Kaiserslautern Fachkräftemangel in der Westpfalz: Die Babyboomer gehen in Rente
Rund ein Viertel der Arbeitnehmer in der Westpfalz sind 55 Jahre und älter. Das geht aus der Statistik der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens hervor. Die Zahl schwankt ein wenig, wenn man die einzelnen Gebietskörperschaften betrachtet, also den Blick auf die kreisfreien Städte Kaiserslautern, Pirmasens und Zweibrücken sowie auf die Landkreise Kaiserslautern, Südwestpfalz und Kusel sowie den Donnersbergkreis richtet.
Die Entwicklung überrascht den Leiter der Agentur für Arbeit, Peter Weißler, nicht. Sie sei seit Jahren absehbar, dennoch werden die Verantwortlichen nicht müde, auf das Problem hinzuweisen. „Die Dynamik nimmt zu“, hat Weißler beobachtet. Zu den Fakten der Arbeitsmarktstatistik geselle sich ein Bauchgefühl. „Viele Geschäfte suchen mit Aushängen Arbeitskräfte, auch die Stellenanzeigen in den Zeitungen sind voll.“
Ausbildung nur ein Baustein
Mit der Ausbildung von Nachwuchs allein wird die Lücke an Fachkräften, die in den kommenden Jahren aufzuklaffen droht, nicht zu stopfen sein. Zumal es einige Jahre dauert – drei Jahre Ausbildung, anschließend Weiterbildungen und Berufserfahrung – bis ein Berufsanfänger ausgebildet und in der Lage ist, einen Kollegen, der möglicherweise Jahrzehnte im Job gearbeitet hat, zu ersetzen.
Laut Weißler gibt es in der gesamten Westpfalz rund 169.000 Arbeitsplätze. Rund 43.000 der Arbeitnehmer sind 55 Jahre oder älter und gehen damit in den kommenden zehn Jahren in Rente. Die Anzahl der Schulabgänger eines Jahres in der Westpfalz ist laut Weißler in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgegangen, pendle sich aber in der nahen Zukunft bei etwas über 4000 jungen Menschen ein. Der Nachwuchs reiche also nicht aus, zumal nicht alle Schulabgänger eines Jahres zwangsläufig in der Region eine Ausbildung antreten und auch ihr Berufsleben hier verbringen. „Die Betriebe suchen händeringend, der Kuchen ist zu klein.“
Der Kuchen ist zu klein
Allerdings gebe es Möglichkeiten, den Kuchen – um im Bild zu bleiben – etwas zu vergrößern. Das ist laut Weißler einmal die Weiterbildung. Erst im März haben sich Akteure rund um den Arbeitsmarkt unter dem Label „#DiePfalzqualifiziert“ zusammengeschlossen, darunter die Handwerks- und die Industrie- und Handelskammer sowie die Arbeitsagenturen Kaiserslautern-Pirmasens, Ludwigshafen und Landau.
Der laut Weißler wohl „größte Hebel“ ist die Steigerung der Anzahl von Frauen in den Betrieben. Das stehe und falle mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, da laut Weißler „das noch immer sehr auf den Schultern der Frauen“ laste. Auch hier seien Teilzeit-Arbeitsplätze eine gute Lösung. „Wenn jemand von 20 auf 30 Wochenstunden aufstockt, ist das schon eine Steigerung von 50 Prozent.“
Sprachkenntnisse „elementar“
Zudem könnten auch Arbeitskräfte aus dem Ausland – sei es durch gezielte Zuwanderung oder auch durch die Beschäftigung von Geflüchteten – den Arbeitsmarkt in der Westpfalz entlasten. „Elementar“ laut Weißler sei dabei die sprachliche Ausbildung der zugewanderten Menschen. Um das Sprachniveau zu erreichen, das für eine Ausbildung notwendig ist (B2 nach dem europäischen Referenzrahmen), seien im Schnitt 900 Unterrichtsstunden notwendig.
Die Menschen, die seit Februar, seit dem russischen Überfall auf die Ukraine, in die Westpfalz gekommen sind, haben nach Einschätzung der Agentur für Arbeit „vergleichsweise günstige Integrationsperspektiven“. Rund 1500 Menschen aus der Ukraine sind bei den Jobcentern der Westpfalz arbeitslos gemeldet, rund ein Drittel besuche Sprachkurse des Bundesamtes für Migration.
