Kaiserslautern Fernöstliche Lack-Kunst fasziniert nicht nur Erwachsene
Eine Reise durch das Land der aufgehenden Sonne erlebten kleine und große Besucher am Samstag beim japanischen Kinderfest „Matsuri“ im Museum Pfalzgalerie. Die Besucher erwarteten prachtvolle Skulpturen des japanischen Künstlers Nobuyuki Tanaka sowie etliche Aktivitäten in den Ateliers – von japanischen Drachen-Masken basteln über Papierblumen falten bis zum Erlernen der traditionellen japanischen Kalligraphie.
„Konitschiwa“, begrüßte Sabrina Wilkin, Volontärin für Museumspädagogik, und Andrea Löschnig, Museumspädagogin der Pfalzgalerie, die kleinen neugierigen Besucher bei der Führung durch die Skulpturen-Ausstellung von Nobuyuki Tanaka. „Urformen“ heißt die Ausstellung zu deutsch und ist die erste Einzelausstellung des japanischen Künstlers in ganz Europa (wir berichteten mehrfach). Für die Kinder boten die Kunstwerke Anlass zum Staunen, Fantasieren und Fragen stellen. „Ist das aus Glas?“, fragte eine junge Besucherin. Fast. Optisch könnte man das beinahe annehmen, bei den filigran gewellten Skulpturen und den glänzend polierten Oberflächen. Tatsächlich bestehen die Kunstwerke des 1959 in Tokio geborenen Künstlers aus natürlichem Lack vom asiatischen Lackbaum. Ein Lack, der so hart ist, dass er kaum zerbricht und deshalb im alten Japan häufig für Geschirr und andere Nutzgegenstände verwendet wurde – in Deutschland ist er sehr selten. So erinnern die abstrakt gewellten, geschwungenen und abgerundeten Skulpturen in roten und schwarzen Farben an fließendes Wasser. In einem der Ausstellungsräume konnten die Kinder auf einem Video mitverfolgen, wie der Künstler seine Werke produziert hat, und kamen teilweise aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Da musste Ausstellungsführerin Sabrina Wilkin schon alle Kraft einsetzen, um die Aufmerksamkeit der Kleinen zurückzugewinnen. Aber nach knapp 20 Minuten war die Führung auch schon vorbei und die Kinder konnten endlich praktisch in die fremde Schönheit des fernen Japans eintauchen: Während im oberen Stockwerk traditionelle Dämonen-Masken, Koi-Nobori (Fisch-Windspiel) und Kirschblüten aus Papier gebastelt wurden, hingen im Foyer die ersten ihrer Wünsche an den „Wunsch-Bambus“. Von einem eigenen Pferd bis hin zu dem Wunsch, mit den eigenen Freunden niemals zu streiten, war an Wünschen alles dabei. Wer danach „wunschlos glücklich“ war, traute sich in die traditionellen Gewänder eines japanischen Matsuri (zu deutsch: Fest), die sogenannten Yukata, zu schlüpfen und für ein Foto zu posieren. So wie Sabine Franchi mit ihrer zehnjährigen Tochter Dana. Das Mutter-Tochter-Gespann probierte sich gleich durch mehrere verschiedene Yukata und hatte sichtlich Spaß beim Verkleiden. Der Spaß ging im zweiten Obergeschoss weiter. An den Bastel-Tischen wurde es langsam bunt. Bei der kaiserlichen Collage wurde Japans Kaiserpaar festlich eingekleidet. Mit Stoffen, Scheren und Stiften kredenzten die Kleinen dem Kaiserpaar neue und so manch ausgefallene Roben für den Festtag – immer unter dem mehr oder weniger wachsamen Blick der Eltern, die sich selbst an der Kunst der japanischen Kalligraphie versuchen konnten. Mit schwarzen Tuschestiften wurde die „Schönschrift“ geübt und dazu ein Bild gezeichnet – dabei kam es auf jeden Schwung, jeden Strich und jede Linie an, denn in der japanischen Kultur hat alles eine eigene Bedeutung. Aus jeder Ecke des Museums sprudelte am Samstag die altehrwürdige japanische Kunst in all ihren Formen, Farben und ihrer Schönheit. Jede Aktion und Tradition wurde durch kleine Informations-Tafeln erklärt. Und am Ende schien einem die fernöstliche Kultur gar nicht mehr so fremd ...