Kaiserslautern Endlich erwachsen

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Es war ruhig geworden um Sizarr. Jetzt sind die drei Jungs aus Landau zurück. Mit neuen und gleichzeitig reiferen Songs touren sie schon bald wieder durch Europa. Heute erscheint ihr zweites Album „Nurture“: von allem etwas, aber von nichts zu viel. Das überzeugt.

Mit der ersten Platte können sich Nachwuchsmusiker Zeit lassen, sogar mehrere Jahre. Steht sie aber erst mal in den Läden und kommt sie gut an, dann muss nachgelegt werden – und das am besten nicht erst dann, wenn man schon fast wieder vergessen wurde. Dass das gar nicht so einfach ist und einen ganz schön unter Druck setzen kann, haben Fabian Altstötter (Gesang und Gitarre), Philipp Hülsenbeck (Synthesizer) und Marc Übel (Drums) nun gemerkt. Erst recht, nachdem sie als Newcomer der Stunde gefeiert und für den „Echo“-Kritikerpreis nominiert worden waren. Sie hatten Gigs auf den angesagtesten Festivals gegeben, sogar beim großen SXSW-Festival in den USA. Auch wenn sie es so vielleicht nicht zugeben wollen: Die Messlatte für das neue Album lag verdammt hoch. „Vom äußerlichen Druck konnten wir uns sehr gut befreien“, blickt Altstötter auf die vergangenen zwei Jahre zurück, „das Problem bestand eher darin, unseren eigenen Erwartungen zu genügen.“ Sie wollten ein Album, mit dem sie sich gut fühlen, wie der 23-Jährige sagt. Jetzt ist der ganze Druck weg. Die Jungs haben brav geliefert, mit der Unterstützung von Markus Ganter, der bereits beim Erstlingswerk „Psycho Boy Happy“ seine Finger im Spiel und unter anderem Caspers „Hinterland“ produziert hatte. Das Ergebnis ist ab heute erhältlich. „Nurture“ haben die Musiker ihr alles andere als aufrührerisches Album genannt, also Pflege, Aufzucht, Wachsenlassen. Es geht um Reifeprozesse, um das, wofür die jungen Bandmitglieder nicht so viel Zeit hatten: das Erwachsenwerden. Und diese Reife merkt man auch den zehn neuen Songs an, wieder alle auf Englisch – abgesehen von den Wörtern „Einsamkeit“ und „Zweisamkeit“ bei „Baggage Man“. „Scooter Accident“ war der erste Song, der aus dem neuen Album ausgekoppelt wurde. Im dazugehörigen Video gibt Sänger Altstötter den Softrocker mit Lederjacke plus Kippe im Mund auf einem Jahrmarkt, zwischen Zuckerwatte und Autoscooter. Doch das Ende – der Titel kündigt’s an – ist gar nicht süß: Er düst auf einem Roller durch den Wald. Und verunglückt, begleitet von Synthie-Störgeräuschen. Ein toller Song, auch wenn der ganz große Refrain fehlt. Auch zu „Timesick“ gibt’s bereits seit wenigen Tagen ein Video. Und das ist Sizarr bizarr. Mit Nasenspülung, Schröpfköpfen, Ohrenkerzen und sonstigen rituellen Reinigungsbräuchen. Der Song hingegen, der Ohrwurm der neuen Scheibe, ist weniger schräg. Mit „Untitled“, einem weiteren Anspieltipp, liefern die Exil-Landauer, die mittlerweile in Berlin, Hamburg und Frankfurt wohnen, eine angenehm minimalistische Ballade mit eingängigem Klaviergeklimper ab. Wie auch schon auf dem Erstlingswerk ist es nicht gerade einfach, Sizarrs Musik in eine Kategorie zu stecken. Aber von Schubladen halten die Musiker ohnehin nichts. „Es ist immer schwer, das zu beschreiben, was wir machen“, sagt selbst der Frontmann. Mit der Bezeichnung Indie-Elektro-Pop liegt man auf alle Fälle nicht daneben. Von allem etwas. Ein abenteuerlich guter Mix. Ingesamt ist das neue Album jedoch weniger elektronisch geworden, nicht so aufgedreht. Synthesizer werden dieses Mal gezielter eingesetzt. Doch der Grundton, der bereits auf dem ersten Album mehr „psycho“ als „happy“ war, und die leicht weinerliche Raucher-Whiskey-Stimme des Sängers, der nach eigenen Angaben weder qualmt noch trinkt, sind geblieben. Und auch an der Tatsache, nicht wie eine deutsche Band zu klingen, wurde zum Glück nicht gerüttelt. Fazit: Dank „Nurture“ liegt die Messlatte für die nächste Scheibe nun noch weiter oben. Doch bevor es ans dritte Album geht, tourt die 2009 gegründete Band ab dem nächsten Monat erst mal wieder quer durch Europa. Nur die Fans in der Heimat müssen sich noch gedulden. In der Pfalz spielen Sizarr nämlich laut Tourplan erst mal nicht. Zuletzt hatten sie im Dezember in Landau ein ausverkauftes Konzert mit einem Vorgeschmack auf die neuen Songs gegeben. Wer die Musiker in den nächsten Monaten live erleben möchte, muss aber nicht weit fahren: Für den 26. März ist ein Auftritt in Stuttgart geplant, für den 13. April einer in Frankfurt. Und Ende Mai werden die drei Jungs wieder in Mannheim beim Festival Maifeld Derby am Start sein. Dieses Mal allerdings ein gewaltiges Stückchen erwachsener.

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