Kaiserslautern „Fröhliche und offene Art zu tanzen“
Altes neu zu entdecken liegt im Trend, das ist auch beim Tanzen zu beobachten. So feiert der Swing seit Jahren in Deutschland ein Comeback – auch in Kaiserslautern. Zu verdanken hat er das in der Barbarossastadt Julia Jackson, die regelmäßig Tanzsalons ausrichtet. Unsere Mitarbeiterin Sarah Angne hat sich mit ihr über den Tanz vergangener Zeiten und den Vorteil des Alleine-tanzen-Könnens unterhalten.
Ich tanze schon sehr lange und war früher einmal Standard-Turniertänzerin. Den Lindy Hop habe ich etwa 2000 entdeckt. Es ist die fröhliche und offene Art zu tanzen, die mir gefällt. Swing macht gute Laune. Jetzt gibt es schon einen Unterschied zwischen Standard-Tanz und dem Lindy Hop. Was begeistert Sie an Letzterem? Es ist die ganze Tanzart. Im Gesellschaftstanz ist man stärker festgelegt. Der Lindy Hop – und Swing allgemein – ist ein freies Baukastensystem. Es beinhaltet Elemente der 20er und 30er Jahre, wie den Charleston und die Jazzchoreografien des Broadway. In den 50er Jahren entstanden dann Jive und Rock’n’Roll. Wenn man genau hinschaut, sieht man den Bounce, eine Körperbewegung, die den schwingenden Puls der Jazzmusik aufnimmt und im Paar weiterkommuniziert. Kreisende Bewegungen wechseln sich mit offenen Elementen ab, es gibt immer viel Raum zum Improvisieren für beide Partner. Wie hat der Swingtanz seinen Weg nach Kaiserslautern gefunden? Die Szene ist weit verbreitet – von New York bis Europa. Schweden ist ganz vorne mit dabei. Ein Revival erlebt der Swing seit den 80er Jahren. Fans haben Kontakt zu den Originaltänzern von früher aufgenommen. Vor allem in Großstädten gibt es Tanztees, Swingsalons und freie Tanzabende – nur in unmittelbarer Nähe gab es nichts. Das haben wir geändert. Wir wollen den Swing nicht nur hören, sondern erlebbar machen, wie beim Lauterer Jazzfest „Swinging Lautern“. Seit einigen Jahren gibt es eine Übungsgruppe in Kaiserslautern. Wie kann man sich so einen Tanzabend vorstellen? Man nenn das Social Dance – eine offene Veranstaltung, bei der jeder auf seinem Kenntnisstand frei üben kann. Es gibt eine Einführung für etwa eine Stunde, danach können die Gäste frei tanzen. Zwischen zehn und 20 Tänzer treffen sich einmal im Monat beim Swing Social. Swing ist ein sehr geselliger Tanz, den man zu zweit oder in der Gruppe – aber auch alleine – tanzen kann. Also eine gute Gelegenheit auch ohne den tanzmuffeligen Partner zu tanzen? Ja, unbedingt. Dadurch, dass man eben alleine tanzen kann, braucht es auch nicht unbedingt einen festen Tanzpartner. Üblicherweise werden die Tanzpartner am Abend auch durchgewechselt und jeder kann auffordern, sodass Anfänger mit geübteren Tänzern in Kontakt kommen und die Leute schneller ins Gespräch kommen. Das macht diese Tanzszene besonders offen und herzlich. Man unterscheidet auch zwischen Leader und Follower, die Rolle ist dabei nicht grundsätzlich auf Herr und Dame festgelegt. Es gibt immer wieder Elemente die gleich sind – oder eben spiegelverkehrt. Sonst stoßen die Tänzer ja mit den Füßen aneinander. (lacht) Und wie sieht es mit den Anfängern aus? Neulinge können in der Schnupperstunde am Anfang den Rhythmus und ein paar Grundelemente ausprobieren und Tänzer kennenlernen. Um Lindy Hop und Rockabilly zu erlernen, gibt es für sie begleitende Workshops und Kurse von Anfänger- bis zum mittleren Niveau, parallel zu den Tanzsalons. Diese bietet Sophia Weishaar über die Volkshochschule Kaiserslautern wiederkehrend an. Termine —Der nächste Swingtanz-Salon „Kotten-Hop“ findet am Samstag, 10. Juni, ab 19 Uhr in der Stadtteilwerkstatt Innenstadt West in der Pfaffstraße 3 statt. —Die nächsten VHS-Workshops für Lindy Hop für Fortgeschrittene und Rockabilly Part 2 leitet Sophia Weishaar am Sonntag, 11. Juni. Lindy-Hop-Freunde sind von 10 bis 12.30 Uhr dran, Rockabilly gibt es von 13.30 bis 16 Uhr. —Weitere Informationen finden sich im Internet unter www.lautern-swingt.de.