Die gezielte Anwerbung von Fachkräften sowohl in Europa als auch weltweit habe die Agentur für Arbeit angeschoben. „Das wird auch zunehmen, zunehmen müssen“, sagt Weißler.
In Stadt und Landkreis Kaiserslautern arbeiten 82.000 Menschen
In Stadt und Landkreis Kaiserslautern sind (Stichtag: 31. März) rund 82.000 Menschen in Lohn und Brot, wobei das Verhältnis zwischen Stadt und Land etwa 2:1 ist. In den vergangenen fünf Jahren zeigte die Entwicklung stetig nach oben, von 2021 auf 2022 stieg die Anzahl der Arbeitsplätze in der Stadt um knapp 1000 auf 55.424 (plus 1,8 Prozent), im Landkreis um knapp 500 auf 26.614 (plus 1,9 Prozent). „Stadt und Landkreis sind da im Gleichklang unterwegs“, sagt der Chef der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, Peter Weißler, im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
In den kommenden zehn Jahren werden rund 20.000 Menschen in Stadt und Landkreis aus dem Berufsleben ausscheiden. Rund 13.000 Menschen, die in Kaiserslautern arbeiten, sind 55 Jahre und älter, im Landkreis sind es etwa 7000.
In Stadt und Landkreis sind (Stand Oktober) in nahezu allen Berufsbereichen Stellen zu besetzen. In der Stadt sind rund 2500 offene Stellen bei der Agentur für Arbeit gemeldet, im Landkreis sind es knapp 1200 – Höchststände.
Die meisten neuen Kollegen werden in Lautern im Bereich Verkehr und Logistik (771) gesucht, im Kreis werden 297 Arbeiter in Produktion und Fertigung gesucht. Wahrscheinlich sind es auch wesentlich mehr. Laut Weißler hat das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung ermittelt, dass nur rund 60 Prozent der offenen Stellen bei der Agentur gemeldet werden.
Im Landkreis Kusel arbeiten rund 12.600 Menschen
Im Landkreis Kusel sind (Stichtag: 31. März) stehen rund 12.600 Menschen in Lohn und Brot, die Anzahl liegt seit einigen Jahren stabil über der 12.000er-Marke. im vergangenen Jahr sank sie leicht, 25 Arbeitsplätze waren 2022 weniger gemeldet bei der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens als noch im Jahr davor.
In den kommenden zehn Jahren werden rund 3300 Menschen, die im Landkreis Kusel arbeiten, aus dem Berufsleben ausscheiden – sie sind Stand heute älter als 55 Jahre . Das sind, wie in der gesamten Westpfalz auch, rund ein Viertel der Arbeitnehmer.
Im Landkreis Kusel sind (Stand Oktober) in nahezu allen Berufsbereichen Stellen zu besetzen. Im Kreis sind knapp 640 offene Stellen bei der Agentur für Arbeit gemeldet, im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg von fast 30 Prozent.
Die meisten neuen Kollegen werden im Kuseler Land im Bereich Fertigung und Produktion (224) gesucht, gefolgt von den Bereichen Erziehung, Soziales, Lehre und Gesundheit (132). Platz drei im Ranking belegt der Bereich Verkehr und Logistik (100). Laut Peter Weißler, Leiter der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, ist das aber oftmals nur die Spitze des Eisbergs. Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung hat ermittelt, dass nur rund 60 Prozent der offenen Stellen bei der Agentur überhaupt gemeldet werden.
Im Donnersbergkreis arbeiten rund 21.700 Menschen
Im Donnersbergkreis sind (Stichtag: 31. März) bei der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens rund 21.700 Menschen sozialversichtungspflichtig beschäftigt. Die Anzahl liegt seit einigen Jahren stabil über der 21.000er-Marke, in den beiden Jahren 2018 und 2019 lag sie gar jenseits der 22.000.
In den kommenden zehn Jahren werden knapp 5800 Arbeitsnehmer rund um den Donnersberg aus dem Berufsleben ausscheiden und in Rente gehen. Das ist etwa ein Viertel der Gesamtbeschäftigten und spiegelt damit den Trend in der gesamten Westpfalz wider.
Im Donnersbergkreis sind (Stand Oktober) in nahezu allen Berufsbereichen Stellen zu besetzen. Im Kreis sind knapp 640 offene Stellen bei der Agentur für Arbeit gemeldet, im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg von fast 30 Prozent.
