Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Emotionale Mitarbeiterversammlung bei GKN – Vorwürfe an die Geschäftsführung

Der Sensenmann als Sinnbild für die Schließung : Das Foto ist am Dienstag bei einer Solidaritätskundgebung für GKN entstanden. F
Der Sensenmann als Sinnbild für die Schließung : Das Foto ist am Dienstag bei einer Solidaritätskundgebung für GKN entstanden.

Sehr emotional und lautstark ist die außerordentliche Betriebsversammlung bei GKN Driveline am Freitagmittag abgelaufen – die Beschäftigten haben ihrem Ärger Luft gemacht. Eine Erkenntnis: Möglicherweise ist der 31. März 2020 doch nicht der letzte Tag für das Werk.

„Es war sehr, sehr emotional“, blickt GKN-Betriebsratsvorsitzender Markus Becker auf die Sitzung zurück, zu der rund 250 Beschäftigte des Gelenkwellen- und Autoteilherstellers gekommen seien. Teilweise seien die Argumente zwischen Belegschaft und Geschäftsführung, Werksleiter Stefan Wenzel und Christoph Zimmermann, Arbeitsdirektor GKN Driveline, lautstark ausgetauscht worden – aus den Reihen der Beschäftigten. Der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall, Alexander Ulrich, der ebenfalls in der Versammlung war: „Ich habe den Eindruck, dass die Leute aus dem ersten Schock erwacht sind und Wut haben.“ Immer wieder habe es Zwischenrufe von Mitarbeitern gegeben.

Im Verlauf der etwa eineinhalbstündigen Versammlung hätten einige Fragen, beispielsweise zu den Auszubildenden oder zur Rentenversicherung geklärt werden können. Eine für Becker und Ulrich zentrale Frage sei allerdings weiter ungeklärt: „Wieso hat man nicht früher gegengesteuert? Wieso hat man nicht früher mit uns gesprochen“, fragt Becker. Seit der Übernahme durch Melrose im Frühjahr 2018 habe man sich stets gesprächsbereit gezeigt: „Seitdem wollten wir Infos haben.“

Ein Autohersteller will keine Teile mehr aus Kaiserslautern

Erst nachdem man vergangene Woche durch die unternehmensinterne Logistik darauf gestoßen sei, dass andere GKN-Werke bereits Teile herstellten, die eigentlich in Kaiserslautern gefertigt wurden, seien die Dinge ins Rollen gekommen, verrät Becker. Noch vor wenigen Wochen habe GKN außerdem auf eine schriftliche Nachfrage des Kaiserslauterer Oberbürgermeisters geantwortet, dass „alles okay“ sei. Ob das Werk in Kaiserslautern zu retten ist, da wächst bei Becker die Skepsis: „Wir haben bereits den Fall, dass ein Autohersteller keine Teile mehr aus Kaiserslautern beziehen will. Der fürchtet möglicherweise Sabotage oder schlechtere Qualität.“ Damit sei ein schleichender Prozess in Gang gekommen, der den Standort wohl endgültig unhaltbar mache.

Zumindest sei durch Aussagen Zimmermanns der Eindruck in der Belegschaft entstanden, dass der 31. März 2020 nicht der letzte Tag des Werks sein könnte. Schließlich müssten Kündigungsfristen eingehalten werden, so Ulrich. Auf Anfrage der RHEINPFALZ entgegnet ein Sprecher der GKN-Geschäftsführung: „Das erklärte Ziel von GKN Automotive ist und bleibt es, den Standort bis Ende März kommenden Jahres zu schließen.“ Man wolle dafür sorgen, dass alle Auszubildenden die Möglichkeit bekommen, ihre Ausbildung in der Region abzuschließen. „Dies ist ein wichtiges Anliegen für uns und wird ebenfalls Teil der Verhandlungen mit dem Betriebsrat sein“, betonte der Sprecher.

Geschäftsführung: Enorme Anstrengungen für die Wettbewerbsfähigkeit

Den Vorwurf des Betriebsrats, dass die Geschäftsleitung in Kaiserslautern nichts – oder zumindest nicht genügend – für die Erhaltung des Werks getan habe, weist GKN zurück: „Ganz im Gegenteil: Wir haben in den vergangenen Jahren sogar immer wieder Aufträge nach Kaiserslautern transferiert. Trotz des Transfers von Aufträgen sowie enormer Anstrengungen, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, hat der Standort Kaiserslautern bereits seit vielen Jahren erhebliche Probleme, wirtschaftlich erfolgreich zu sein“, heißt es auf Anfrage.

Alexander Wilhelm, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Arbeitsministerium, war ebenfalls zur Versammlung im GKN-Werk. Auf Anfrage der RHEINPFALZ sagte er: „Die Landesregierung hat die klare Erwartung, dass die Geschäftsführung und der Betriebsrat unter Einbeziehung der Gewerkschaften den ernsthaften Dialog suchen.“ Schließlich gehe es um Mitarbeiter, die zum Teil schon seit Jahrzehnten am Standort arbeiten. IG-Metall-Vertreter Ulrich hofft, dass die Landesregierung es schafft, mit den GKN-Eigentümern bei Melrose ins Gespräch zu kommen: „Aber ich weiß nicht, wie so eine Heuschrecke da reagiert. Ob die einen Brief der Landesregierung vielleicht auch einfach ignorieren?“

x