Kaiserslautern Endlich Nichtraucher
Nachdem das Rauchverbot in Behörden und Dienststellen 2008 in Kraft trat, hieß es auch für Michael Geib: Zum Qualmen muss er künftig vor die Tür. Sein Büro lag zu diesem Zeitpunkt im dritten Stock des Rathauses und seine Tagesdosis bei etwa 60 Zigaretten. „Wenn ich oben im Büro ankam, habe ich mich gleich gefragt, wann kann ich die Nächste rauchen gehen“, erzählt Geib, der heute das Docu Center Ramstein leitet. Irgendwann war ihm klar, dass sich da etwas ändern muss. Im Rückblick ist Geib für das Gesetz deshalb auch dankbar. Für ihn wurde es zum Auslöser, mit dem Rauchen aufzuhören. „Ich bin so froh, dass ich es gemacht habe, und stolz, dass ich das geschafft habe“, resümiert er sichtlich erleichtert. Bewerkstelligt hat er es mit einer Raucherentwöhnung beim Arzt über mehrere Wochen. „Es ist eine Sucht und man muss behandelt werden wie ein Suchtkranker“, ist er überzeugt. „Da muss man dranbleiben, du brauchst Hilfe von Gleichgesinnten.“ Geib glaubt, dass es für Raucher etwas Vergleichbares wie die Anonymen Alkoholiker geben sollte. Mit dreien aus seiner Raucherentwöhnungsgruppe hat sich Geib daher auch nach Ende der Maßnahme noch etwa ein halbes Jahr getroffen, als eine Art Miniselbsthilfegruppe. „Wir drei haben es geschafft.“ Leicht war das nicht. Am Schlimmsten war für ihn selbst, mit dem Bedürfnis nach Inhalieren klarzukommen. Immerhin hat der gebürtige Saarländer seit seiner Jugend geraucht. „Angefangen habe ich mit Pfeife. Das war in den frühen Siebzigern. Ich wollt ein richtiger Kerl sein und bin in den Tabakladen im Ort, um Tabak zu kaufen“, erinnert Geib sich. Auf die verständliche Erkundigung des Händlers, welchen er genau wünsche, fiel dem auf die Nachfrage unvorbereiteten jungen Mann eine damals allgegenwärtige Werbung ein: „Feuer – Pfeife – Stanwell“. Als Student wollte Geib dann weniger rauchen und stieg auf Zigaretten um. „Da habe ich den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben“, fasst er zusammen und berichtet von den Fahrten ins nahe Frankreich, um eine Stange Gitanes zu erstehen. An dem Abend, an dem es für die Raucherentwöhnungsruppe hieß: „Ab morgen wird nicht mehr geraucht!“ hat er sich nach dem Treffen ein Packung Gauloises geholt und sie „weggequarzt“. Am nächsten Morgen klebte der angehende Exraucher dann sein erstes Nikotinpflaster auf seinen Körper und verteilte auf Fenstern und Türen Zettel mit Sprüchen wie „Mein Wille ist zurück“ und „Endlich Nichtraucher“. Tatsächlich hat er verschiedene Ersatzpräparate ausprobiert und sich letztlich für Nikotinkaugummis entschieden. Die hat er fast ein Jahr gekaut und ist dann auf reguläre Kaugummis umgestiegen. Und heute, zehn Jahre später? Gibt er zu, dass er den Rauch mal ganz gerne im Vorbeigehen riecht und sich den angenehmen Erinnerung kurz hingibt, aber verlocken kann es ihn nicht mehr. „Ich persönlich bin davon überzeugt, dass die Sucht nach Nikotin nur Einbildung ist“, sagt Michael Mittelstädt, „ich glaube, das ist reine Kopfsache.“ Er scheint zu wissen, von was er spricht, denn er selbst hat seit der Grundschule geraucht, bis er im Oktober 2013 endgültig dem blauen Dunst abgeschworen hat. So sei das Gefühl, nach dem Essen, zum Kaffee oder bei Stress eine Zigarette rauchen zu müssen, reine Einbildung, die sich durch eigene Willensstärke unterdrücken ließe. Etwa eineinhalb Päckchen habe er pro Tag geraucht, erzählt Mittelstädt, dann habe er, als er Vater geworden war, von heute auf morgen aufgehört und das konsequent durchgezogen. Das Verlangen nach „Rauchwerk“ sei nach relativ kurzer Zeit schon nicht mehr vorhanden gewesen. „Unser Sohn wird jetzt sechs und er hat ja ein Recht darauf, dass seine Eltern recht lange leben“, findet der Westpfälzer. „Gerade wir als Eltern stehen hier in der Verantwortung.“ Der zweite Grund, den Glimmstängel an den Nagel zu hängen, sei „Vater Staat“ gewesen. „Als Raucher wirst du überall beschimpft“, weiß Mittelstädt, „du sollst hier nicht rau-chen, dort nicht rauchen, aber wenn der Staat Geld braucht, werden die Zigaretten teurer.“ Normalerweise sollten sich alle Raucher zusammentun und einmal einen Tag aufs Rauchen verzichten, das wäre mit Sicherheit spürbar, glaubt er. Primär sollte jedoch jeder an seine Gesundheit denken. „Rauchen ist heutzutage so teuer und ich bezahle soviel Geld, um etwas zu machen, das meiner Gesundheit schadet. Das ist eigentlich dumm“, gibt Mittelstädt zu bedenken. Neben diesem Aspekt mache sich der Verzicht aufs Rauchen auch in seinem Budget bemerkbar, denn das ersparte Geld spült willkommene Einnahmen in die Haushaltskasse. „Ich lege jeden Tag zwölf Euro auf die Seite und die Raucherkasse wird voll und voller“, berichtet er nicht ohne Stolz. „Bei dieser Größenordnung kommen pro Jahr fast 4000 Euro zusammen, die ich, wenn ich noch rauchen würde, einfach in die Luft gepafft hätte.“ So habe er von dem ersparten Geld unter anderem ein Auto für seine Ehefrau, den Umbau der Terrasse und einen Familienurlaub finanziert. Bei all den positiven Gesichtspunkten findet sich jedoch ein Haar in der Suppe, denn Mittelstädt hat in den fünf Jahren merklich zugenommen. Dennoch habe es nie auf seiner Agenda gestanden, wieder mit dem Rauchen anzufangen. „Dann habe ich ja morgen nicht 20 Kilogramm weniger“, sinniert er, „so vernünftig bin ich auch, dass ich sage, ich bleibe jetzt dabei und sehe, dass ich das anders in den Griff bekomme.“ Nachdem er aufgehört habe, habe auch seine Frau ihren Tabakkonsum merklich reduziert. „Wenn beide rauchen, ist es noch schlimmer“, räumt er ein, „denn wenn sich einer eine ansteckt, wird der andere animiert, eine mitzurauchen.“