Kaiserslautern Früh übt sich, was ein Demokrat werden will

Bringen sich ein: Bei den Sitzungen des Kinderparlaments machen sich die Vorschulkinder der Kita Gedanken über verschiedene Them
Bringen sich ein: Bei den Sitzungen des Kinderparlaments machen sich die Vorschulkinder der Kita Gedanken über verschiedene Themen. Die Erzieherinnen Lisa Kurz (vorne) und Sabine Huber (hinten stehend) nehmen die Anregungen und Ideen der Kinder auf.

Ganz offiziell bei wichtigen Entscheidungen mitreden, das dürfen die Vorschulkinder der Kindertagesstätte Pinocchio in Ramstein. Denn seit 2017 gibt es in der kommunalen Einrichtung ein Kinderparlament.

„Mir gefällt das alles zusammen, aber ich finde nicht gut, dass die Kleinen nicht so gut runterkommen“, sagt Johanna und Kira gibt zu bedenken: „Wenn so viele auf der Hängebrücke sind, wackelt sie so sehr.“ Alexander ist begeistert von dem Turm: „Da kann man so weit auf den Spielplatz gucken.“ Es gibt viel zu sagen und zu bereden über das Spielgerüst der kommunalen Kindertagesstätte Pinocchio (Kita) in Ramstein, das in den Osterferien um einen Tunnel und eine Hängebrücke erweitert wurde. Nach den ersten Eindrücken ist es Zeit, dass das Kinderparlament dazu tagt. 29 Vorschulkinder, darunter ein dreiköpfiger Vorstand, gehören dem Kinderparlament der Kita an. Die kommunale Einrichtung in Ramstein hat diese Vertretung im vergangenen Jahr eingeführt, um nicht nur Eltern und Erziehern eine Stimme zu geben, sondern eben auch denjenigen, um die es geht. Heute kommen die jungen Delegierten zum neunten Mal zusammen – und sie haben Gesprächsbedarf über das aufgerüstete Klettergerüst auf ihrem Spielplatz, das von Stadt und Förderverein finanziert wurde. Die Parlamentarier sitzen im Kreis. Auf der einen Seite steht Erzieherin Sabine Huber mit einem Stift in der Hand bei einer Tafel, auf der drei Spalten eingezeichnet sind: Ein lachender und ein trauriger Smiley und ein dreieckiges „Achtung!“-Schild sind zu sehen. Ihr gegenüber sitzt ihre Kollegin Lisa Kurz, die die Sitzung moderiert. An Wortmeldungen fehlt es nicht, die Finger gehen ständig hoch. Es wird unterschieden, was gut und was schlecht ist und ob eine Regel aufgestellt werden soll. Zum Beispiel, dass die großen auf die kleineren Kinder Rücksicht nehmen oder im Tunnel nicht geschubst werden darf. Die Kinder bringen ihre Gedanken vor, die Erzieherinnen greifen sie auf, fragen nach und fassen schließlich zusammen. Sogar Wünsche, wie ein Bett im Turm, ein Fernglas, eine Klappe und eine Rutschstange werden aufgeschrieben. Nach etwa 30 Minuten ist die Sitzung beendet. Genauso wie zu Beginn wird ein Lied gesungen. Wie der Gedanke für das Kinderparlament aufgekommen ist, erläutert Einrichtungsleiterin Inna Wallner: „Wir arbeiten ständig an der Qualität unserer Arbeit und als wir 2017 ein Beschwerdemanagement zunächst für die Eltern, dann für die Erzieher eingeführt haben, haben wir festgestellt, dass so etwas für die Kinder fehlt.“ Auf den Vorschlag von Sabine Huber hin wurde dann im Herbst das Kinderparlament eingeführt und auch ein Beschwerdebriefkasten im Eingangsbereich aufgehängt. Seitdem haben neun Sitzungen stattgefunden. Themen waren Kinderrechte, Mitbestimmung, Meinungsfreiheit oder das Recht auf Unversehrtheit und Schutz. Weil die Stadt plant, einen Spielplatz neu zu gestalten, wurde im März eine Delegation der Parlamentarier ins Rathaus entsandt. Sie übergaben an Stadtbürgermeister Ralf Hechler Zeichnungen mit Gestaltungswünschen, wie der Spielplatz ihrer Meinung nach aussehen sollte. Dabei wurden auch der Sitzungssaal und das Büro des Stadtoberhauptes besichtigt und Hechler selbst stellte sich einer Fragerunde. „Wir möchten, dass die Kinder ein Verständnis für Demokratie entwickeln, dass sie sich als selbstwirksamen Teil der Gemeinschaft erleben, dass sie Freiheit und Grenzen kennenlernen und auch Verantwortung übernehmen“, umschreibt Huber die Zielsetzung.

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