Kaiserslautern Exotenkabinett mit reichlich schrägen Typen

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Na also, geht doch! Gastspiel-Theateraufführungen sind nämlich in letzter Zeit durch minimalistische, konzeptionslose Inszenierungen etwas in Verruf gekommen. Die Präsentation des Kultmusicals „Der kleine Horrorladen“ von Alan Menken (Vertonung) und Howard Ashman (Buch und Liedtexte) durch den mit Landstuhls Stadthalle kooperierenden „Frank Serr Showservice“ widerlegte Vorurteile und war am Mittwoch emphatische Werbung in eigener Sache.

Ein ansprechendes, perspektivisches Bühnenbild in einer Mischung aus Leinwandprojektion und aufwendigem Aufbau wirkte nicht nur funktional, sondern inspirierend zugleich für die skurrile fantastische Handlung. Die basiert auf der Entdeckung einer monströsen fleischfressenden Pflanze, die sich letztlich als Invasion aus dem All erweist, um die Erde mittels Tochterpflanzen (Ablegern) zu beherrschen. Somit gehört das Musical zu jenen schaurig-schönen und schrill-schrägen, die im 20. Jahrhundert den Musikmarkt erobern. Weitere Beispiele sind die „Rocky Horror Picture Show“ oder im „Starlight Express“ die Personifizierung von Lokomotiven. Im kleinen Horrorladen erweist sich die wie ein Vampir von Menschenblut lebende gigantische Pflanze nicht nur als bedrohlich. Für den Besitzer eines Blumenladens, Mr. Mushnik, stellt sie auch eine gewinnbringende Attraktion dar, die ihn vor dem Ruin rettet. Die sehr ansprechende künstlerische Realisation betonte einerseits die Dramatik und Dynamik der zunehmend aus den Fugen geratenden Handlung, nahm so an Spannung und Dichte zu. Andererseits arbeitete die Inszenierung von Laurent N’Diaye aber auch den immensen Spielwitz der Nebenhandlungen um die beiden Angestellten des Blumenladens, Audrey und Seymour, stringent heraus. Durch diese überzeugende Personenregie und skurrile Charakteristik bekommt die Handlung neben der surrealistischen eine erfrischend komödiantische Note. Nadine Kühn verkörpert diese Audrey im auffälligen Trippelschritt, im kindisch-naiven Habitus und mit einem Hang zum Masochismus, den sie bei ihrem Freund auslebt. Im schroffen Gegensatz zu der hilflos und puppenhaft wirkenden Audrey ist der von Michael Müller gespielte Zahnarzt ein echter Macho und mit sadistischen Neigungen die ideale Ergänzung für diese abstruse Handlung. Wäre da nicht der nicht minder infantile und schüchterne und schlaksige Seymour (gespielt von Christopher Ryan), der sich in Audrea verliebt, diese für sich gewinnen kann und schließlich scheinbar die inzwischen zum Monster gewachsene Pflanze vernichtet. Scheinbar nur, weil diese längst ihre Saat des Bösen ausgebracht hatte. Die Aufführung punktet also durch das überspitzte Herausarbeiten von Charakteren, und hier durch die Kontrastwirkung: So wird der Blumenladen nicht nur zum Horrorladen, sondern auch zum Exotenkabinett von schrägen Typen, die ebenso wirklichkeitsfremd wirken wie die Pflanze selbst. Letztlich gelingt es der Musik, bei dieser abgehobenen, entfremdeten Handlung die Bodenhaftung, die Bindung an Traditionen zu gewährleisten: Alan Menken komponierte auch die Musik zu dem märchenhaften Disneystoff „Die Schöne und Das Biest“ und neben weiteren bekannten auch die für den Disney-Trickfilm „Aladin“. Im märchenhaft-fantastischen und romanhaften Genre bewegte er sich musikalisch erfolgreich auch beim „Glöckner von Notre Dame“ und erhielt zahlreiche Oskars für solche Filmmusiken und Musicals. Während seine ansprechende Musik mit dem Einbeziehen der verschiedensten Stile wie Bluesrhythmen und Reggae oder Funk begeistert, gilt dies für die Aufführung durch eine auf Combobesetzung reduzierte Live-Musik nur bedingt. Obwohl der Keyboarder Wil Lewis, der Schlagzeuger Bernard Flegar sowie der E-Gitarrist Zibi Zawadzki und der Bassist Michael Budnik durch exakte rhythmische Koordination und ihre Feinabstimmung alle Titel adäquat gestalteten, konnte doch der Glanz früherer Einspielungen mit Bläsern und Streichern und weiteren Percussionisten nicht erreicht werden. Ein Zugeständnis an die Produktionskosten und ein – fauler – Kompromiss? Während die Darsteller schauspielerisch überzeugten (so auch Dirk Hinzberg als biederer, einfältiger Ladeninhaber), galt dies für ihre stimmlichen Qualitäten nicht immer uneingeschränkt.

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