Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Exkursion mit dem Nabu zeigt Bewohner der Nistkästen auf

Der Nistkasten ist gereinigt, Lukas hängt ihn wieder auf, währen Kai Kehl vom Grünflächenamt die Leiter hält.
Der Nistkasten ist gereinigt, Lukas hängt ihn wieder auf, währen Kai Kehl vom Grünflächenamt die Leiter hält.

Werden die Nistkästen, die im Ruheforst hängen, eigentlich genutzt? Und wenn ja, von welchen Tieren? Diesen Fragen ging eine Truppe bei der Nabu-Exkursion mit Nistkästenreinigung am Sonntag nach. Und erlebte auch Überraschungen.

Schon seit Jahren bietet der Naturschutzbund (Nabu) um diese Zeit eine Führung zu den verlassenen Vogelhäuschen im Ruheforst an. Unter fachlicher Anleitung werden sie dabei jeweils gereinigt. An diesem Sonntag kämpfen sich kleine und große Naturfreunde durch den Schnee, der den Wald in eine weiße Decke gehüllt hat. An einem Baum sind die Helfer bereits in Aktion.

Kai Kehl vom Lauterer Grünflächenamt nimmt das grüne Holzkästchen von der Leiter her in Empfang. „Da könnte ein Kleiber drin gewesen sein“, vermutet er mit einem ersten Blick auf die Vorderfront des Nistkastens. Er hält ihn so, dass auch die Kinder freie Sicht haben. Aber Kehl verbessert sich sofort. „Das muss schon im Vorjahr gewesen sein“, denn die für den Kleiber typischen Verspachtelungen mit Lehm seien zwar noch erkennbar, aber im Wesentlichen schon weggewischt. Dasselbe gelte für die Spachtelkorrekturen am runden Einflugloch.

Das Nistmaterial verrät die Vogelart

Mit kräftigem Ruck öffnet Frank Dohrmann, ornithologischer Fachmann der Lauterer Nabu-Gruppe, die Vorderklappe einen Spalt weit und wirft einen ersten Blick ins Halbdunkel. „Nein, das war wirklich kein Kleiber“, ruft er in die Runde.

Die Vorderwand wird weiter geöffnet. Dohrmann fährt mit dem eisernen Haken ins Innere und fördert den Ballen Nistmaterial zutage. Der zunächst kompakte Ballen liegt dann auf einer höheren Schneewehe. Ganz viele dünne Rindenstückchen, trockene Grashalme und einige wenige Moosfasern sind eng miteinander verwoben. „Hier hat ein Trauerschnäpper gebrütet“, stellt Dohrmann fest.

„Vor Jahren schon ist die Stadt hinsichtlich der Nistkästen auf den Nabu zugekommen“, erzählt Jürgen Reincke, Vorsitzender des Nabu Kaiserslautern und Umgebung. In den Anfangsjahren des Ruheforsts hätten die Leute, die hier Angehörige bestattet hätten, bunte Kästen aufgehängt, einige sogar aus Plastik. „Wir sollten beratend tätig werden“. Auch sei es den Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung darauf angekommen, ein einheitliches Erscheinungsbild für die Nistkästen anzustreben. Dem Nabu sei das Angebot gelegen gekommen, denn auf diese Weise hätte es die Möglichkeit gegeben, auch Brutstätten bereitzustellen, die eher von gefährdeten Vogelarten angenommen würden.

Nicht nur Vögel in den Nistkästen

Sichtlich zufrieden mit dem Ablauf der Exkursion im hohen Schnee ist Stefan Wetz. „Meine Frau und ich sind schon bei einigen dieser Rundgänge mitgelaufen“, berichtet er. Sie hätten hier in der Nähe einen Baum, an dem schon vier nahe Verwandte ihre Ruhestätte gefunden haben. Er freue sich darüber, dass die Leute vom Nabu sich auf diese Weise an der Pflege des Ruheforsts beteiligten.

Unterdessen werden weitere Nistkästen in Augenschein genommen. Wenige sind leergeblieben. In den allermeisten finden sich weiche Polster aus getrocknetem Moos. „Dies ist immer ein ziemlich sicherer Hinweis darauf, dass dort die Blau- oder die Kohlmeise zeitweise ihr Zuhause hatte“, erklärt Experte Dohrmann.

Die Kinder wollen dann noch wissen, was passiere, wenn andere Tiere als die Vögel sich in den Nistkästen aufhielten. „Das kann natürlich passieren“, erläutert Kai Kehl. Marder oder Siebenschläfer beispielsweise könnten beim Winterschlaf angetroffen werden. „In diesem Fall machen wir die Klappe ganz schnell wieder zu und hoffen darauf, dass die Tiere nicht aufwachen“. Denn wenn sie einmal munter seien, müssten sie sich Nahrung suchen. Und die gebe es ja leider in dieser Jahreszeit nicht ausreichend.

x