvergangenen Woche kam der dritte Urenkel zur Welt. Das Autofahren hat Wolfgang Blum erst vor Kurzem aufgegeben. Es geht ihm gut, „ich lebe und lache gern“, sagt er.

Ein Rat von Gustav Gründgens

Trotz seiner erfolgreichen, für sein Publikum bis heute denkwürdigen Tätigkeit als Lauterer Intendant sieht er sich „in erster Linie als Regisseur“. Der gebürtige Kölner studierte nach der Kriegsgefangenschaft zunächst Theaterwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte in seiner Heimatstadt. An den Städtischen Bühnen sammelt er erste Erfahrungen bei Herbert Maisch, später in Düsseldorf bei Gustaf Gründgens.

Dessen Rat lautete: „Ein Maler arbeitet mit Farbe und Pinsel, ein Steinmetz mit Meißel und Hammer. Denken Sie immer daran: Sie arbeiten mit dem kostbarsten Material – dem Menschen.“ Dieser Verantwortung hat sich Blum gestellt. Das Wohlbefinden aller Kollegen auf, vor und hinter der Bühne lag ihm am Herzen.

Vom Neckar an die Lauter: Zu Beginn der Spielzeit 1921/72 übernahm der gebürtige Kölner die Leitung des Pfalztheaters.
Vom Neckar an die Lauter: Zu Beginn der Spielzeit 1921/72 übernahm der gebürtige Kölner die Leitung des Pfalztheaters.

Über Kiel und Nürnberg sowie diverse Gastengagements kam er nach fünf Jahren in Wiesbaden 1968 als Oberspielleiter ans Nationaltheater Mannheim. Dort profilierte er sich mit der Inszenierung moderner Opern (von Egk, Henze oder Klebe) ebenso wie im klassischen Repertoire. Seine Version von Puccinis „Madama Butterfly“ kam als Reprise erst vor wenigen Jahren noch einmal auf die Bühne.

Schließlich übernahm Wolfgang Blum zur Spielzeit 1971/72 den frei gewordenen Intendantenposten in Kaiserslautern; ein neues Leitungsteam brachte er nicht mit. Seine Amtszeit war nicht nur ungewöhnlich lang, sondern bescherte ihm unter allen Mitarbeiter(inne)n eine freundschaftliche Verehrung, die bis heute nachwirkt. Als „rheinischer Humanismus“ ist dieser sanfte, aber sehr wohl durchdachte Führungsstil sprichwörtlich geworden.

Regisseur Blum (sitzend) mit dem Sänger Walter Groh bei Proben zur Oper „Hoffmanns Erzählungen“, die am 20. September 1980 am Pf
Regisseur Blum (sitzend) mit dem Sänger Walter Groh bei Proben zur Oper »Hoffmanns Erzählungen«, die am 20. September 1980 am Pfalztheater Kaiserslauern Premiere hatte.

Ganz zu schweigen vom Publikumszuspruch. Gab doch Blum dem Haus am Fackelrondell ein gänzlich neues Profil als Spielstätte glänzend, zuweilen prominent besetzter Musicals. Broadway-Erfolge wie „Der goldene Regenbogen“, „Anything goes“ und „Girl Crazy“ erlebten an der Lauter ihre Deutschland-Premiere. Bernsteins „On the Town“ war europaweit erstmals in der Pfalz sehen. Um die Aufführungsrechte für die „West Side Story“ zu bekommen, fuhr er eigens zu Verhandlungen mit dem Komponisten nach Wien.

„Theater spielen ohne Publikum ist Quatsch“, weiß Wolfgang Blum. Er strebte ein breites Programmangebot an – und die Mischung aus Moderne, Klassikern und massenwirksamer Operetten-Herrlichkeit ging fast immer auf. Dennoch scheute er Kontroversen um die „Skandal“-Stücke junger Autoren wie Kroetz, Sperr, Kipphardt, Strauss, Handke oder Heiner Müller nicht. Auch als Entdecker und Förderer von Nachwuchs-Talenten im Sprech- und Musiktheater bewies er ein glückliches Händchen.

In Kaiserslautern selbst 42 Mal Regie geführt

Bei immerhin 42 der über 400 Bühnenwerke, die während seiner Lauterer Intendantenzeit aufgeführt wurden, führte Blum selbst Regie. Opernfreunden sind vor allem seine Mozart-, Verdi- und Offenbach-Inszenierungen im Gedächtnis geblieben, doch er verstand sich ebenso auf Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos“, Janáceks „Jenufa“ und Humperdincks „Hänsel und Gretel“. Sein Interesse am Sprechtheater blieb ungebrochen.

Die überaus erfreulichen Besucherzahlen gestatteten eine kontinuierliche Erweiterung des künstlerischen Personals. Bei Durchsicht der alten Spielpläne fällt Blums so häufige wie glückliche Zusammenarbeit mit Generalmusikdirektor Wilfried Emmert auf, mit Bühnenbildner Wolfgang Hardt und Kostüm-Designerin Annette Heraeus, nicht zu vergessen sein umtriebiger Disponent Fritz Krauß.

Schon dieses Team diskutierte angesichts der Raumprobleme im Theatergebäude über einen Neubau. Mitstreiter fanden sie im damaligen Oberbürgermeister Theo Vondano (CDU) und dem SPD-Kulturdezernenten Baltfried Barthel. Grünes Licht für dieses Millionenprojekt gab es jedoch nach Blums Abschied von Kaiserslautern im Jahr 1988.

„Kaiserslautern liegt mir nach wie vor am Herzen“

Eigentlich wollte er sich danach zur Ruhe setzen. Doch nach der Übersiedlung in seine Heimatstadt Köln übernahm er einen Lehrauftrag an der dortigen Musikhochschule. Als Gastregisseur, zur Einweihung des neuen Theaters anno 1995 und anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Spittelmüller-Preis des Fördervereins „Freunde des Pfalztheaters“ kam er immer wieder nach Kaiserslautern zurück.

Bis heute pflegt er Verbindungen zur alten Wirkungsstätte und ihrem „wunderbaren Publikum“, dem er „immer eine qualitätsvolle Arbeit“ bieten wollte. „Die Pfälzer“, so sagt er, „sind ein gutes, liebes, festes und treues Publikum. Kaiserslautern liegt mir nach wie vor am Herzen.“

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