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FCK-Kolumne Betze-Geflüster: Ein Urgestein im Dauereinsatz
Er ist ein Urgestein des 1. FC Kaiserslautern, hat vieles erlebt – eine solche Situation ist aber auch für Wolfgang „Wolle“ Wittich neu: Nicht nur die Fußballer des Drittligisten sind in dieser Phase der zahlreichen englischen Wochen stark beansprucht, auch das Team um die Mannschaft. Der 63-Jährige ist froh, dass er mit Peter Miethe Unterstützung an seiner Seite hat. Es ist natürlich nicht so, dass für den Zeugwart englische Wochen neu sind – vor rund 20 Jahren gab es zu Zeiten, als der FCK noch in der Champions League spielte, auch mehrere in relativ kurzer Zeit. „Ich frage mich aber manchmal schon, wie ich das damals alleine gestemmt habe“, sagt Wittich – und schiebt nach: „Da war ich aber auch noch 20 Jahre jünger, es war Erste Liga, international, das war sicherlich auch vom Kopf her anders.“
Wenn in einer Woche die Drittliga-Saison beendet ist, freut sich der Zeugwart erst einmal auf seinen Urlaub. „Den haben wir uns auch redlich verdient.“ Seit Wochen ist das Team zusammen – ob im Quarantäne-Trainingslager oder unterwegs zu den Spielen. Corona-Tests sind für den 63-Jährigen, der seit 1991 beim 1. FC Kaiserslautern tätig ist, nichts Besonderes mehr: „Ich komme mir schon vor, als ob ich die Welt retten könnte, bin der Immunträger schlechthin“, scherzt Wittich.
Kritik an Geisterspielen
Wird dann aber auch relativ schnell wieder ernst: Denn mit den Geisterspielen kann der 63-Jährige nichts anfangen, wie er sagt. Die Mannschaften in der Dritten Liga durch ein solches Programm zu peitschen, sei mehr als grenzwertig. Für den Zeugwart werden vor allen Dingen aber auch die Menschen rund um die Mannschaft vergessen. Diejenigen, die nun ebenfalls unter voller Belastung arbeiten müssen – aber auch diejenigen, die derzeit nicht arbeiten können. Als Beispiel nennt er die Kioskbetreiber im Stadion. Wichtige Einnahmen, die diesen Menschen fehlen.
Auch am Samstag, wenn die Roten Teufel den FC Viktoria Köln zum Duell der Tabellennachbarn empfangen. Der Zeugwart freut sich auf ein Wiedersehen mit Angreifer Albert Bunjaku, der von 2012 bis 2014 die Fußballschuhe für den FCK schnürte. Wittichs Arbeitstag wird bereits um 8 Uhr beginnen und zirka 90 Minuten nach Abpfiff enden. „Wenn man in einem solchen Beruf mit jungen Menschen zusammenarbeiten kann, hält einen das auch jung“, sagt er.
Über den Nachwuchs zu den Profis
Und trotzdem: Bis 80 wolle und könne er eine solche Funktion nicht ausüben. Da ist die Familie, ist sein Enkel in Meisenheim und auch sein Sohn Patrick, der selbst beim FCK aktiv war, den er nun im Urlaub besuchen möchte. Zeit zum Abschalten.
Während der coronabedingten Zwangspause, gibt der Zeugwart zu, habe er samstags die Bundesliga nicht vermisst. „Eher den Amateurfußball oder ein Jugendspiel.“ Beim Nachwuchs ging seine Zeit bei den Roten Teufel auch los, über die Amateure schließlich 1998 zu den Profis. „Wolle“ Wittich hat viel erlebt, hat viele kommen und gehen sehen. Schöne Zeiten, bittere Zeiten. Auch den einen oder anderen Spieler, der sich kräftig vom Zeugwart bedienen lassen wollte. In solchen Fällen gibt es von Wittich schon mal ein paar deutliche Worte.
„Typische Schwiegersöhne“
Bei der aktuellen Mannschaft seien diese jedoch nur selten nötig: „Die Jungs sind alle pflegeleicht, typische Schwiegersöhne“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Wenn sie am Samstag gegen Viktoria Köln auflaufen, wird der Zeugwart von außen natürlich mitfiebern, hoffen, dass alles klappt und dass sein FCK drei Punkte einfährt. Auf ihren „Wolle“ und Peter Miethe jedenfalls können sich die Spieler verlassen. Auch wenn wie zu Corona-Zeiten statt einer dann zwei Kabinen vorbereitet werden müssen ...
