Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „Eure Mütter“ präsentieren aberwitzige Wortspiele und Comedy im Kammgarn-Kasino

Nichts ist zu peinlich, um daraus nicht ein Liedchen zu machen: Das Comedy-Trio „Eure Mütter“ zeigte im Kasino um die Ecke gedac
Nichts ist zu peinlich, um daraus nicht ein Liedchen zu machen: Das Comedy-Trio »Eure Mütter« zeigte im Kasino um die Ecke gedachten Kneipen-Humor.

In ihr mittlerweile achtes „Eure Mütter“-Programm „Bitte nicht am Lumpi saugen!“ steckten die drei Comedians, Andi Kraus, Don Svezia und Matze Weinmann, wieder jede Menge irrwitzige Songs, aberwitzige Sketche und urkomische Spielereien. Im Kammgarn-Kasino sorgten sie am Dienstag für ein volles Haus – und am Ende eine klatschnasse Bühne.

„Vor drei Tagen waren wir mit diesem Programm in München. Da war das Publikum echt super. Also strengt euch an, Kaiserslautern!“ Klare Aufforderung von Matthias „Matze“ Weinmann, die die Lautrer „Mütter“-Fans natürlich umso schneller zu Höchstform anstachelte. Bereitete aber auch keine große Mühe, denn wenn die drei Stuttgarter Schulfreunde eines können, dann super Stimmung machen.

Der Humor der ulkigen Kumpeltruppe – alle Baujahr 1974 –, ist so schwarz wie ihr bewährtes Bühnen-Outfit. Und bei diesem Humor kommt es weniger auf sinnvollen und Gehirnzellen anregenden Inhalt als auf schreiende Situationskomik, knallige Wortspielereien und famose Musik-Happen an. Ihre Themen ziehen sie aus den ungewöhnlichsten Quellen. Immer irgendwie aus dem normalen Leben und doch nicht wirklich normal.

Ausgeklügelter Mix aus Wort, Musik und wahnwitzigen Ideen

Es gibt wohl wenige, die sich von einem einfachen Videorekorder zu einem eindeutig zweideutigen Song namens „Steck ihn rein – du weißt schon wo“ inspirieren lassen. Noch weniger Menschen würden wahrscheinlich entnervt ein Lied über das zu-dumm-zum-Schlafen-sein trällern, so wie Andras „Andi“ Kraus: „Ein Einschlaftagebuch, das empfiehlt die Psychologie / Alles klar, ich fang’ gleich an: ,Kann nicht pennen, fick dich ins Knie!'“ Da könnte ja eine Nacht im Hotel helfen – wahlweise in einem Onanier- oder Nicht-Onanier-Zimmer. Und mit Sicherheit hätte sich dieser eine Santiano-Fan, der schon zu 84 Konzerten gegangen und alle 84 Eintrittstickets laminiert an seinen – scheinbar riesigen – Kühlschrank geklebt hat, nie ausgemalt, dass er mal die Hauptfigur in dem „Mütter“-Straßenfeger „Captain Laminiergerät“ werden würde.

Solche wahnwitzigen Ideen springen Andi, Matze und Don scheinbar aus heiterem Himmel entgegen, seit nun über 20 Jahren und acht Programmen. Ihre ausgeklügelte Mischung aus Wort, Musik, schrulliger Tanz-Choreo und entspanntem Sitzen auf Stühlen scheint genau das zu treffen, was die „Mutti“-Fans suchen: Um die Ecke gedachter Kneipen-Humor mit Showeinlage. Darum schallte jedes Mal Applaus und Gejohle durchs Kasino, sobald die drei „Wir sind eure Mütter!“ in die Masse brüllten.

Der Arbeitsplatz als „Planet der Affen“

Zum Brüllen komisch war auch diesmal ihr kleiner Publikumswettbewerb: Mit drei Worten einen bestimmten Ort umschreiben war die Aufgabe. Gewonnen hat Sven – ein junger Mann mit „genreübergreifendem Outfit“, also „Star Wars-T-Shirt, Harry Potter-Brille und Herr der Ringe-Frisur“ –, der mit den drei Worten „Planet der Affen“ seinen Arbeitsplatz trefflich beschrieben hat – eine Kfz-Werkstatt.

So ging das knapp zwei Stunden, bis zum Grande Finale, für das die „Mütter“ ein Zitat aus ihrem abendlichen Eröffnungssong wahr machten: „Wer uns kennt, der ahnt, zum Schluss wird’s nass hier!“ Korrekt. Denn bei ihrem Finale beweisen die drei jedes Mal aufs Neue, wie sexy Comedy doch sein kann: Zum heißen „Flashdance“-Megahit „What A Feeling“ zwängten sich Andi, Don und Matze in knappe weiße Unterbuchsen, tunkten ihre Köpfe in drei Eimer voller Wasser, schäumten sich verwegen das dünne Haupthaar ein und zeigten sich in makelloser Grazie beim Synchron-Haare-waschen – samt erotischer Hüftschwünge und laszivem Kopf-in-den-Nacken-werfen. Hach, schön!

Fazit: Zügellos, kein bisschen prüde, sehr witzig

Die „Mütter“ machen Comedy, bei der nichts zu banal ist, um es unter den Teppich zu kehren, nichts zu frivol, um daraus ein Liedchen zu komponieren und nichts zu peinlich, um es nicht noch peinlicher zu machen. Dass die drei eine Vorliebe für die britische Blödel-Bande Monty Python haben, ist in jedem Sketch klar zu erkennen. Hier wird jedes noch so gewöhnliche Alltagsthema blitzeblank poliert. Hier wird sich fein säuberlich hinter den Ohren geputzt, nur um Platz für mehr Ohrenschmutz zu schaffen. Und wenn sich nur ein Hauch von Fremdscham anbahnt, nimmt das Trio einen an die haarige „mütterliche“ Brust und sagt: „Es ist ok. Lass es raus.“ Absolut zügellos, kein bisschen prüde und verdammt witzig: Eure Mütter!

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