Kaiserslautern Erste berufliche Hürden zu meistern

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Montagmorgen, 7 Uhr: Da sprüht manch „altgedienter“ Arbeitnehmer nicht vor allerbester Laune. Jungen Leuten, gerade dem eher unbeschwerten Dasein als Schüler entwachsen, sei da erst recht das Gefühl gestattet: „Boah, mir stinkt’s“. Bei Jennifer Engel hätte ein solcher Gedanke noch eine andere Dimension. Denn sie absolviert ihre Ausbildung beim Kanalwerk der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach. Aber „stinken“ tut ihr dort bislang nichts. „Riechen Sie was? Ich nicht...“, kontert die 20-Jährige beim Fototermin auf dem Klärbecken-Schlitten und sie hat recht. Hier jedenfalls entstehen keine üblen Gerüche. Im Faulturm wäre das was anderes. Jennifer Engel indes hat es genau so gewollt. Sie hat sich ihren künftigen Beruf ausgesucht, hat dafür Bewerbungen bis Mainz und Wiesbaden versandt. In Ramstein-Miesenbach hat man sie nur zu gern genommen. „Im Saarland wird die Ausbildung nicht angeboten“, erklärt die 20-Jährige aus Eppelborn. Allerdings hat sie beim Entsorgungsverband Saar, zuständig für Abfallentsorgung und Abwasserreinigung im gesamten Saarland, ein Praktikum absolviert. Seit August ist sie nun die einzige Frau beim Kanalwerk der Verbandsgemeinde. Allein unter Männern – „ich hab’s mir ja schlimmer vorgestellt“, witzelt sie. Tatsächlich sei sie bestens aufgenommen worden von ihren Kollegen. Und dass die Arbeit eine schmutzige ist, will die künftige Fachkraft für Abwassertechnik so auch nicht stehen lassen: „Das ist ja schon lange nicht mehr so wild. Man merkt, dass die Technik fortgeschritten ist.“ Und je neuer die Anlage, umso besser die Bedingungen, sagt sie etwa mit Blick auf die erst im September in Betrieb gesetzte Anlage in Obermohr. Engel wollte etwas Handwerkliches machen, bei der Arbeit im Freien, zudem im Labor gefordert sein: Dank des vorangegangenen Praktikums beim großen Saar-Entsorger, bei dem auch ihr Onkel arbeitet, hat sie gefunden, was sie sucht. Ihren Onkel habe die Berufswahl gefreut, sagt sie. Und die Nase gerümpft hat keiner im Bekanntenkreis. „Die fragen erst gar nicht weiter“, sagt Engel. Richtig anpacken konnte die Eppelbornerin übrigens vorher schon: daheim beim Holz machen helfen – kein Problem, tut sie gern. Froh über die neuen Herausforderungen, die die Ausbildung stellt, ist auch Jana Schott. Sie hat es nicht weit bis zur Arbeit, lebt in Ramstein – und verstärkt seit September das Team beim E-Center Jahke. „Weniger Freizeit, ist ja klar“, nennt die 17-Jährige den großen Unterschied zur Schulzeit. Trotzdem trauert sie diesen weniger ausgefüllten Tagen keinesfalls hinterher. Nach der Mittleren Reife hatte Jana Schott mit einer Ausbildung in einer Arztpraxis geliebäugelt. „Aber das war doch nicht so meins“, sagt sie heute, froh über den letztlich eingeschlagenen Weg. Jetzt hat die Ramsteinerin mit jeder Menge Menschen zu tun. Zwei Jahre dauert die Lehre, ein weiteres soll folgen: Stimmen die Noten, eröffnet sich in Lehrjahr drei die Chance, sich zum Kaufmann des Einzelhandels zu qualifizieren. Und dies legt der Lehrherr jedem seiner Schützlinge dringend ans Herz: „Das eröffnet ganz andere Chancen“, weiß Michael Jahke, Chef und Inhaber des Edeka-Einkaufsmarkts in Ramstein-Miesenbach, der ein 55-köpfiges Mitarbeiter-Team hinter sich weiß. Im Center erhalten zurzeit sieben Azubis ihr berufliches Rüstzeug. Zu ihnen zählt auch Michael Schroll. Nachdem der 19-Jährige aus Landstuhl bereits als Aushilfe Markt-Erfahrung gesammelt hatte, stand ihm der Weg in die Ausbildung offen. Schroll schätzt den Umgang mit Menschen ebenfalls – auch an Tagen, an denen er selbst einmal nicht so gut gelaunt ist. Merken darf das der Kunde nicht. „Lächeln, freundlich und höflich auftreten, das muss immer drin sein.“ Schroll hat, obwohl erst ins Berufsleben eingestiegen, die Philosophie bereits verinnerlicht: „Wenn Kunden kommen und sind mal schlecht gelaunt, müssen wir es schaffen, dass sie wieder lachen können.“ Im Markt wird in Schichten gearbeitet, mal geht es um 6.30 Uhr los, mal kommt Schroll erst gegen 21.30 raus. Zudem muss die Belegschaft samstags ran, ab und zu sogar sonntags. „Macht mir nichts aus – ich hab’s ja gewusst“, sagt Schroll. Weniger ausufernd sind die Arbeitszeiten für Laura Herp. Die 20-Jährige aus Steinwenden ist gerade in ihre Verwaltungsausbildung bei der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach gestartet. „Mein Schreibtisch ist voll“, freut sich die junge Frau, dass sie gefordert wird. Das Ordnungsamt war personell etwas geschwächt, so hat Herp dort gleich anpacken dürfen, bearbeitet beispielsweise Fundsachen. „Mir ist es ein Rätsel, wie man ein Fahrrad verlieren kann“, schildert sie, was da so anfallen kann. „Schule war nicht so meins“, sagt die Reiterin aus Leidenschaft. Gearbeitet hat sie auch zuvor schon, neben der Schule, um sich ihr Hobby erlauben zu können. Jetzt, da sie im Berufsleben steht, winkt auch schon die Belohnung: Sie spart auf ein eigenes Pferd.

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