Kammgarn Kaiserslautern
Fiddler’s Green begeistern ein proppenvolles Kasino
35 Jahre im Geschäft und kein bisschen müde. Ganz im Gegenteil: Die inzwischen nicht mehr ganz so jungen Jungs des erfolgreichen Erlanger Sextetts Fiddler´s Green – auch, wenn nicht alle ganz von Anfang an dabei waren – spielten am Freitagabend im brechend vollen Kasino des Kaiserslauterer Kulturzentrums Kammgarn ein Jubiläumskonzert, in dem sie so frisch und energiegeladen wirkten wie in der Anfangszeit der Band.
Schon die Vorgruppe ließ erahnen, dass es an diesem Abend ordentlich rund gehen würde. Die noch junge Folkrock-Band Wüstenberg um den gleichwohl anderweitig musikalisch schon ziemlich erfahrenen Frontmann gleichen Namens preschte mit ihren Titeln voll und mitten hinein in die erwartungsvolle Menge. Es dauerte nicht lange, und der berühmte Funke sprang durch Stücke wie das sich ohrwurmmäßig entfaltende „The King’s Gambit“ über. Der Boden war bereitet für einen atmosphärisch brennenden, nachfolgenden Auftritt.
Elegant passend gemacht
Der hatte es denn tatsächlich in sich. Es war kaum möglich, sich solch mitreißenden Songs wie „Botany Bay“ oder „The Bog“ zu entziehen – warum auch? Das ausgelassene Publikum, zum Teil mit passenden Kleidungsaccessoires „folkmäßig“ ausgestattet, ließ sich nur allzu gerne vom „Speedmetal“ genannten Fiddler’s Green-Stil berühren und mitziehen.
Für Abwechslung im Repertoire sorgten neben den reinen Eigenkompositionen im Bereich zwischen Folk und Rock (und etlichen stilistischen Nebenlinien) auch frische Aufbereitungen von Klassikern wie das in der satten Zugabe gegebene „The Wild Rover“ oder ein netter Mix aus „El Condor Pasa“ und „Bella Ciao“ im entsprechenden Stil – was nicht passt, wird elegant passend gemacht. Darauf muss man erstmal kommen, und das muss man dann auch erstmal können. Fiddler’s Green kann beides. Und das beeindruckend gut.
Ab in die Kneipe
Aber nicht nur die Musik an sich mit den zahlreichen, zum Teil nicht ganz alltäglichen Instrumenten (darunter sogar ein kleines Metall-Fass), auch die erweiterte Bühnenshow spielt bei Ralf Albers, Pat Prziwara, Tobias Heindl, Stefan Klug, Rainer Schulz und Frank Jooss eine wichtige Rolle. Da wurde in der Kammgarn auch schonmal eben das Bühnenbild gewechselt, worauf man sich in einer urigen irischen Kneipe befand. Es wurde an der nun aufgestellten Theke eine Art folkrock-mäßig aufbereiteter „Cup Song“ inklusive des geradezu akrobatischen Auffangens der dazu verwendeten Becher aufgeführt. Und es wurden trotz der Enge im Saal bereitwillig durchgezogene, rasche Seitenwechsel im Publikum veranlasst. Irgendwann flogen von der Decke dann noch zur Gaudi der Fans bunte Riesenballons herab. Alles in allem an diesem langen Abend: Musik und Show, gute Qualität und noch bessere Unterhaltung. So geht das.