Kaiserslautern
Energiegeladener Rock mit The Sexy Drugs in der Kammgarn
Die saarländischen Punkband Mrs. Anthrope widmet sich nicht Hau-Rock-Punk Art, sondern ist eher an dessen anspruchsvolleren Nachfahren orientiert. Neben den wie entfesselt agierenden Michael Groß (Gitarre), Sebastian Naumann (Bass) und Philipp Bier (Drums) war es Sänger Pascal Rausch, der die Atmosphäre vom ersten Ton an am Köcheln hielt. Er machte seiner T-Shirt Aufschrift „ignite“ („entzünden“) alle Ehre, forderte seinen Stimmbändern einiges ab und ging auch mal ins Publikum, um die Fans gespielt aggressiv anzusingen.
Die vier Musiker von Old Maps aus Frankfurt setzten auf eine frische Mischung aus melodischem Rock und – wie schon ihre Vorgänger – deutlich fortentwickeltem Punk. Diese Melange und die ziemlich komplexen Strukturen darin schafften Philipp (Gitarre, Gesang), Boris (Gitarre), Andy (Bass) und Millo (Schlagzeug, Gesang) recht locker. Zusammen mit der daraus entstehenden positiven Spannung plus entsprechender Lautstärke heizte man dem Publikum damit mächtig ein.
Eruptiver Stil
Die an dritter Stelle auftretende Kaiserslauterer Band The Sexy Drugs vereinte schließlich ihre beiden Supporter in Sachen Erfahrung, Stil und Energieausstoß. Zum einen gibt es die gestandene Band schon seit fast einem Vierteljahrhundert, zum anderen pflegen die zurzeit auf ihrer „Reckless Memories“-Tour befindlichen Jungs einen ziemlich pointierten, kraftvollen, eruptiven Stil, der in eine ähnliche Richtung wie die beiden Bands zuvor zielt. Beides zusammen bildete schon mal die Basis dessen, was das Publikum nun immer mehr aus der Reserve locken und in Bewegung bringen sollte.
Der Überbau konnte sich sehen und hören lassen. Da agierte Schlagzeuger Sven Seidemann im Hintergrund als verlässliche Stütze ebenso stoisch wie präzise auch in den kompliziertesten Parts, und da spielte Gitarrist Isaak Zaeske ebenfalls auch schon mal vor der Bühne mitten unter den Zuhörern. Bassist Eugen Krapp agierte mit freiem Oberkörper, und Sänger/Gitarrist Eric Dobrick hielt in vorderster Linie all diese ihm zugetragenen Kraftlinien zusammen, um sie gebündelt in Titeln wie „Adrenochrome“ oder dem der Tour den Namen gebenden „Reckless Memories“ regelrecht ins Publikum zu schleudern.
Eine Zugabe gab es allerdings nach alledem nicht – schade eigentlich. Das wäre noch das Sahnehäubchen auf diesem Konzert gewesen, das aber auch so seine Aufgabe in Sachen Qualität, Unterhaltung und Stimmung bis zum letzten Ton erfüllte.