Die meisten neuen Kollegen werden rund um den Donnersberg im Bereich Fertigung und Produktion (310) gesucht, gefolgt von dem Bereich Verkehr und Logistik (181). Platz drei im Ranking belegt der Bereich Erziehung, Soziales, Lehre und Gesundheit (98). Laut Peter Weißler, Leiter der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, ist das aber oftmals nur die Spitze des Eisbergs. Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung hat ermittelt, dass nur rund 60 Prozent der offenen Stellen bei der Agentur überhaupt gemeldet werden.
Im Pirmasenser Land arbeiten rund 36.000 Menschen
In der Stadt Pirmasens und im Landkreis Südwestpfalz sind (Stichtag: 31. März) rund 36.000 Menschen in Lohn und Brot. Die Stadt weist nach Angaben der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens rund 20.500 sozialversicherungspflichtige Beschäftige auf, der Landkreis in etwa 15.500. In den vergangenen Jahren lag die Anzahl der Arbeitnehmer in Pirmasens stabil über der 20.000er-Marke, pendelte sich in den Corona-Jahren bei 20.500 ein. Im Landkreis stieg die Anzahl der Arbeitsplätze in den vergangenen fünf Jahren um rund 850 an, von 14.830 (2017) auf aktuell 15.681.
In den kommenden zehn Jahren werden etwas mehr als 10.000 Menschen in Stadt und Landkreis aus dem Berufsleben ausscheiden. Rund 5700 Menschen, die in Pirmasens arbeiten, sind 55 Jahre und älter, im Landkreis sind es etwa 4400. In der Stadt sind das rund ein Viertel der Arbeitnehmer, im Landkreis sind es vergleichsweise noch etwas mehr, fast 30 Prozent.
In Stadt und Landkreis sind (Stand Oktober) in nahezu allen Berufsbereichen Stellen zu besetzen. In der Stadt sind 620 offene Stellen bei der Agentur für Arbeit gemeldet, das sind rund zwölf Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Landkreis sind rund 590, nur drei Arbeitsstellen mehr als im vergangenen Jahr.
Die meisten neuen Kollegen werden in Pirmasens – mit weitem Abstand – im Bereich Produktion und Fertigung gesucht (195), im Kreis sind es in diesem Bereich nur rund zehn Prozent weniger (171). Laut Peter Weißler, Leiter der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, hat das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung ermittelt, dass nur rund 60 Prozent der offenen Stellen bei der Agentur gemeldet werden.
Im Zweibrücker Land arbeiten rund 32.000 Menschen
In der Stadt Zweibrücken und im Landkreis Südwestpfalz sind (Stichtag: 31. März) rund 32.000 Menschen in Lohn und Brot. Dabei arbeiten in der Stadt (rund 16.100) nach Angaben der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens nur wenig mehr Menschen in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen als im Landkreis (15.500). In Zweibrücken stieg die Anzahl der Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren stetig an, von rund 14.700 (2017) auf rund 16.100 (2022). Auch im Landkreis ist ein Anstieg zu verzeichnen, von rund 14.800 (2017) auf aktuell rund 15.700.
In den kommenden zehn Jahren werden etwas mehr als 8000 Menschen in Stadt und Landkreis aus dem Berufsleben ausscheiden. Rund 3850 Menschen, die in Zweibrücken arbeiten, sind 55 Jahre und älter, im Landkreis sind es etwa 4400. In der Stadt sind das etwas weniger als ein Viertel der Arbeitnehmer, im Landkreis sind es vergleichsweise etwas mehr, fast 30 Prozent.
In Stadt und Landkreis sind (Stand Oktober) in nahezu allen Berufsbereichen Stellen zu besetzen. In der Stadt sind 600 offene Stellen bei der Agentur für Arbeit gemeldet, das sind fast 18 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Landkreis sind rund 590, nur drei Arbeitsstellen mehr als im vergangenen Jahr.
Die meisten neuen Kollegen werden in Zweibrücken im Bereich Produktion und Fertigung gesucht (170), im Kreis sind es in diesem Bereich fast genauso viel (171). Laut Peter Weißler, Leiter der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, hat das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung ermittelt, dass nur rund 60 Prozent der offenen Stellen bei der Agentur gemeldet werden.