Kulturzentrum Kammgarn
Folk im Kulturgarten mit Mrs Greenbird
An dem lauen Sommerabend waren 150 Besucher in den Kulturgarten gekommen und warteten gespannt auf „ihre“ Stars aus Köln. „Take me away to a silent place“ sangen die beiden Musiker zu Beginn in ihrem Hit „Dark Horses“ zu einer langsamen, ruhigen Folkweise und sorgten damit gleich zu Beginn für eine entspannte Atmosphäre.
„Wir sind schon zum vierten Mal hier, das ist fast wie ein Klassentreffen“, begrüßte Brückner das Publikum im Kulturgarten im Plauderton und schlug für das nächste Gastspiel ein Waldkonzert vor. „Jetzt versuchen wir eine Reise ins Gestern, um uns die Frage zu stellen: ,War früher alles besser?’“, stellte er ganz locker den nächsten Song vor. „Unsere Nachbarn Ingrid und Hartmut diskutierten immer wieder erregt darüber und meinten: ,1965, da war die Welt noch in Ordnung!’ Wir sind uns darüber nicht einig geworden, aber es ist ein Lied daraus entstanden: 1965.“ In den Refrain fielen die Besucher zart-verhalten ein.
Anklänge an Schlagerhits
„Jetzt kommen wir zum Kaffeetrinken“, meinte Brückner danach. „Unser Song ,Insomniac’ ist ein Liebeslied über Kaffee oder ein Kaffeelied über die Liebe.“ Prägnant stockende Rhythmen mit Anklängen an Schlagerhits wie „Weiße Rosen aus Athen“ oder „Griechischer Wein“ leiteten über zu Sarah Nückens Gesang. Ihre helle, klare Stimme erhob sich schlank und geradlinig geführt über die markant abgesetzten Gitarrenakkorde von Steffen Brückner und Hartmut Frost.
Der Song „Let me borrow your shoes“ aus dem Jahr 2019 dreht sich darum, Menschen, die man nicht kennt, vorurteilsfrei zu begegnen. „Das ist eine Superpower, die wir wohl alle gerne hätten“, sagte Brückner. „Es wäre toll, wenn man das bisherige Leben einer Person dazu sehen könnte, um zu erfassen, was ihn oder sie zu dem gemacht hat, was er oder sie jetzt gerade ist.“ Dieses Gefühl, in den Schuhen einer anderen Person zu stehen, lassen die beiden Musiker sehr direkt und unmittelbar in ihrem Song lebendig werden.
Postkarten und Liebeslieder
Der Song „Postcards“ stammt aus der Zeit, die das Duo im traditionsreichen US-amerikanischen Nashville in Tennessee verbracht hat. „Aber eines haben wir damals vergessen: Postkarten zu scheiben“, erinnerte sich Brückner. „Heute spielen wir den Song für all die lieben Menschen, die ihr jetzt gern bei euch hättet.“ In der ruhigen Ballade im Country-Stil machte das Publikum als Chor beim Refrain mit.
Der Song „Learn how to love you“ war ein Nicht-Liebeslied, wie Nücken mit einem Augenzwinkern ausführte. „Wir haben darüber geschrieben, wie schwer und doch schön es sein kann, langfristig verliebt zu bleiben.“ Im Refrain hob Nücken mit ihrer glasklaren Stimme das Wichtigste hervor: „Love is touching, love is changing.“
Ode an die Nacht
Ein Lied für Nachteulen ist „Midnight Rose“. „Wir sind ausgeprägte Nachtmenschen, wir schlafen gerne, wenn’s hell ist“, meinte Brückner lakonisch. „Aber seit der Geburt unserer Tochter mussten wir uns umstellen, es gibt keine Nacht-Kita. Unsere Ode an die Nacht spielen wir jetzt schon, wenn es noch hell ist, weil wir so früh ins Bett müssen.“
Die bewegte Melodie entfaltete sich lebhaft über einem pulsierenden Beat, die Stimmen der beiden Sänger blühten voll auf und nahmen einen immer inniger werdenden Ausdruck an.
Stimmungsvolle Balladen
Das Zusammenleben hat aber nicht nur rosige Seiten, das wissen auch die Künstler von Mrs. Greenbird, und haben einen Song dazu geschrieben, den sie dem 2020 verstorbenen Countrysänger John Prine gewidmet haben. „Wenn ihr manchmal euren Partner auf den Mond schießen wollt und das dann doch nicht tut, weil ihr merkt, dass ihr doch zusammen gehört, dann ist ,In Spite Of Ourselves’ genau euer Ding“, kommentierte Brückner. In der stimmungsvollen Ballade nahmen er und Nücken abwechselnd die Eigenschaften des Partners unter die Lupe.
Eine Hommage an den Sommer war „One Day in June“. Und einem Eichhörnchen, das in ihren Garten eingezogen ist, brachte das Duo aus Köln mit „Goold Ole Ricky“ ein Ständchen.
Das letzte Konzert des Duos, bevor Nücken in den Mutterschutz geht, ließen die Künstler mit ihren Hits „Dark Waters“, „How much is the Fish“ und „Creep“ unter lang anhaltendem Applaus ausklingen.